Das Schicksal Lyvniens von Dragon Whelp
Kapitel 4: Ein neues Leben

Nachdem entschieden worden war, dass sie bleiben durfte, wurde sie erst mal in eine Wanne gesteckt und gewaschen. Der hübsche Raum, in dem sie erwacht war, sollte von nun an ihr Zimmer sein. Ein eigenes Zimmer, ganz für sie allein! Es war wie in ihren Träumen. Die Sklavin, die herausfand, dass sie Teil einer wohlhabenden Familie war. Sie bekam Kleider und sogar Schuhe! Sie wusste natürlich, dass sie nur eine Sklavin war, deren Eltern schon vor mehreren Jahren gestorben waren, als die Wolfshunde einmal aus ihrem Käfig ausbrachen. Damals war sie erst fünf Jahre alt gewesen. Jetzt erinnerte sie sich kaum noch an ihre Eltern, ihre Gesichter hatte sie einfach vergessen. Wohl aber wusste sie noch genau, wie sie tagelang nichts essen konnte und immer nach ihrer Mutter gerufen hatte. Sie schüttelte den Kopf um sich von solchen Gedanken zu befreien. Es war einfach schön sich vorzustellen dazuzugehören.
Als sie gewaschen und angekleidet war, wurde sie von einem Dienstmädchen in einen großen Raum geführt. Ein Kaminfeuer prasselte und es gab gleich vier weiche Sofas und Regale mit Unmengen von Büchern.

"Setz dich." Und sie nahm auf einem der Sofas Platz. Ihr gegenüber saßen Sir Athal und dessen Familie. "Von jetzt an heißt du Malina Reticeo. Du bist die Tochter eines entfernten Verwandten. Dein Vater ist leider vor kurzer Zeit gestorben und ich habe ihm angeboten dich aufzunehmen. Ist das in Ordnung für dich? Dein Brandzeichen musst du aber auf jeden Fall versteckt halten!" Glücklich nickte Malina. Der Name gefiel ihr, sie hatte nie so etwas besessen. Jetzt hatte sie endlich eine Identität! "Also, Malina, das hier ist meine Frau Ashanie." Athals Frau nickte ihr freundlich zu und plötzlich umarmte sie sie. "Sie wird dir beibringen dich wie eine Dame zu benehmen. Und dieser Bursche hier ist mein Sohn, Innupto." Immer noch überglücklich durch die Umarmung Ashanies, nahm sie das Lächeln des jungen Mannes gar nicht richtig wahr. "Ich danke Ihnen, Sir Athal. Ihnen und Ihrer Familie." "Aber Kind! Malina, du bist nun ein Familienmitglied! Du brauchst uns nicht so formell anzureden. Du darfst uns nicht so anreden, oder die Tarnung fliegt auf. Nenn uns beim Vornamen, oder sogar Tante und Onkel. Verstanden?" Sie nickte. Sie hatte einen Namen und eine Familie. Sie konnte es immer noch nicht fassen, oder dieses Gefühl auch nur im Ansatz beschreiben. Man hatte ihr ein neues Leben geschenkt.

Am Abend gab es ihr zu Ehren ein Festessen! Während dem Essen spielte ein Diener Klavier und einer Geige. Es war wunderschön. Sie hatte vorher noch nie solche Musik gehört. Das einzige, was sie kannte, waren die Lieder der Sklaven während der Arbeit, draußen auf den Feldern. Die Athals erzählten ihr viel über die Familie, machten Späße und erklärten ihr vieles. Sie erfuhr, dass Gregor und Innupto beide Sekuris waren. Er hatte den Begriff Sekuri schon einmal erwähnt, als er sie gefunden hatte. Aber zu der Zeit konnte sie nichts damit anfangen. Jetzt wusste sie, dass Sekuris speziell ausgebildete Leibwächter des Königs waren, sowie dessen Vertraute. Es gab insgesamt fünf. Gregor Athal war der Erste Sekuri, das bedeutete, er war der Ranghöchste. Innupto war noch nicht sehr lange ein Sekuri, er war der Fünfte. Das Wams, das feingliedrige Kettenhemd und der blaue Umhang, den Gregor getragen hatte, als er mit ihr zu seinem Haus ritt, sie gehörten zu der Uniform eines Sekuris. Das Wams und die dazugehörige Hose waren ebenfalls blau und das Wams hatte eine bestimmte Stickerei auf den Ärmeln: Ein verschnörkeltes "S", ein Schwert und eine Krone. Sie kannte dieses Wappen. Sie hatte es schon einmal gesehen.

Der Abend verlief heiter und anschließend gingen alle zu Bett. Malina lag noch eine Weile wach und dachte über das nach, was Innupto gesagt hatte. Ein Sekuri zu sein war die größtmögliche Ehre. Man schwor dem König ewige Treue. Er hatte von der Zeremonie geschwärmt, durch die er ein Sekuri wurde. Seine Augen hatten dabei träumerisch gefunkelt. Bei diesem Gedanken schlief sie schließlich ein.
 

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Und sicher geht es hier bald weiter zum 5. Kapitel...

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