Atlanta von Feuerdrachin Bella
Kapitel 5

Sie gingen auf dem direkten Wege durch den Wald, um schnell zu den Bergen zu gelangen. In der Zwischenzeit  holte Hermes das Buch, welches er aus der Bibliothek mitgenommen hatte, aus seiner Tasche.
"Was steht denn eigentlich in diesem Buch?", wollte Atlanta wissen.
"In diesem Buch sind verschiedene Arten von Drachen aufgelistet. Ich habe es mir mitgenommen, um etwas besser auf den Drachen vorbereitet zu sein. Der König hat uns kein Wort darüber gesagt, welcher Art der Drache angehört."
"Ist das denn so wichtig?"
"Natürlich, Atlanta. Sonst hätte ich das Buch nicht mitgenommen. Ach ja! Bennet, hast du vielleicht eine Ahnung, was der Drache kann?"
Bennet sah Hermes entgeistert an, als ob er nichts über diesen Drachen weiß. Hermes nahm diese Reaktion als ein klares nein auf und wandte sich wieder zu Atlanta.
"Hast du je in deinem Leben etwas über diese mächtigen und geheimnisvollen Wesen erfahren oder irgendwelche Informationen über sie?"
"Nein, aber deswegen hast du doch das Buch mitgenommen, oder?"
"Schlaues Mädchen, umsonst habe ich das dicke Buch ja nicht mitgeschleppt." Hermes öffnete das Buch, welches er schon vor der Stadtmauer aus seinem Rucksack genommen hatte." Hier haben wir einige Exemplare von diesen mächtigen Biestern. Das erste Bild zeigt einen Astraldrachen."
Atlanta und Bennet sahen sich das Bild des Drachen ganz genau an. Der Drache hatte sehr große Flügel, um sehr weite Strecken zurückzulegen. Im Vergleich zu einem  Menschen war dieser Drache ein riesiger Berg, der in den Himmel ragte. Bennet fand mit einem mal seine Stimme wieder, aber nur schwer und mit viel Stottern. "Es kann ... kein Astraldrache sein, denn diese Geschöpfe bleiben nicht lange an ein und derselben Stelle. Flammenzunge ist schon seit fünf oder sechs Jahren bei uns im Tal."
"Da muss ich Bennet Recht geben, denn in diesem Buch steht: 'Der Astraldrache ist ein Reisender Drache. Er fliegt durch die Sphären und bewacht die Magie des alten Wissens.' Diese Drachen halten es höchstens eine Woche an einem Platz aus."
Auf der nächsten Seite des Buches war ein Eisdrache abgebildet, doch Hermes blätterte gleich weiter, weil es dieser Drache in so einer warmen Region niemals aushalten würde.
Auf der nächsten Seite, war ein Bild eines gigantischen Feuerdrachens. Hermes las den kleinen Text, der neben dem großen Bild des Drachen stand: 'Sein Feuer brennt wie die Hölle, er ist eine Kampfmaschine ohnegleichen. Er kennt keine Gnade und vernichtet alles, was sich ihm in den Weg stellt.' 
"Diese Drachenart ist sehr gefährlich und besitzt eine immense Zerstörungswut." 
Atlanta spürte förmlich die Angst, die Hermes nun heimsuchte, obwohl er immer noch sehr ruhig blieb. 
Sie gingen durch den dichten Wald. Nach einer Stunde Fußmarsch sahen sie schon die Bergkette, den angeblichen Unterschlupf des Drachen. "Wenn man sich seine Angriffe genauer unter die Lupe nimmt, dann ist es auch klar, dass es sich um einen Feuerdrachen handelt", sagte Bennet, der endlich wieder neuen Mut gefasst hatte und mit den beiden wieder Schritt halten konnte.
Nach reichlich zwei Stunden hatten die Drei endlich die Höhle des Drachen erreicht.
"So, da wären wir. Wer geht zuerst hinein? Ich auf jeden Fall nicht! Ich warte hier auf euch!"
Also gingen Atlanta und Hermes alleine in die große Höhle, um zu sehen, ob dies wirklich der Unterschlupf des Drachen ist. Tief im Inneren der Höhle lag er in tiefem Schlaf, ein großer rötlicher Drache. "Das wird der große Flammenzunge sein, von dem uns der König erzählt hat."
"Ja! Lass uns ihn schnell zur Strecke bringen, Atlanta! Bevor er wieder wach wird!"
Doch Atlanta hörte nicht auf Hermes und ging weiter in die Höhle hinein, denn sie sah nur die Nüstern des Drachen. Ihre Neugier wollte auch den Rest dieses Geschöpfes sehen, denn es interessierte sie, woher das Licht kam, das sie schon am Eingang der Höhle bemerkt hatte. Hermes atmete kurz durch und ging ihr hinterher. Sie gingen tiefer hinein und nach ein paar Schritten blieb Atlanta stehen. Hermes sah über ihre Schulter und konnte nicht fassen, was er da sah.
Nicht zu zählen waren die Schätze, auf denen Flammenzunge in seiner ganzen Größe lag: seine Gliedmaßen, sein riesiger, zusammengerollter Schweif, alles ruhte auf Gold! Vom Felsboden der Höhle war nichts mehr zu sehen. In Häufen breitete sich die Pracht bis an die Wände aus. Alles war erfüllt von rötlichem Licht!
Atlanta wollte noch weiter an den Drachen heran, doch Hermes konnte sie noch rechtzeitig aufhalten. Doch es war bereits zu spät. Es schauten sie schon zwei glühend rote Augen an. Der Drache war erwacht und brüllte aus vollem Leibe. Der Boden unter Atlantas Füßen fing an zu beben, aber sie verspürte keinerlei Angst oder Furcht gegenüber diesem Geschöpf.
"Was wollt ihr Menschen in meiner Höhle? Wollt ihr etwa meinen Schatz klauen wie es schon viele vor euch versuchten?" fragte Flammenzunge.
Atlanta war verblüfft, dass dieser Drache sogar die menschliche Sprache beherrscht.
"Weder noch, ich möchte einfach nur wissen, warum du die Bauern und ihre Felder in den umliegenden Dörfern attackierst?"
"Was gedenkst du denn mit dieser Information anzufangen? Willst du zum senilen alten Friedrich gehen oder es seiner verzogenen kleinen Tochter und ihre Wischmoppkatze erzählen?"
"Immer langsam, Flammenzunge! Erstens gehe ich nicht einfach so zu Friedrich, um zu petzen, das muss schon ein besonderer Grund sein, und zweitens ist es etwas weit!"
"Wer bist du eigentlich? Du bist das erste Mädchen, was sich traut mit mir zu reden. Die anderen sind alle kreischend weggerannt!"
"Ich bin Atlanta, die Tochter des Gottes Mars." Das  Gesicht des Drachen verzog sich zu einem großen Grinsen und Atlanta hatte keinen Schimmer, was das zu bedeuten hatte.
"Du bist also die Tochter des ehrenwerten Mars?"
"Ja, hast du etwa was dagegen? Dann kannst du gleich meine Schwertklinge in deinem Hals spüren!"
"Nicht so schnell, meine kleine Freundin. Du bist also auf der Suche nach den vier Söhnen des Hades, oder nicht?"
"Woher hast du diese Information?"
Das Grinsen des Drachen wurde immer größer und langsam wurde es lästig. Das Böse aus seinen Augen verschwand und Hermes traute sich endlich wieder sich zu bewegen.
"Komm mit hinaus, dann werde ich dir mehr erzählen. Alles was du wissen willst. Außerdem möchte ich dich einmal ganz genau ansehen."
Ohne etwas darauf zu sagen, ging Atlanta aus der Höhle, dicht gefolgt von Hermes, der es kaum noch erwarten konnte wieder an die frische Luft zu kommen.
Bennet drehte sich schon voller Freude darüber, dass es ihnen noch gut geht, um.
"Ihr seid wohlauf..." Diesen Satz konnte er nicht beenden, denn er sah schon hinter Hermes die Zähne des Drachen. Bennet wollte schon wegrennen, aber Atlanta war schon an seiner Seite und hielt ihn davon ab. Atlanta meinte, er solle alles mitbekommen, was der Drache ihnen mitzuteilen habe. Die drei Freunde setzten sich unmittelbar vor den Drachen, damit er alle sehen konnte. Atlanta war die einzige, die noch still sitzen konnte.
 "Was hast du uns nun mitzuteilen?" wollte Atlanta wissen, um sicherzugehen, dass der Drache vielleicht doch auf ihre Seite wechseln will.
"Also, erstmal will ich klarstellen, dass ich bei euch helfen möchte! Nein, besser gesagt ich muss euch sogar helfen."
"Wer hat dir das befohlen, obwohl wir uns noch nie gesehen haben?"
"Wir beide haben uns wirklich noch nie im Leben gesehen, aber dafür kenne ich deinen Vater umso besser! Er hat mir gleich nach deiner Geburt gesagt, dass ich eines Tages mit dir gehen würde um dir zu helfen, egal in welcher Art und Weise."
Atlanta konnte in seinen Augen sehen, dass es ihm wirklich sehr wichtig war bei ihnen mitzureisen. 
"Na gut, aber nur wenn du einen Teil deines Schatzes dem König als Entschädigung übergibst."
"Ja, er kann gleich den Ganzen haben, wenn es dir nichts ausmacht. Wir werden sowieso nicht so schnell wiederkommen. So, da das geklärt ist, können wir nun mit der Seelenverknüpfung beginnen."
Hermes wurde blass und konnte nur noch zu Atlanta sagen: "Er meint es wirklich ernst mit dir. Es passiert nicht oft, dass sich ein Drache mit einen Menschen seelisch vereint."
"Dein kleiner Freund hat sogar Recht, wenn ich deinem Vater nie soviel Vertrauen geschenkt hätte, wärst du nun ohne Drachen und du hättest Mühe, die Aufgabe von Friedrich zu lösen."
Atlanta war sehr verblüfft über das Wissen, welches Hermes besaß, obwohl er sehr still geworden war, seit sie in die Höhle gegangen waren.
"Was muss ich tun, damit wir verbunden sind?", fragte Atlanta, die es langsam satt hatte immer zu warten bis Flammenzunge weitererzählte.
"Du musst einfach zu mir kommen und deine Stirn auf meine legen. Danach müssen wir beide die Magischen Worte gemeinsam aufsagen um miteinander verbunden zu werden."
"Wie lauten diese Magischen Worte, Flammenzunge?"
"Das musst du schon selber herausfinden. Das wird aber nicht schwer sein, denn du musst mir nur alles nachsagen was ich dir vorsage."
Ohne viel Zeit zu verlieren ging Atlanta einfach auf Flammenzunge zu, ohne darüber nachzudenken, was ihr zustoßen könnte. Was sie auch nicht wusste ist, ob ihr Hirn noch ihre Schritte lenkte oder ob es schon die unstillbare Neugier in ihr war, die die Überhand über sie gewonnen hatte. Ohne groß zu zögern legte sie ihre Stirn auf die schuppige des Drachen. Atlanta wusste mit einem Mal nicht mehr, was sie tat oder was vor ein paar Minuten geschehen ist. Sie verlor sich in den großen feuerroten Augen des Drachen. Hermes und Bennet konnten nicht glauben, was sich gerade vor ihren Augen abspielte, aber keiner der beiden wandte denn Blick ab.
Nach ungefähr zwei Minuten der vollkommenen Stille fing Flammenzunge an, die magischen Worte aufzusagen, und Atlanta wiederholte sie: 
"Dein Schmerz ist der Meinige,
deine Schwäche wird durch meine Stärke wieder aufgehoben,
deine Angst wird mein Mut, der mich durch jeden Kampf begleitet,
weder deine noch meine Götter werden uns je wieder trennen, denn sie haben uns zusammengeführt, 
ich werde immer an deiner Seite sein, egal ob in guten oder in schlechten Zeiten.
Nimm nun die Verbindung zwischen uns hin und werde ein Teil von mir, der dir zur Seite steht. Egal was du tust."
Als die beiden aufgehört haben zu sprechen, konnte Atlanta keinen ihrer Schritte mehr planen und fiel wie ein Stein zu Boden. Hermes stand langsam wieder auf und ging zu ihr.
"Was ist mit ihr los?", fragte Bennet.
"Sie hat nun etwas Kraft von Flammenzunge mit aufgenommen, es ist eine starke Belastung für jemand, der noch nicht so viel Erfahrung mit solchen Dingen hat, aber sie wird in wenigen Minuten wieder auf den Beinen sein."
Bennet gab sich mit dieser Antwort zufrieden, obwohl sie von einem Drachen stammte. Wenige Minuten später kam Atlanta wieder zu sich. Sie öffnete langsam die Augen und als Hermes ihre Augen sah verschlug es ihm schon wieder die Sprache. Atlanta hatte zwei verschiedene Augenfarben, ihr linkes Auge war immer noch Smaragdgrün, jedoch das andere war feuerrot, so wie die Augen von Flammenzunge. Ehe Hermes irgendetwas sagen konnte, meldete sich Flammenzunge zu Wort: "Das ist nun ihr Erkennungszeichen, dass sie mit einem Drachen in Verbindung steht, aber es wird niemand mehr wissen, denn seit den letzten hundert Jahren ist dies nicht mehr geschehen."
Atlanta stand wieder auf ihren Beinen und nahm die zwei verschiedenen Augenfarben mit Würde hin, obwohl sie nicht besonders begeistert davon war.
"Also lasst uns wieder zum König gehen", meinte Atlanta, die nun mit torkelnden Schritten versuchte vorwärts zukommen.
"Warum willst du denn laufen, Atlanta, wenn du einen starken Drachen wie mich hast, der dich zu jeder beliebigen Stelle hinfliegen kann?"
Daran hatte Atlanta noch gar nicht gedacht und nickte den anderen zu damit sie herkamen. "Aber nur wenn du uns alle fliegst."
"Natürlich, was denkst du denn?"
Flammenzunge legte sich flach auf den Bauch, damit die Drei aufsteigen konnten. Nachdem sie alle Platz genommen hatten, breitete er schon seine großen roten Flügel aus und mit nur drei großen Schlägen waren sie schon über dem dichten Wald.
"Was wird eigentlich mit deinem Schatz, den du dem König versprochen hast?"
"Weißt du, Atlanta, den kann doch der König alleine holen. Er wusste schon die ganze Zeit, wo sich meine Höhle befindet."
Atlanta nahm diese Antwort hin und die Vier flogen nun in den Sonnenuntergang hinein, um zum Schloss zurückzukehren.
 
© Feuerdrachin Bella
Vor Verwendung dieser Autoren-EMail-Adresse bitte das unmittelbar am @ angrenzende "NO" und "SPAM" entfernen!
.
Und schon geht es hier weiter zum 6. Kapitel...

.
www.drachental.de