Geisterwelt von Nicole

"Wer ist da?!" rief er unsicher in das Dunkel hinein. 
Er erhielt keine Antwort. 
Stattdessen klapperte plötzlich irgendetwas am vermuteten Ende der Finsternis. Das Geräusch erinnerte an einen Metallstab, der auf steinernem Boden aufschlug und anschließend noch ein Stück weit wegrollte. Er ging ein Stück weiter und hörte ein Rascheln, wieder blieb er stehen. Er lauschte auf weitere Geräusche. Als er nichts mehr hörte, ging er wieder vorsichtig weiter, immer in die Richtung, in der er das Geräusch vermutete. Plötzlich hörte er hinter sich ein Lachen, es hörte sich sehr unmenschlich an. Es wurde immer lauter, als ob das Etwas immer näher kommen würde. Er ging schneller. Als das Lachen immer noch lauter wurde, fing er an zu rennen und stand plötzlich am Ende der Finsternis. Er hielt sich die Hand vor die Augen, denn das plötzliche Licht blendete ihn.
Als er sich endlich an die Helligkeit gewöhnt hatte, sah er sich um. Er stand inmitten von komischen schattenhaften Gestalten - Geistern. Er wollte zum Sprechen ansetzen, aber seine Lippen gehorchten ihm nicht, so kam nur ein piepsiges Geräusch heraus. Er versuchte es noch einmal, doch wieder schaffte er es nicht. Dann kam einer der Geister auf ihn zu, fuhr ihm einmal übers Gesicht und er fiel in Ohnmacht.

Er wachte auf, sah sich um und war in einem Zimmer. Dann sah er sich ein bisschen genauer um und bemerkte, dass nur ein Stuhl und ein Tisch in diesem Zimmer standen, auch sah er nur ein Fenster, welches jedoch mit einem Gitter bedeckt war. Dann bemerkte er, dass er in einem Kerker saß, er sah es an den Gitterstäben, die die Tür darstellen sollten. Er sprang auf, bereute es aber sofort, denn sein Kopf fing an zu dröhnen. So lehnte er sich gegen die Wand bis das Dröhnen in seinem Kopf schwächer wurde, dann ging er vorsichtig zum Gitter. Er stieß dagegen und das Gitter ging auf. "Es ist nicht abgeschlossen!", ging es ihm durch den Kopf. Er trat auf den Gang, sah erst nach links. Niemand zu sehen. Dann nach rechts, er erschrak und sprang zurück in den Raum. Er bereute es, denn sein Kopf fing wieder an zu dröhnen. Er lugte noch einmal um die Ecke, in der Hoffnung sich getäuscht zu haben, doch er hatte es sich nicht nur eingebildet, dort stand wirklich ein Geist.
Der Geist kam auf ihn zugeschwebt und sagte mit einer kehligen, unmenschlichen Stimme: "Du wirst erwartet, folge mir."
Er sah den Geist an und nickte unmerklich, denn er war schlau genug, um jetzt nicht an Flucht zu denken. Der Geist drehte sich um, flog los und er ging langsam hinterher. Auf dem Weg sah er sich noch einmal genau um, er befand sich in einer Burg. An den vielen Treppen, die er rauf und runter stieg, merkte er, dass es eine sehr große Burg sein musste.
Ungefähr eine Viertelstunde später hielt der Geist vor einer Tür und erklärte ihm, was er tun und sagen durfte und was nicht. Als der Geist an die Tür klopfte dachte er sich: "Das kann einfach nicht gut gehen."
Kurze Zeit später trat er hinter dem Geist in einen riesig großen Raum. Er sah sich um und entdeckte einen Stuhl auf dem ein... Das war einfach nicht zu glauben, dort saß eine Frau, eine lebende Frau. Er kniff die Augen zusammen und öffnete sie wieder. Nein, er träumte nicht. Es war wirklich eine Frau. Sie fing an zu lachen, ein hohes melodisches Lachen. Er betrachtete sie genau und bemerkte, dass sein Mund offen stand, schnell schloss er ihn.
Die Frau hörte auf zu lachen und sprach: "Wieso bist du in meine Welt gekommen, in die Welt der Geister? Alle, die hierher kommen und noch nicht tot sind, werden sterben, wenn sie nicht bis Sonnenuntergang einen Weg zurückgefunden haben."
Er sah sie verwirrt an, doch sie schwieg und wartete auf eine Antwort. So langsam verstand er: "Ich befinde mich in der Welt der Geister und muss bis Sonnenuntergang zurück sein, sonst sterbe ich... Das schaffe ich nie."
"Das hat auch noch nie jemand geschafft, es hat aber auch noch keiner versucht", erwiderte sie.
Er staunte und fragte: "Wie lange ist es noch bis Sonnenuntergang?"
"Eine halbe Stunde", kam als Antwort.
Er starrte sie an und sagte ernst: "Habt ihr ein Messer oder ein Schwert?"
"Ja, haben wir, dort hinten", sagte der Geist, der immer noch hinter ihm stand, und zeigte in eine Ecke.
Der Junge lief schnell dort hin und gerade als er mit dem Dolch ausholen wollte, wachte er auf. Er war zu Hause in seinem Bett und als er hinaus sah, sah er den Mond. Er atmete langsam aus, stand auf und ging in die Küche.
 

© Nicole
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