Der dunkle Drache von Aretin von Wilddrache
Der Aretin- Fortsetzungs-Roman
Demian

In den nächsten Tagen legten die Gefährten eine riesige Strecke zurück. Die Landschaft unter ihnen veränderte sich langsam. Wo sich vorher bewaldete Hügel dicht an dicht erhoben und dazwischen viele kleine Bäche flossen, wurde die Gegend langsam immer flacher und trockener. Bald flogen sie über eine eintönige Fläche, auf der sich nur ab und zu ein halbvertrockneter Busch zwischen scharfkantigen Grasbüscheln halten konnte. 
"Eine traurige Gegend ist das hier", murrte Hormar, "wieso kann sich dieser Zauberer nicht in einem Wald verstecken, wie es sich gehört?"
"Wieso, ich find´s schön hier. Gar nicht weit von hier bin ich aus dem Ei geschlüpft!" rief Esmeralda von vorne und schlug einen Purzelbaum in der Luft. Die Freude, wieder zu Hause zu sein, war ihr deutlich anzumerken. 
"Und wo soll jetzt dieser famose Magier sein?" Hormars Laune hatte sich mit jeder Minute, die sie in dieses Land flogen, verschlechtert. 
"Das weiß ich nicht. Ich kenne hier jeden Stein, aber einen Zauberer habe ich noch nie gesehen. Geschweige denn eine Behausung, in der er leben könnte."
"Und das sagst du uns erst jetzt, nachdem du uns tagelang durch die Gegend gehetzt hast?!" Hormar machte Anstalten, sich auf Esmeralda zu stürzen, doch diese stieg mit einem Quietschen einige Meter nach oben. 
"Hier haben uns die Barbaren überfallen, aber ich war doch bewusstlos, als uns der Zauberer gerettet hat. Ich bin erst wieder in seiner Hütte aufgewacht! Woher soll ich dann wissen, wo sie ist?"
"Wie wäre es, wenn wir in dem Dorf dort unten fragen, das wir gerade überflogen haben, vielleicht ist den Leuten dort unten etwas aufgefallen", schlug Jahn vor.
Hormar warf einen kurzen Blick nach unten. Was er sah waren eine Handvoll Holzhäuser mit flachem Dach, die um einen Brunnen angeordnet waren. Eine Dornbuschhecke wuchs rund um das ganze Dorf. Langsam kreisend ging Hormar tiefer. Schon hatten die Bewohner sie entdeckt, aber anstelle zu fliehen, wie Jahn es insgeheim befürchtet hatte, sammelten sie sich auf dem freien Platz am Brunnen und schauten ihnen ruhig entgegen. Kaum dass Hormars Krallen den Boden berührten, vielen sie auf die Knie. Nur einer, offensichtlich der Älteste unter ihnen, kam unter ständigen Verbeugungen auf sie zu. 
"Heil dir, oh Drachenreiter und Heil dir, großer Drache", begrüßte er sie. 
Im Gegensatz zu Hormar, der die Situation sichtlich genoss, war Jahn die Sache ausgesprochen peinlich. 
"Du brauchst vor uns keinen solchen Respekt zu haben, und sage bitte deinen Freunden, sie sollen aufstehen. Es ist mir unangenehm, wenn sie vor uns auf den Knien liegen."
Der Alte drehte sich um und machte eine auffordernde Geste mit dem rechten Arm, worauf sich alle wieder erhoben. 
"Warum tut ihr das?" fraget Jahn verstört. "Wir sind ganz normale Menschen wie ihr auch."
Statt seine Frage zu beantworten sagte der Alte:
"Komm mit mir in meine bescheidene Hüte, Drachenreiter, dort spricht es sich leichter als hier in der glühenden Sonne."
Mit diesen Worten wandte er sich von Jahn ab und ging auf die größte der Holzhütten zu, so dass Jahn ihm folgen musste. Im Inneren der Hütte sah er nur eine Kochstelle und viele Kissen auf dem Boden liegen. 
"Setz dich, oh Drachenreiter", sagte der Mann und deutete auf den größten Kissenstapel. Er selbst setzte sich auf den nackten Fußboden. 
"Vor vielen Generationen", begann der Alte seine Geschichte in einem Ton, als würde er einen Sprechgesang aufsagen, "da wurde unser Volk von den Barbaren bedroht. Sie fielen über uns her und töteten alle, Männer, Frauen und Kinder. Doch als nur noch wenige von uns übrig waren, da stürzten sich die Götter auf ihren Drachen in die Schlacht und vertrieben die Barbaren von unserem Land. Seit dieser Zeit traut sich keiner der Mörder mehr in diese Gegend. Und seitdem verehren wir die Drachen als heilige Geschöpfe. Und ihre Reiter als Sendboten der Götter."
"Aber wir sind weder Götter noch ihre Sendboten", antwortetet Jahn, "eher kannst du uns mit Kriegern vergleichen, die sich auf einer wichtigen Mission befinden. Und dabei brauchen wir eure Hilfe."
"Du wirst jede Hilfe bekommen, die wir dir geben können, oh Drachenreiter", anscheinend hatte der alte Mann gar nicht zugehört. "Sage mir nur, was dein Begehr ist, und dir soll geholfen werden." Bei diesen Worten schaute er Jahn so auffordernd an, dass dieser gar nicht anders konnte, als nach Demian zu fragen.
"Wir suchen einen Magier, der sich hier in der Gegend aufhalten soll. Sein Name ist Demian. Kannst du mir sagen, wo wir ihn finden können?" Schon bevor er die Antwort des alten Mannes hörte, konnte Jahn sie an seinem Gesicht ablesen, das plötzlich unendlich traurig wurde. 
"Ich bitte, uns nicht zu bestrafen, aber im Umkreis von vielen Tagesreisen sind wir die einzigen Menschen hier. Es ist unmöglich, dass sich hier ein Zauberer aufhält, ohne dass wir von ihm wüssten. Es tut mir leid, oh Drachenreiter."
Jahn konnte seine Enttäuschung nicht verbergen.
"Gibt es denn gar nichts, das euch aufgefallen wäre, etwas ungewöhnliches, etwas abnormales, irgendwas?" 
"Nein, oh Drachenreiter, hier in der Abgeschiedenheit geschieht nie etwas aufregendes, von eurem Besuch einmal abgesehen. Es tut mir leid."
"Dann müssen wir unsere Suche fortsetzen. Hab Dank, alter Mann." Jahn erhob sich von seinen Kissen und ging nach draußen. Kaum dass er durch die Tür getreten war, blieb er wie vom Schlag getroffen stehen, so unglaublich war das Bild, das ihm sich bot. Hormar und auch Esmeralda wurden von den Dorfbewohnern regelrecht umlagert, die sich darin überboten, den beiden Leckerbissen ins Maul zu schieben oder sie mit frischen grünen Zweigen zu schmücken. 
"Hormar, wir müssen weiter, hör auf mit dem Unsinn", rief er.
"Was für ein Unsinn? Uns geht es hier blenden. Lass uns noch eine Weile hier bleiben." Hormar schnurrte wie ein übergroßer Kater. 
"Hast du nicht selber gesagt, wir hätten nicht mehr viel Zeit? Auf, wir suchen sofort weiter!"
Widerstrebend erhob sich der Golddrache und murmelte etwas, das wie Nie hat man seine Ruhe vor diesem Zwerg klang, und auch Esmeralda krabbelte unter den Ästen hervor, unter denen sie fast ganz begraben gewesen war. 
"Hast du etwas herausgefunden?" fragte sie hoffnungsvoll.
Jahn schüttelte den Kopf.
"Sie sagen, es gibt hier in weitem Umkreis niemanden außer ihnen. Wir müssen woanders weitersuchen."
Mit diesen Worten stieg er wieder auf Hormars Kopf, der sich sogleich in die Luft erhob. 
Nach wenigen Minuten kam Esmeralda zu Jahn geflattert und ließ sich vor ihm nieder. 
"Du hast große Hoffnungen in dieses Dorf gesetzt, nicht wahr? Und jetzt bist du enttäuscht, dass sie uns nicht weiterhelfen konnten, oder?"
"Eigentlich sollte ich es nicht sein", antwortete Jahn, " aber bisher lief alles so glatt, dass ich dachte, es geht immer so weiter. Aber das war wohl ziemlich blauäugig, nicht wahr?"
"Du brauchst dir keine Sorgen zu machen", antwortete die Drachendame, "wenn es uns bestimmt ist, Demian zu finden, dann werden wir das auch tun. Er muss hier in der Gegend sein, genau hier wurden wir überfallen."
`Und wenn es uns nicht bestimmt ist, dann suchen wir bis wir alt und grau sind oder uns Xarkor erwischt` dachte Jahn, behielt diesen Gedanken aber sicherheitshalber für sich. Er wollte nicht auch noch Esmeralda entmutigen. 
Die Tage gingen dahin und Jahns Laune wurde immer schlechter. Sie hatten die Ebene in alle Richtungen durchsucht, aber weder von Demian noch von anderen Menschen auch nur den Hauch einer Spur gefunden. Und es war auch purer Zufall, dass sie ihn am Ende doch noch fanden: 
Wie schon so lange waren die Drei den ganzen Tag über in großen Schleifen über die Ebene geflogen. Esmeralda vorneweg, um nach Merkmalen in der Landschaft zu suchen, die ihr vielleicht bekannt vorkamen. Plötzlich änderte sie ihre Flugbahn so abrupt, dass Hormar ihr kaum folgen konnte. 
"He, was soll das, warum fliegst du nicht weiter?" fragte Hormar.
"Ach, da vorne kann er nicht sei, da bin ich mir sicher", antwortete Esmeralda.
"Und woher weißt du das so genau?" hakte Hormar nach. 
"Ist doch ganz klar, weil... ich weiß es nicht."
"Aber gerade eben hast du doch gesagt...", sagte Jahn.
"Ich weiß, was ich gesagt habe", fauchte Esmeralda, "aber ich war eben noch sicher, dass wir ihn dort nicht finden würden."
"Und jetzt nicht mehr?"
"Nein, jetzt nicht mehr."
"Hormar, würdest du in diese Richtung weiterfliegen?" fragte Jahn.
Der Drache änderte seine Richtung, so dass sie wieder ihren ursprünglichen Weg verfolgten. Aber kaum dass sie die Stelle passiert hatte, an der Esmeralda abgebogen war, schwenkte auch Hormar herum und flog nahezu im rechten Winkel weiter. 
"Was ist los, Hormar?" wollte Jahn wissen. 
"Ach", antwortete der Drache, "da hinten ist doch sowieso nichts, suchen wir lieber da drüber weiter." Der Drache begleitete seine Worte, indem er mir dem Kopf in die entsprechenden Richtungen deutete.
"Hormar, das ist doch nicht normal. Lass uns landen und zu Fuß weitergehen."
Wieder gelangte Jahn mit den beiden Drachen an die ominöse Stelle, und wieder bogen die Drachen ab, Esmeralda links und Hormar rechts. 
"Da vorne ist nichts zu finden", rief Esmeralda ihm nach. "Du vergeudest nur deine Zeit."
Auch Hormar wollte ihn von seinem Vorhaben abbringen, aber Jahn lief unbeirrt weiter. Schon bald sah er einen kleinen Wald auftauchen, und zielstrebig ging er darauf zu. Als er näher kam schien es ihm, als würde eine kleine Gestalt am Waldrand auf ihn warten, und bald konnte er sie genauer erkennen: Sie war wirklich sehr klein und das Gesicht sah aus, als hätte sein Besitzer mindestens schon 100 Jahre auf dem Buckel, wenn nicht gar mehr. Er trug eine bis auf den Boden reichendes Gewand von undefinierbarer Farbe und stützte sich auf einen zierlich geschnitzten Stab, der ihn bestimmt um einen halben Meter überragte. Regungslos stand er da und erwartete Jahn. 
"Hallo Weltenwanderer", begrüßte er Jahn, als er nahe genug herangekommen war. 
"Es freut mich, dass du den Weg hierher gefunden hast. Das ist seit langer, langer Zeit niemand mehr gelungen."
"Bist du Demian", fragte Jahn und wurde sich dann erst der Unhöflichkeit bewusst, nicht auf seinen Gruß geantwortet zu haben. Er lächelte verlegen. 
"Ja, der bin ich. Deine Suche nach mir hat ein Ende. Komm mit und sei mein Gast." Mit diesen Worten führte er Jahn auf einem fast vollständig überwucherten Pfad in den Wald hinein. Auf einer kleinen Lichtung stand eine Hütte, die Jahn so sehr an ein Forsthaus erinnerte, dass in einem Moment die ganzen Erinnerungen an zu Hause wieder auf ihn einströmten, die er bisher erfolgreich verdrängt hatte. Bei dem Gedanken an seine Eltern schossen ihm die Tränen in die Augen. Demian schaute ihn Mitleidig an, so als wüsste er, was in Jahn vorging. 
"Halte die Tränen nicht zurück", sagte er, "du hast allen Grund dazu, traurig zu sein, und die Tränen helfen dir dabei, den Schmerz zu überwinden."
Noch immer schniefend, aber schaute Jahn zu dem Zauberer hinab. 
"Es stimmt, ich habe gerade an meine Eltern gedacht. Was sie wohl gerade tun? Wahrscheinlich lassen sie mich suchen und sind völlig verzweifelt, weil sie keine Spur von mir finden. Wie sollen sie auch?" Jahn ließ seien Tränen freien Lauf, und es störte ihn dabei nicht, dass Demian ihn dabei in den Arm nahm, um ihn wie ein kleines Kind zu trösten. Im Gegenteil lag in der Berührung des alten Mannes etwas unendlich beruhigendes, so dass der Gedanke an zu Hause immer weniger schmerzlich war. 
"Lass uns doch ins Haus gehen. Dort können wir über alles reden."
Jahn nickte nur mit dem Kopf und sie legten die wenigen Meter bis zur Hütte schweigend zurück. Im Inneren setzten sie sich auf ein Bärenfell vor einem flackernden Kaminfeuer. Demian bot Jahn eine Tasse Pfefferminztee an, die Jahn dankend annahm. Alles wirkte so heimelig, dass er fast vergaß, nicht auf der Erde sondern auf Aretin im Kampf gegen das gestaltgewordene Böse war. Selbst das Rauschen des Waldes, das von Draußen her an seine Ohren drang, hörte sich so... gewohnt an. 
Demian saß schweigend da, während Jahn seinen Gedanken nachhing, bis dieser sich mit einer sichtbaren Anstrengung davon losriss. Verwirrt schaute sich Jahn um, als müsste er erst wieder in die Realität zurückfinden. 
"Warum bin ich der einzige, der zu dir kommen kann? Was ist mit Hormar und Esmeralda los?" fragte er Demian.
"Die alte Margan hat dir doch gesagt, dass ich mich seit meinem Kampf mit Xarkor verborgen halte. Dieser magische Ring rings um die Hütte ist ein Teil meines Schutzwalls gegen den Dunklen. Kein Wesen Aretins kann ihn durchdringen. Ja, sie werden ihn nicht einmal bemerken, da sie plötzlich denken, keinen Grund zu haben, hierher zu kommen. Im Gegenteil. Sie sind plötzlich überzeugt davon, etwas Wichtiges zu tun zu haben, das sie von meiner kleinen Wohnung wegführt." Das kleine Lächeln bei diesen Worten entging Jahn keineswegs, anscheinend hatte er es hier mit einem sehr mächtiger Zauber zu tun, auf den Demian sehr stolz war. 
"Aber wieso konnte ich dann..." Jahn unterbrach sich selbst, als er die Antwort auf seine Frage selber fand. 
"Ich bin nicht von hier, deshalb wirkt der Zauber auf mich nicht, habe ich recht?"
"Ja. Und ich bin froh, dass du den Weg zu mir endlich gefunden hast. Bist du nach wie vor  überzeugt davon, Xarkor gegenüberzutreten?"
Das hatte Jahn jetzt wirklich vollends vergessen, aber die Worte Demians rissen ihn brutal und unwiderruflich in die Realität zurück. Zum Glück hatte ihn der Zauberer wieder daran erinnert! Jahn nickte energisch mit dem Kopf. 
"Dann hast du einen schweren Weg vor dir. Aber ich kann dir einige nützliche Hinweise geben. Sicher hat dir Hormar schon gesagt, dass Drachen unverwundbar sind?"
"Ja schon..."
"Aber das stimmt nicht ganz", fuhr Demian fort. "Es gibt etwas, das ihnen sogar schreckliche Wunden zufügen kann."
"Ich weiß, Drachenkrallen und Pegasushörner." 
Dem Zauberer entgleisten für einen Moment die Gesichtszüge. Ungläubig starrte er Jahn an. 
"Woher weißt du das? Ich habe Jahre gebraucht, um das herauszufinden." Noch immer konnte er es nicht fassen, dass Jahn die Schwachstelle der Drachen kannte.
"Hormar hatte das zweifelhafte Vergnügen, von einem Pegasus angegriffen zu werden. Er hat in diesem Kampf fast sein Leben verloren." Jahn erzählte Demian die Geschichte, die sie am See erlebt hatten. 
"Dann wirst du den Wert meines Geschenks zu würdigen wissen." Sagte Demian, als Jahn geendet hatte. Er ging in einen kleinen Nebenraum und kam bald darauf mit einer länglichen Paket zurück, das in ein Stück Leder eingeschlagen war. Vorsichtig legte er es vor Jahn auf das Bärenfell.
"Du darfst es ruhig anschauen", sagte er, als Jahn keine Anstalten machte, das Paket zu öffnen. Eine ungewöhnliche Scheu hatte ihn ergriffen, als wäre es ein Sakrileg, es auch nur zu berühren. Vorsichtig schlug er das Leder zurück. Darin befand sich ein Schwert mit kostbar bearbeitetem Griff. Aber das Erstaunlichste war die beidseitig geschliffene Klinge: Sie bestand nicht aus Metall sondern aus einem elfenbeinfarbenen Material, das einen leichten blauen Schimmer aussandte, so wie der Pegasus, der Hormar geheilt hatte. Ehrfürchtig strich Jahn mit der Hand darüber. Die Schneide fühlte sich warm an, fast als wäre sie lebendig. 
"Das ist unglaublich", sagte Jahn, mehr zu sich selbst als an den Zauberer gewandt. 
"Ja, das ist es. Es ist das Einzige seiner Art auf ganz Aretin. Von Generation zu Generation wurde es in meiner Familie weitergereicht, obwohl niemand wusste, für wen wir es aufbewahrten. Keiner meiner Vorfahren und auch ich selbst nicht konnte es führen, ohne sich selbst zu verletzen, aber ich bin mir sicher, dass du der Auserwählte bist, auf den diese Waffe gewartet hat. Greif zu!"
Noch immer zögernd griff Jahn nach dem Schwert. Als er es hob, schien es kein Gewicht zu haben, es schwebte regelrecht in seiner Hand und schien seine Bewegungen vorherzuahnen, so leicht folgte es Jahns Willen. 
"Es gibt kein Material auf ganz Aretin, das diesem Schwert wiederstehen könnte, ob Stein, Metall oder Drachenschuppen. Nur in seiner Scheide kannst du es sicher verwahren. Überlege dir immer gut, was du damit tust!" Sagte Demian mit einem schwer definierbaren Unterton in der Stimme. Es war eine Mischung aus Stolz, aber auch Angst und Zweifel, das Richtige zu tun. Er gab Jahn eine unansehnliche Hülle für sein Schwert. Er schob die Waffe hinein und befestigte sie an seinem Gürtel. 
Jahn und Demian saßen noch vor dem Feuer, bis es vollkommen heruntergebrannt war. Der Zauberer erzählte von seinem Kampf gegen Xarkor, von Aretin wie es einmal war, seinen Einwohnern und seine Geschichten, aber auch wie es werden würde, wenn der dunkle Drache nicht aufgehalten würde. 
Als die Sonne schon am untergehen war, beschlich Jahn langsam das schlechte Gewissen, wenn er an seine Freunde dachte, die Draußen auf ihn warteten. 
"Demian, ich sollte so langsam gehen, Hormar und Esmeralda warten sicher schon ungeduldig auf mich. Vielen Dank für deine Hilfe."
"Keine Ursache, Jahn", antwortete Demian, "gerade mir ist es ein Anliegen, den Dunklen vernichtet zu sehen. Ich werde auch in Zukunft alles tun, um dir zu helfen. Vielleicht sehen wir uns eines Tages wieder. Bis dann, Weltenwanderer."
Jahn verabschiedete sich herzlich von dem alten Zauberer, der ihm trotz der Kürze der Zeit ans Herz gewachsen war, und machte sich auf den Rückweg. Schon bald sah er die beiden Drachen schlafend auf dem Boden liegen. Ein unerklärliches Hochgefühl beschlich ihn. Mit solchen Freunden konnte doch nichts mehr schief gehen!
 
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Und weiter geht's im 4. Kapitel: Die Krone der Welt

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