Roter Drache Tod von Soleil

Die Männer des Königs versammelten sich um ihn. Die Ritter und Lords ließen sich nichts anmerken, aber sie waren nervös.
Laurid sah hinüber zu seiner Königin, die die kleine Prinzessin sacht in ihren Armen wiegte, und seufzte.
Er erhob sich und trat zu seinen Männern.
Die seidenen Vorhänge wehten pulsierend in der angespannten gewittrigen Luft, die einige Probleme beim Atmen brachte.
"Mein König. Es ist an der Zeit zu handeln. Gebt das Zeichen zum Aufbruch."
Jalak war ein Gefährte und Freund seit Kindertagen und hatte selbst eine junge Frau und zwei Kinder.
Laurid verstand sie alle so gut. Sie waren nervös und sie hatten Angst. Doch das machte aus Männern unberechenbare Krieger, vor allem, da ihre Angst nicht dem eigenen Leben galt. Aber keiner von ihnen hatte jemals gegen einen Drachen gekämpft. Keiner wusste, was das bedeutete.
Ihr König schon.
Damals, zu einer Zeit als er sich noch nicht lange rasierte, war es ein Drachen, der ihm die Mutter raubte. Er hatte sich voller Zorn und Hass auf den Weg gemacht um das Untier zu töten. Ohne den Vagabunden, seinen Freund und Lehrmeister hätte er es nie geschafft. Doch es war ein weiblicher Drachen gewesen und sie hatten das Ei niemals gefunden. Vielleicht hätte er damals länger suchen sollen, denn dann wäre das alles nun nie geschehen.
Er klopfte seinem Freund auf die Schulter und nickte.
"Gebt das Zeichen. In einer Stunde reiten wir vom Hof."
Er versuchte das freudige Aufblitzen in ihren Augen nicht zu sehen, aber es konnte ihm nicht entgehen.
Sie verließen rasch den großen Ratssaal und er schaute ihnen nach. Dann drehte er sich um und trat zu seiner Frau.
"Sie ist so ein liebes Kind. Sie weint gar nie."
Die schöne Azora, die er mit jeder Faser seines Körpers liebte, rang um ihre Fassung, das wusste er.
"Sie kommt nach ihrer Mutter."
Sie schlang ihre Arme um ihn und presste ihn so fest an sich, dass ihm die Luft wegblieb. Aber es machte ihm nichts aus, er tat es ihr sogar gleich. Doch der Augenblick war viel zu rasch vorüber und sie löste sich aus der Umklammerung und richtete ihr Kleid. Er schluckte und trat dann zur Wiege, um das Kind herauszuheben.
Er hielt es fest und doch sanft und konnte kaum glauben, dass sie seinen Lenden entsprungen sein sollte, so winzig und klein. Die blauen Augen waren die ihrer Mutter, aber der sachte Flaum im typischen Rot seiner Familie waren Zeichen des Vaters. Seine kleine Deira brabbelte etwas und lächelte, bevor sie sich an ihn kuschelte und einschlief.
Auf einmal hatte er das Gefühl, das alles schon einmal erlebt zu haben und eine lähmende Angst überkam ihn, es könnte das letzte Mal sein, dass er sie sah.
Das Kind schien seine Aufregung zu spüren und wachte auf, um ihn zu betrachten. Schnell legte er sie zurück in ihre Wiege, bevor sie doch noch das Weinen lernte.
Azora hatte ihn beobachtet und lächelte still in sich hinein.
"Gemahl es ist Zeit."
Ihre sanften Worte brachten ihn zurück in die Wirklichkeit. Er nickte und schlang seine Arme dann doch noch einmal um sie. Als er sie zum Abschied küsste, fuhr ihm eine eisige Hand den Rücken hinab.
Schnell wandte er sich um und verließ den Saal, ohne noch einmal zurückzusehen.
Im Hof warteten seine Männer schon voller Ungeduld.
Jalak war sogleich an seiner Seite und würde bis zum Ende des Kampfes auch nicht mehr von ihr weichen.
"Es ist alles vorbereitet, mein König. Euer Pferd und Schwert warten auf euch."
Laurid nickte nur bei seinen Worten und streifte die ledernen Handschuhe über. Ein kurzer Blick aus den Augenwinkeln sagte ihm, dass Azora am Fensterbogen stand und auf ihn hinabsah. Mit ihr hatte das Land eine gute Königin bekommen, sie würde wissen was zu tun war.
"Wir reiten!", hallte seine Stimme über den Hof und die Hörner gaben ihr einen dunklen Klang.
Sein Pferd war nicht so prachtvoll wie man es von einem König erwartet hätte, aber er ritt auch nicht in einer Prozession, sondern in einen Krieg.
Wie sonderbar mutete es an, dass er es Vagabund getauft hatte.
Sein alter Lehrmeister fehlte ihm gerade jetzt, doch der Tod machte keine Unterschiede und er lag längst unter der Erde.
Das Fußvolk war schon vor Tagen losgezogen, da es schweres Gerät mit sich führte und sie folgten ihrem Weg.
Jalaks Augen waren starr nach vorn gerichtet in ihrer wilden Hatz. Doch der König konnte die Augen nicht verschließen. Durfte es nicht.
Der Drachen hatte schlimm gewütet. Die meisten zur Ernte bereitstehenden Felder lagen schwarz und verkohlt brach. Nach einigen Tagen trafen sie dann auf ganze verbrannte Dörfer, in denen nur noch vereinzelt Hühner oder Hunde in der Asche scharrten.
Der kommende Winter würde hart werden für sein Volk.
Es stand mitunter am Straßenrand und winkte den vorbeireitenden Männern des Königs nach. Er wusste, diese Stimmung würde bei Einsetzen des Winters umschlagen.
Nach fünf Tagen hatten sie das Heer eingeholt und die Berge schienen nicht mehr fern.
Es machte ihn nervös nun nur noch langsam voranzukommen und Nachts lag er lange wach um über alles nachzudenken. Und Azora fehlte ihm unendlich.
Am siebenten Tag, als die Berge schon greifbar nahe waren, streifte ein dunkler Schatten das Land zu ihren Füßen.
Ein leises Rauschen erklang, ein Flügelschlagen wie von hunderten kleiner Vögel.
Im Heer entstand Aufregung und Hektik, als alle Soldaten gleichzeitig versuchten in Angriffsstellung zu gehen.
Laurid stöhnte innerlich auf.
Der Drachen hatte sie an diesem recht bewölktem Tag sicher nicht einmal bemerkt und verschwand innerhalb nur weniger Minuten außer Sichtweite.
Laurid wusste, er konnte sich auf seine Truppenführer verlassen, hatte er doch jeden einzelnen von ihnen selbst ausgewählt. Dennoch ritt er, gefolgt von Jalak, durch das gesamte Heer und verteilte Anweisungen wenn es nötig war. Und sprach Zuspruch. Die Anerkennung seiner Soldaten und Ritter besaß er nicht nur wegen seiner Logik und schnellen Auffassungsgabe. Sie wussten auch, dass er mit ihnen fühlte und das machte ihn zu einem von ihnen.
Die Lage beruhigte sich zusehends, doch sie hatten mehr als eine Stunde an Zeit verloren.
Am Ende des achten Tages endlich waren sie am Ziel.
Die Ausläufer des Gebirges lagen vor ihnen. Es bildete die natürliche Grenze zu Seeland, ihren nächsten Nachbarn. Sie verehrten die Drachen in abergläubiger Furcht und brachten ihnen sogar Opfer dar. Ihr Herrscher hatte von dem Wüten und dem Chaos das der Drachen anrichtete gehört. Doch statt ihnen seine Hilfe anzubieten, hatte er Laurid verwarnt, dem gottesgleichen Wesen nur ja nichts anzutun.
So war er gezwungen gewesen sein Heer zu rekrutieren und hier Stellung zu beziehen. Ein Teil würde hier abwarten. Vor allem die Kavallerie und das schwere Gerät. Der Rest würde ihn und seine Ritter begleiten und die Pässe sichern.
Laurid kümmerte sich persönlich um das Lager und besprach den Plan mit jedem einzelnen Truppenführer. Sie hörten ihn aufmerksam an, warfen ihm aber Seitenblicke zu. Natürlich hatte er ihnen seine Plan schon dreimal erklärt, doch er musste einfach vollkommen sicher sein, dass sie es auch wirklich verstanden hatten. Zu viel hing davon ab. Sie bildeten die letzte Grenze, falls es zum Äußersten kommen sollte.
Jalak begleitete ihn stumm. Er war durch und durch ein Edelmann. Sein König war sein Herr und Vertrauter, doch Laurid wusste, er konnte diesem gewöhnlichen Volk nichts abgewinnen.
Er hatte auch nie unter ihnen gelebt.
Er nahm ihn und die Ritter mit in sein Zelt, wo Landkarten wirr durcheinander lagen.
Zwei Diener mit seinem Wappen auf ihrer Kleidung huschten hinterher und verteilten Becher mit Wein.
Laurid streifte seinen Umhang ab ebenso wie seine Handschuhe und ließ sie achtlos auf den Boden fallen. Dann setzte er sich auf den geschnitzten Stuhl, der ihm hier als Thron diente.
"Es ist soweit."
Sie sahen ihn aufmerksam an und vereinzelt ließ sich einer von ihnen von den Dienern nachschenken.
"Die Höhle des Drachen liegt nur noch zwei Tage entfernt hoch in den Bergen. Ich glaube nicht, dass er eine andere benutzt, als seine Mutter."
Er unterbrach kurz um seine Kehle zu benetzen und fuhr dann fort.
"Jangai, Seram und Shan ihr werdet das Fußvolk zu den Pässen führen und den Oberbefehl übernehmen. Falls einer durch Eis und Schnee nicht begehbar sein sollte, dann kehrt sofort um und lasst nur zwei Wächter zurück."
Himmel, er brauchte die Männer so dringend und wünschte sein Heer wäre doppelt so stark.
Sie waren nicht glücklich darüber, nicht gegen den Drachen kämpfen zu können. Doch sie waren vertrauenswürdig und der ihnen zugeteilten Aufgabe gewachsen. Das traf beides leider nicht auf sie alle zu.
"Der Rest wird mich begleiten bis auf Jalak. Du wirst hier bleiben und den Befehl über das Heer übernehmen."
"Nein!"
Die anderen wurden unruhig, doch sie wussten, wie vertraut sie beide waren. Dennoch dem König widersprach man nicht.
Laurid erhob sich und stellte den Becher zur Seite.
"Jalak es ist wichtig, alter Freund."
"Mein König! Ich muss an eurer Seite stehen!"
Laurid lächelte in sich hinein. Die anderen verließen nach und nach das Zelt, während Jalak sich innerlich zu winden schien.
"Ich akzeptiere, wenn ihr das wirklich wünscht, mein Herr."
Laurid lachte und klopfte ihm auf die Schulter.
"Das tue ich. Aber warum so förmlich? Komm setz dich zu mir."
Sie ließen sich einen großen Krug Wein bringen und schickten die Diener fort. Die alten Zeiten lebten in ihren Gesprächen auf und nur all zu schnell war die Nacht vorüber.
Laurid tat es um den Schlaf nicht leid, den er nicht gehabt hatte. Noch weniger vermisste er die Träume, die ihn hatten erschreckt und verschwitzt hochfahren lassen. Doch es rächte sich bald, als der wahre Aufstieg begann.
Vielleicht sollte man meinen, Vagabund hätte die größte Arbeit, doch Laurids Muskeln meldeten sich nur allzu bald.
Am Nachmittag dieses Tages, als sie gerade eine Rast einlegten, begann er den Drachen zu fühlen.
Vor seinem inneren Auge stellte er sich vor, wie er in der dunklen und kalten Höhle schlief und sein Atem vor dem mächtigen Maul mit den spitzen Zähnen tanzte.
Es wurde auch merklich kühler, je höher sie kamen und nicht nur das Fußvolk holte die fellbeschlagenen Mäntel hervor.
Dann waren sie über die Passgrenze hinaus und ließen die Soldaten dort zurück.
Laurid sah auf seine restlichen acht Ritter und zog den Mantel enger.
Jangai und Shan würden auch noch weiterziehen müssen zu den anderen Pässen. Er hoffte für sie und auch für sich selbst das beste.
Seine Verbindung mit dem Drachen wuchs mit jedem Schritt und irgendwie hatte er das Gefühl erwartet zu werden. Seine Ungeduld steigerte sich schier ins Unermessliche und er trieb sie alle zu einer kräftezehrenden Eile an.
Am Abend gab es nur zwei winzige Feuer und es wurde so kalt, dass ihr Atem zu gefrieren schien. Ihr Schlaf war dementsprechend kurz und ungemütlich.
Am frühen Morgen tranken sie heißen Tee, um sich wenigstens von innen zu wärmen und Laurid hatte das Gefühl etwas sagen zu müssen. Doch es wollte ihm einfach nicht von den Lippen und so besprach er nur allgemeines mit ihnen.
"Ein Drachen ist wie ein Tier, ein Wolf oder Bär. Wendig trotz seiner Größe, kräftig und nur sehr schwer zu töten. Sein Schwanz ist meist mit Dornen besetzt und wird hin und her schwingen, wobei hüfthohe Steine durch die Luft wirbeln werden, also passt auf. Am gefährlichsten aber ist sein Atem. Selbst ohne Feuer solltet ihr ihn nicht einatmen, denn er verursacht Übelkeit und Sinnesschwankungen. Die Haut ist sehr dick und wird nicht so einfach zu durchdringen sein. Die Bauchpartie ist am empfindlichsten, aber schwer zu erreichen. Durch den Kampf und den Lärm können auch Felsenstücke von der Decke kommen."
Er seufzte tief.
"Es gibt noch so vieles mehr. Ich will, dass ihr wisst, worauf ihr euch einlasst. Jeder der zurück will, sollte jetzt gehen, denn schon heute, am frühen Abend denke ich, werden wir vor ihm stehen."
Sie sahen erst ihn und dann einander an.
"Von uns wird keiner gehen, mein König."
Jerome hatte kurzes stoppeliges Haar in einer absolut undefinierbaren Farbe und Laurid glaubte sich daran zu erinnern, dass Azora gesagt hatte, er würde auf ewig Junggeselle bleiben.
"Es ist auch unser Land!"
Der Mann Andar mit dieser fast weiblichen Stimme zuckte doch etwas zusammen, als sich die Blicke auf ihn richteten. Zu einer anderen Zeit hätte man ihn dafür des Hochverrates anklagen können.
Aber er hatte natürlich auch recht.
Laurid nickte mit einem leichten Lächeln und die Situation entspannte sich.
Sie brachen das Lager ab und machten sich auf den Weg. Mittlerweile mussten sie die Pferde schon zu Fuß führen, da das Reiten schon viel zu gefährlich war.
Zu Mittag ließen sie sie ganz zurück. Mit leichten Fußfesseln, doch auch noch genug Bewegungsfreiheit. Die Erinnerungen überfluteten Laurid und Vagabund fehlte ihm. Nicht so sehr wie Azora, aber doch so, dass sein Herz schmerzte.
Dann plötzlich konnte er den Drachen hören.
Ein sanftes Grollen, vergleichbar mit dem Schnurren einer Katze drang an sein Ohr und er blieb stehen. Er hob die linke Hand, die sowohl zur Vorsicht mahnen sollte, als auch eine Aufforderung zum Lauschen war.
Der Eingang zur Höhle lag direkt vor ihnen.
Er gab seinen Männern das Zeichen, die Fackeln und Feuersteine hervorzuholen.
Die Hälfte von ihnen würde dafür sorgen, dass sie brennen würden, egal was passierte.
Die Waffen wurden überprüft, geradegerückt und blank gezogen. Laurid wusste, sie hatten heimlich und unter sich ausgemacht, wer das Leben des Königs mit seinem eigenen verteidigen würde.
Dann war alles bereit und sie betraten die Höhle. Ein kleiner Lichtkegel beleuchtete gräulichen kantigen Stein und vereinzelt war Schnee hereingeweht.
Laurid glaubte, das Pochen seines Herzens schlucke jedes andere Geräusch, trotzdem versuchte er es zu ignorieren.
Der Gang war eher schmal und irgendwie hatte er ihn größer in Erinnerung. Er lächelte. Damals war er so jung gewesen.
Bald fächerte sich der Gang in drei weitere. Laurid wusste nicht mehr, welcher der richtige war, doch als der Drache sich regte, steigerte sich auch das Gefühl des Erwartet Werdens. Und er folgte seinem Gefühl.
Die eigentliche Lebenshöhle hatte sich so gut wie gar nicht verändert. Stroh war auf dem Boden verteilt und die Decke wies die Öffnung auf, durch die das Untier hinein und hinaus gelangte.
Die Form einer Kuppel schien natürlich zu sein, konnte aber ebenso von einem längst untergegangenem Bergvolk geschaffen worden sein. Kleinere und größere Felsvorsprünge waren leer und Laurid verteilte die Männer mit Handzeichen.
Der Drachen lag zusammengekauert etwas abseits an den Felsen geschmiegt und schien zu schlafen. Aber er hatte die Augen geöffnet und das passte nicht.
Der Lichtkegel von der Deckenöffnung erreichte ihn nicht und so bildete er nur einen dunklen Schatten, der nur durch das Weiß in den Augen Leben erhielt.
Laurid runzelte die Stirn und packte sein Schwert fester im Griff. Vagabund hatte einst gesagt, sie bildeten jetzt eine Einheit, es gehöre untrennbar zu ihm. Aber Laurid wusste, seine zweite Hälfte war nur Azora.
Nur noch wenige Schritte trennten die Männer von dem Ungetüm und Jerome blickte nervös zu seinem König. Die Flanken des Drachen hoben und senkten sich und die Augen rollten zwischen den Männern hin und her. Zenon trat so nahe heran, dass sich das Licht der Fackel auf den Schuppen spiegelte.
Er war rot.
Laurid zuckte zusammen. Das konnte nicht sein. Rote Drachen waren vor hunderten Jahren ausgestorben und selbst falls dennoch einer überlebt haben sollte, so war die Mutter doch grün gewesen. Und braun, wie es die Drachen in den Legenden waren, die Großmütter ihren Enkeln erzählten.
Er trat so dicht heran, dass er die Eckzähne hätte berühren können, die fast so groß waren wie er. Ein Tuch vor Mund und Nase gepresst glitt sein Blick über den monströsen Körper. Er war wunderschön. Fast war es eine Schande, dass sie diesem Wesen das Leben nehmen mussten.
Vor seinem inneren Auge sah er wieder die verkohlten Felder und er seufzte tief.
Als er das Schwert erhob, brüllte der Drache los und breitete seine Flügel aus.
In nur wenigen Wimpernschlägen hatte er sich voll aufgerichtet und brüllte den Männern seinen Zorn über ihr Eindringen entgegen. Zu Tode erschrocken fielen zwei Fackeln und erloschen.
Laurid fluchte. Sie hatte keine Zeit zurückzuweichen und der Drache hatte den Felsen im Rücken, würde also nach vorn streben. Er wollte seinen Männern Mut und Anweisungen zuschreien, aber gegen die Stimme des Drachen kam er nicht an. Es gab ihm einen Stich ins Herz, doch sie waren nun auf sich allein gestellt.
Er brüllte etwas, was im Kampfeslärm unterging und stürmte los.
Der Schwanz des Drachen knallte mit zorniger Kraft auf den Boden, so das dieser erzitterte. Kleinere Steine regnetten von der Decke und Laurid fiel auf die Knie. Direkt vor ihm traf die linke Klaue auf und der Luftzug warf ihn nach hinten. Jerome war an seiner Seite, ehe er es noch begriff und zerrte ihn fort.
Zenon und drei weitere lenkten den Drachen ab und griffen ihn an. Schon steckten drei Pfeile im Hals, doch er gab sich nicht geschlagen. Laurid mühte sich aus dem Griff frei und kam auf die Füße. Ein leichtes Gefühl der Übelkeit überkam ihn und die Wut des Drachen ging in ihn über. Der Atem musste durch das Tuch gedrungen sein und er hoffte, er könne lange genug auf den Beinen bleiben.
Zenon und Andar standen direkt unter dem Drachen, als Laurid wieder vollends zu sich kam. Jerome und zwei weitere traktierten den Drachen so sehr, dass er die Männer unter seinem Bauch erst bemerkte, als sie zustachen. Ein letztes markerschütterndes Brüllen ließ die Höhle erzittern und der Drache fiel in sich zusammen. Die Männer rannten zur Seite, um nicht von ihm begraben zu werden und das Adrenalin pulsierte so schnell und stark in ihrem Blut, dass sie zu seinem Kadaver rannten und ihre Schwerter tief in sein Fleisch gruben.
Laurid sah nur zu. Dann drehte er sich zur Seite und leerte seinen Magen aus. Das Flimmern vor seinen Augen hielt an und plötzlich schämte er sich.
Doch die Aufmerksamkeit galt vor allem Andar, der wild schreiend nicht vom Drachen lassen wollte. Die Worte klangen verworren, doch schien er etwas anklagendes über die Zerstörung des Landes von sich zu geben.
Laurid erinnerte sich an eine abfällige Bemerkung Jalaks, nach der Andar ein Bauernmädchen liebte. Sie konnten ihn erst beruhigen, als er nur noch haltlos schluchzte.
Sie waren sich stumm einig, dass das Geschehen in dieser Höhle bleiben würde und nicht nach außen getragen werden musste.
Die Verletzungen waren zahlreich, aber nicht so schwerwiegend, als das sie nicht hätten gehen können. Es hielt keinen von ihnen und so traten sie nach einer kurzen Pause den Rückweg an. Laurid war erfreut, als sie fragten, ob man nicht das ehemalige Nest suchen sollte. Doch er konnte sie beruhigen. Ein weiblicher Drachen legte Zeit seines Lebens nur ein einziges Ei.
Sie waren Helden, doch sie fühlten sich nicht so.
Erleichterung erfüllte ihre Herzen und die Vorfreude auf die Liebsten.
Erstaunt stellten sie fest, dass die Nacht erst ihren mittleren Punkt erreicht hatte.
Ohne Umschweife gingen sie zu der Stelle, wo sie die Pferde zurückgelassen hatten. Dort warteten zwei Soldaten mit ernsten Gesichtern.
"Herr! Es ist etwas geschehen!"
Laurid glaubte, er falle in ein tiefes Loch.
"Was ist passiert? Sprecht Mann!"
Sie sanken vor ihm auf die Knie und wechselten erst einen verstohlenen Blick, bevor einer von ihnen sprach.
"Herr. Ihr wart noch nicht lange fort, da verdunkelte sich der Himmel und wir trauten unseren Augen kaum, als wir es sahen. Herr! Es waren Drachen! Drei rote Drachen! Herr, wir... ."
Die Stimme versagte ihm und sein Gefährte fuhr fort.
"Mein König, wir haben versucht sie aufzuhalten, als wir sahen, dass sie aus Seeland kamen. Ich schwöre wir haben es versucht! Doch sie waren einfach so schnell fort."
Das Blut wich Laurid aus dem Gesicht und trotz des Schocks bemerkte er, dass er nicht der einzige war, der kniete.
"Wohin sind sie geflogen?"
Sie schluckten beide und ihre Adamsäpfel tanzten auf und nieder. Keiner von ihnen riss sich um die zweifelhafte Ehre dieser Antwort.
"Zur Burg."
Das Keuchen hinter ihm kam aus vielen Kehlen, doch alles was Laurid plötzlich hörte waren die angsterfüllten Schreie Azoras, als sie zum Himmel sah. Und Deira. Seine kleine liebe Deira.
Der erste Soldat räusperte sich.
"Da ist noch etwas Herr. Der hohe Lord Jalak konnte einen Spion der Seeländer gefangen setzen und bittet euch augenblicklich zurückzukehren."
Laurid dachte spöttisch, was dieser Mann glaubte, was er sonst tun würde.
Das Tempo, das sie nun anschlugen, war nur noch mit gutem Willen halsbrecherisch zu nennen und es war ein Wunder, dass sich keines der Pferde ein Bein brach und somit der Reiter sich das Genick. Die Hälfte der Zeit des Aufstieges war nur noch nötig und Laurid dachte später nur noch ungern zurück.
Jalak saß in Laurids Zelt und die Männer drängten sich hinter ihm hinein, noch ehe sie ihre Wunden behandeln ließen.
Laurid würde nie mehr erleben, wie ein Mensch in dieser kurzen Zeitspanne fast die Hälfte seines Körpergewichtes verlieren konnte. Jalaks Augen saßen tief in ihren Höhlen und schwarze Ränder ließen sein Gesicht eckig wirken. Irgendwie wirkte er verloren und doch angefüllt mit etwas, das schwerlich gut zu nennen war.
Seine Augen leuchteten kurz beim Anblick seines Königs auf, wurden aber wieder fahl, als er sich zu erinnern schien.
"Jalak! Sprich!"
Er lächelte sie an.
"Sie sind tot."
Die Männer erstarrten in ihren Bewegungen.
"Was!"
"Sie müssen inzwischen tot sein. Ich weiß es. Niemand kann drei roten Drachen widerstehen. Und sie sind ohne großen Schutz."
Dann strahlte er sie alle an.
"Aber die Rache wird unser sein!"
Laurid schluckte und trat auf seinen Freund zu.
"Wir wissen nicht, was geschehen ist. Vielleicht sind sie auch..."
Er wusste es selbst nicht so genau.
"Doch mein König, wir wissen es. Dieser elende Hurenbock von einem Spion hat alles gesagt. Aber kommt, das müsst ihr von ihm hören."
Sie folgten Jalak mit steifen Gliedern. Der Gefangene saß mitten im Herzen des Lagers und konnte ihnen nur mühsam entgegensehen. Sein Gesicht und der Rest seines Körpers waren mit einiger Präzision bearbeitet worden.
Laurid sah zu Jalak sagte aber nichts. Wie gut konnte er ihn verstehen.
"Was habt ihr getan?"
Er merkte kaum wie er schrie.
Der gefesselte Mann vor ihm zuckte zusammen und stotterte los. Offenbar war sein Wille gebrochen worden.
Doch Laurid konnte nur wenig verstehen, denn es fehlten ihm auch mehrere Zähne.
Entnervt winkte er ab und sah scharf zu Jalak. Dieser sah ihn geradezu liebevoll und gedankenverloren an und fasste sich.
"Eryth wollte offenbar die Gelegenheit nutzen und sein Machtgebiet vergrößern. Er hat uns ein krankes Jungtier geschickt, damit wir fort von der Burg ziehen. Dann hat er Tiere losgeschickt, die von Nerow aufgezogen wurden. Euch ist natürlich bewusst, dass er der letzte der Drachenredner ist."
Er sah sich unter ihnen um. Natürlich wussten sie es nicht.
Laurid senkte den Kopf.
Es holte ihn die Vergangenheit eben doch immer wieder ein. Auch wenn er nicht dafür konnte. Nerow war der Onkel seiner Mutter und unter Schande des Landes verwiesen worden. Wäre es damals anders gekommen, säßen er und seine Nachkommen jetzt auf dem Thron. Sein Schwur nach Rache hatte jede neue Generation schon in der Wiege begleitet.
Doch wieso jetzt?
"Er kann sich mit dem Geist der Drachen in Verbindung setzen und ihr nächstes handeln bestimmen."
Seine Stimme klang rau und müde.
Ihr Entsetzen war echt, denn ein Krieg war unvermeidlich geworden. Und das Land würde schreien.
Ein Truppenführer stürzte herein.
"Die Lords Jangai, Shan und Seram sind zurück. Zwei der Pässe sind vereist und den dritten hat ein Steinschlag geschlossen. Mein König," fügte er noch schnell an.
Ihm war klar, was das bedeutete. Vorerst keine Gefahr.
"Zu den Pferden," flüsterte Laurid.
"Und Talmar zu mir. Schnell!"
Jetzt schrie er.
Er wusste nicht ob es klug war das Heer zurückzulassen und jemand anderem anzuvertrauen. Wahrscheinlich nicht. Sein Körper verlangte nach Ruhe, sein Geist aber verlangte nach Gewissheit. Er wusste, seinen Rittern und Lords ging es genauso und keiner von ihnen würde sich schonen, ehe sie die Burg erreicht hatten.
Ein kräftiger Mann mit einem verschmitztem Zug um den Augen trat zu ihm, als er Vagabund den Hals tätschelte.
"Mein König, ihr habt mich rufen lassen?"
Er nickte.
"Ja Talmar. Ich vertraue dir das Heer an. Verwalte es gut bis zu meiner Rückkehr. Ich weiß, dass ich mich auf dich verlassen kann."
Er nahm die Hand des Mannes in seine und drückte sie freundschaftlich.
Dem Mann vor ihm klappte der Mund nach unten. Vom einfachen Truppenführer zum Heerführer. Laurid musste grinsen.
"Du bist einer der erfahrensten Männer und dein Leben lang hast du nichts anderes getan. Du kümmerst dich um alles und jeden. Ich könnte mir keinen besseren wünschen. Und du weißt über alles bescheid. Ist es nicht so?"
"Ja mein König. Doch ich bin kein Lord. Ich kann es nicht tun!"
"Stellst du die Entscheidung deines Königs in Frage?"
"Nein Herr."
Talmar war immer noch gelähmt vor Schreck, doch Laurid wusste, er würde seine Aufgabe gut machen. Alles, woran er dann noch denken konnte war Azora. Und Deira.
Die Tage waren lang und doch kurz. Die Erinnerung brachte später nur noch Nebelgestalten zu Tage. Er wusste, sie hatten auch die Menschen befragt. Und die Antwort war immer die gleiche gewesen.
Drei rote Drachen. Zur Burg.
Die Hoffnung schwand von Stunde zu Stunde. Die Untiere hatten nur dieses eine Ziel, würden nicht vorbeifliegen. Denn sie waren gesteuert von Nerow, dessen Hass die Jahre überdauert hatte.
In der letzten Nacht wälzte Laurid sich von einer Seite auf die andere. In seinen Träumen fragte ihn Azora immer nach dem Warum. Und je schneller er rannte, desto weiter entfernte sie sich von ihm, während im Hintergrund seine kleine Deira weinte.
So früh sie konnten brachen sie wieder auf, auch wenn ihnen bewusst war, was das den Pferden antat.
Es begann zu nieseln als die Burg in Sichtweite kam.
Sie verhielten die Pferde, die nervös hin und her tänzelten und sahen auf das Szenario.
Die Burg rauchte. Nicht so, als würde sie in Flammen stehen, eher so, als würden zahlreiche Lagerfeuer im Hof entfacht sein. Die Fahnen und Banner wehten müßig im Wind und es schien, als sei dies ein ganz normaler Tag.
Doch vor der Burg lagen die Kadaver zweier roter Ungetüme. Ein langer Strom Menschen Frauen wie es schien wechselten zwischen ihnen und der Burg hin und her.
Am Himmel erklang das Brüllen des dritten Drachen und die Männer zogen ihre Schwerter und gaben den Pferden die Sporen.
Der Drache landete auf der hohen Außenmauer, wickelte sich um einen Turm und tat nichts.
Die Frauen schrieen auf, ehe sie ihren König und seine Männer erkannten. Dann lachten sie verstohlen.
Laurid wollte seinen Augen nicht trauen, aber sie weideten die Kadaver tatsächlich aus und schafften das Fleisch in die Burg. Ganz nebenbei dachte er auch, dass es zu viele Frauen waren. Sie riefen ihm zu die Königin warte schon auf ihn und würde alles erklären und mehr musste er nicht wissen.
Jalak war schneller in der Burg als er und rannte auf seine Frau zu um sie in die Arme zu schließen und nie wieder loszulassen. Sie war erschrockener als er über sein Aussehen und tat es ihm gleich.
Azora sprach mit ein paar Frauen und deutete ihnen mit der Hand etwas an, als er von Vagabund sprang. Er lief auf sie zu und sie lächelte ihm entgegen. Sie legte ihre Finger an seine Wange, wo er einen kleinen Schnitt abbekommen hatte und er konnte sein Glück kaum fassen.
Dann sah er über ihre Schulter und die Luft blieb ihm weg.
Die kleine Deira krabbelte auf den Schwanz des Drachen zu. Laurid brachte Azora fast zu Fall, als er zu seiner Tochter rannte um sie zu schützen.
Der Drache beobachtete genau was passierte und bewegte seinen Schwanz hin und her. Deira schien das zu gefallen, denn sie klatschte entzückt in ihre Händchen.
Dann war er bei ihr und nahm sie in seine Arme.
Sie wirkte erschrocken, weil sie ihn nicht gleich erkannte und der Drache grollte.
Azora war augenblicklich an seiner Seite und berührte seinen Arm.
"Laurid, Geliebter, nicht. Komm ich erkläre es dir in unseren Räumen. Komm!"
Energisch zog sie ihn fort.
"Azora!"
"Ich erkläre es dir in unseren Räumen!"
Eine Kinderfrau wollte ihm Deira abnehmen, doch er sah sie nur feindselig an und presste sein Kind fest an sich. Der Drache hob den Kopf und grollte, bis sein Griff leichter wurde und Deira mit dem Haar ihres Vaters spielte.
"Ich habe Angst gehabt um dich," war das erste was er zu ihr sagte.
Sie lächelte nur still und drängte ihn zu seinem Sessel.
"Ich weiß es."
Sie sah ihn lange an und als er dachte die Stille nicht mehr ertragen zu können, berichtete sie was geschehen war.
"Sie flogen so präzise und genau. Am klaren Himmel hoben sie sich ab wie Schwarz von Weiß. Und sie waren rot! Ich weiß nicht, wie lange ich gelähmt vor Angst auf sie starrte, aber ich nahm Deira und rannte hinaus. Ich konnte sie nicht zurücklassen, ich hätte es nie geschafft.
Ihr Feuer erreichte uns nicht und ich wusste, es sollte nur Angst machen. Du kannst stolz sein auf die Soldaten und auf jede einzelne Frau. Sie haben alles gegeben um die Burg zu schützen. Aber es war Deira, der wir unser Leben zu verdanken haben."
Sie brach mit einem liebevollen Blick für ihre Tochter ab.
Laurid hatte die Augen weit aufgerissen und betrachtete das Kind in seinen Armen. Das konnte sie nicht ernst meinen.
"Zum ersten Mal in ihrem Leben weinte sie, wie wir dort auf der Mauer standen. Und der Leitdrache wandte sich gegen die beiden anderen. Mit seiner Hilfe stürzten sie zu Boden und verendeten. Erst viel später bemerkte ich, dass Deira mit dem Drachen eine Art Verbindung eingegangen war. Ich ließ die Bibliothekare in ihren Aufzeichnungen suchen und Deira ist durch dich, ihren Vater, vom alten Blute. Sie spürt den Drachen und redet auf ihre Weise mit ihm. So wie dein Großonkel, von dem du mir nie etwas erzählt hast."
Ein leichter Unterton und ein scharfer Blick war er nicht von ihr gewohnt.
Er fühlte sich wie erschlagen.
"Aber," begann er und wusste nicht, wie er den Satz beenden sollte.
"Was tut ihr mit den Kadavern?"
Sie lächelte.
"Ich dachte es wäre falsch so viel Fleisch einfach verrotten zu lassen, wo uns doch ein harter Winter bevorsteht. Die Frauen der umliegenden Dörfer helfen beim Pökeln. Das Volk wird also nicht verhungern und der Drache hat nichts dagegen. Ich glaube, er ist sogar ein klein wenig froh darüber, dass sie noch einen guten Zweck erfüllen."
Laurid sah sie an und lachte.
"Was habe ich nur für eine kluge Frau. Wenn ich dich nicht hätte... ."
Er nahm sie in seine Arme und wusste, diese beiden Menschen waren alles, was er brauchte.
Sie löste sich dann aber doch und nahm ihm sanft Deira aus den Armen.
"Sei so gut und wasch dich bevor du in den Ratssaal kommst."
Er konnte ihr nur wortlos hinterher sehen. Er fühlte sich noch immer wie erschlagen und konnte es kaum fassen. Die Ereignisse drängten sich ihm auf und er glaubte zu erkennen, das auch er etwas von Deiras Talent besaß. Sicher war er sich aber nicht.
Und Azora. Die schöne liebe Azora. Sie wusste nun, vielleicht zum ersten Mal wirklich, was es hieß eine Königin zu sein und er wusste, es würde nie mehr so sein wie früher. Aber er freute sich auch darauf, die neuen Aspekte ihrer Ehe kennen zu lernen.
Noch immer wie betäubt und angefüllt von einem Humor, den er selbst nicht ganz verstand, ließ er sich von einem Diener auskleiden und waschen.
Im Ratssaal warteten die Lords bereits auf ihn und Azora saß auf einem zweiten Thron, der direkt neben seinem stand. Er lächelte darüber, auch wenn er ein leichtes Unbehagen verspürte.
Jalaks Gesicht hatte wieder Farbe bekommen, aber Laurid war sich sicher, dass auch er nie mehr so ganz der alte sein würde. Jerome und Jangai grinsten sich an, als er an ihnen vorüberging. Er setzte sich auf seinen Thron und sah hinaus aus den Fensterbögen, vor denen, gar nicht weit entfernt, rote Schuppen im Licht tanzten.
"Wir sind froh über eure Rückkehr und uns bricht das Herz, wenn wir daran denken, wie kurz euer Aufenthalt sein wird."
Laurid war etwas überrascht, dass Azora noch vor ihm das Wort ergriff und noch viel überraschter, als sich eine Tür öffnete und die Edeldamen und Ladies eintraten.
"Dies ist der Ratssaal und die hier getroffenen Entscheidungen sollten von allen Bewohnern der Burg bewilligt sein," wisperte sie ihm zu.
Er sagte nichts dazu.
Er fühlte sich erleichtert, weil er nun wusste, dass es seiner Familie gut ging, doch er dachte auch schon wieder an die Zukunft und an den Krieg, den sie brachte.
Sie wussten gar nichts über Seeland. Das war nie notwendig gewesen. Und das musste sich ändern. Umgehend.
Bis die Pässe in einigen Monaten frei waren, bestand keine Gefahr, doch nur all zu bald würde sich dies ändern. Azora hatte recht, sie konnten nicht lange bleiben, so sehr sie sich dies auch wünschen mochten.
Der Drache und Deira. Ein Kind in einem Heereslager?
Sein Großonkel und der Hass. Vergebung?
Laurid ließ den Blick im Saal schweifen, drückte die Hand seiner Geliebten und wusste plötzlich, was er tun musste.
 
© Soleil
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