Das Bengy-Herz von Muiziana
Kapitel 4: Das große Rennen

Am frühen Morgen machte sich Melanie frisch und traf sich pünktlich um 10:00 Uhr mit Janine und Simone. "Na, dann lasst uns mal los tapern, sonst kommen wir noch zu spät und verpassen das Ankommen der Menschen und Pferde."
Alle gingen auf Melanies Bitte sofort ein. Sie stiegen ins Auto, welches sich Janine ausgeliehen hatte. Sie brauchten nur zehn Minuten, bis sie beim Turnier angekommen waren. Sie stiegen aus und schauten sich um.
"Wir schauen uns am besten mal getrennt um. Janine, du guckst nach den Pflanzen, die hier herum stehen, Meli, du gehst zu den Pferdeställen und versuchst so viel wie möglich über Pferd und Reiter herauszubekommen und vergiss nicht, schreib es auf. Ich befrag die Leute, die sich das Rennen angucken." Diese Rolle wollte Simone übernehmen.
"Ok, machen wir", sagte Melanie.
"Dann los", meine Simone.
Melanie ging über den großen Platz, der mit Sand ausgestreut so friedlich in der Morgensonne da lag. Melanie folgte den Schildern, auf denen es hieß: "Hier entlang zu den Pferdeställen". Bei einem Schild stutzte sie und schaute es sich genauer an, es war ein Zeitungsausschnitt, der in einen Glaskasten gehängt worden war, den sie glatt für ein Schild gehalten hatte.
Dort auf dem Ausschnitt stand: "Ein 17-jähriger Junge, der sich Magier Matt nennt, ist aus dem Hochsicherheits-Gefängnis ausgebrochen." Dann folgte das Bild des Jungen. "Auf ihn ist ein Kopfgeld von über 10.000$ ausgesetzt, und wer ihn gesehen hat, sollte umgehend die Polizei verständigen, wenn..."
Melanie drehte sich abrupt um. War da nicht eben ein Geräusch hinter ihr? Absolut nichts war hinter ihr, sie drehte sich dem Zeitungsausschnitt wieder zu:
"Wenn nicht, dann..."
Jetzt hatte sie schon wieder etwas gehört. Sie schaute sich um, nichts, außer... da lag doch ... ein kleiner Zettel. Melanie ging auf den Zettel zu. Melanie blieb das Herz stehen. Sie schaute sich verzweifelt um, nichts.
Auf dem Zettel stand... Melanies Name. Sie hob den Zettel auf, sie drehte ihn um und da stand: "Gib, was du besitzt, und hör auf zu suchen. Pass auf im Viertel 9."
Melanie steckte den Zettel ein, schaute sich beängstigt um und ging nun schnellen Schrittes den Weg entlang zu den Pferdeställen. Dort angekommen lehnte sie sich außer Atem an die Wand.
Sie schaute sich um und erblickte ein zierliches, klapprig aussehendes, weißrot und dunkelbraun gechecktes Fohlen. Die Hufe des Fohlens glänzten matt und wie es schien einen Hauch Rot. Neben der kleinen Stute stand eine durchtrainierte, kräftig gebaute Mutterstute, welche ein nachtschwarz glänzendes Fell besaß. Die Augen der Mutterstute waren rötlich gefärbt. Genau wie ihre Tochter hatte sie rote Hufe. Die große Stute hieß - laut des Schildes an ihrer Box - "Golumbia" und die Tochter "Golumnia". Golumbia ist - Melanie schluckte - " 47 Jahre" alt. Und das Fohlen - Melanie schluckte erneut - "2 Jahre". Golumbia wieherte laut und trat mit den Hinterhufen nur so gegen die Gitterstäbe, dass sie ratterten.
Melanie stolperte vor Schreck nach hinten, als sie es sah, mit dem Hintern voraus in einen Eimer. Golumbia hatte ein Raubtiergebiss und an dem Körper gekettete ledrige Flügel. Melanie versuchte aufzustehen, aber sie steckte fest. Melanie schrie sich die Seele aus dem Leib.
Da wurde 
die Tür des Stalles aufgeschoben und ein Junge mit dunklen Haaren und Augen trat ein.
Melanie verstummte. "Aua!!" dachte sie. Sie sah den Jungen an, sie kannte ihn... aber, woher noch mal?
Der Junge drehte sich zu Melanie um. " Brauchst du meine Hilfe?" fragte er.
Melanie starrte ihn an, sie erkannte ihn, es war dieser Magier Matt aus dem Zeitungsausschnitt. "Du... du... du bist..." stotterte Melanie.
"Ich bin?" fragte der Junge.
"Du bist... Magier Matt." sagte Melanie.
"Achso," der Junge lachte, "ja, aber ich werde dir nichts tun. Soll ich dir nun helfen oder nicht?"
Melanie lächelte ihn an. "Ja, bitte!" sagte sie verlegen.
Der Junge nahm sie an der Taille und zog sie hoch. Dann versuchte er mit der einen Hand den Eimer abzubekommen. Es gelang nur schwer, aber Melanie war letztendlich dann doch befreit. Sie verlor aber das Gleichgewicht und kippte nach vorne über direkt in Matts Arme. Das war Melanie so peinlich, dass sie sich schnell aufrichtete und einen Hauch rosa anlief. Melanie trat einen Schritt vor ihm zurück und errötete noch mehr.
"Danke!" sagte sie und drehte sich schnell zu den Pferden in ihren Ställen zu, was ihr zwar nicht so gut gefiel, aber besser als Matt ins Gesicht zu blicken. "Sie sehen gruselig aus, oder?" Sie wollte vom Thema ablenken und beschloss ein wenig über die gruseligen Pferde zu reden.
"Find ich gar nicht", erklang eine wütende Stimme von hinten.
Melanie zuckte zusammen wie wenn sie ein Peitschenhieb getroffen hätte.
"Außerdem, wie siehst du sie den?" Es war eine Mädchenstimme.
Melanie drehte sich langsam um, da war kein Matt mehr, vor dem sie sich schämte, nein, dort stand ein Mädchen mit langem, zu einem Pferdeschwanz gebundenem dunkelblondem Haar und veilchenblauen Augen. Sie hatte eine schlanke, aufrecht Statur. Sie war sogar einen halben Kopf größer als Melanie. Sie trug eine enge weiße Reiterhose und einen etwas weiteren schlicht-braunen Pullover.
"Wer bist du denn?" Melanie war noch immer ein wenig geschockt von dem plötzlichen Auftritt des Mädchens.
"Ich? Die Frage ist eher: wer bist du, noch dazu bei meinen Pferden?" fragte das Mädchen.
Melanie starrte sie mit offenem Mund an und drehte sich langsam zu den Pferden und dann wieder zu dem Mädchen um, sie schluckte. Das sollten Pferde sein. "Deine Pferde ? ... Aber ... Ach so..." Melanie fing sich wieder und sprach langsam weiter: "Ich heiße Melanie."
Ihr Gegenüber sah sie zweifelnd an. "Und weiter?" fragte sie.
"Gerent", sagte Melanie vorschichtig, "und du? Wie heißt du?" fragte Melanie mit fester Stimme.
"Ich? Ich heiße Melissa. Nun sag aber mal. Wie siehst du sie?" Melissa zeigte auf Golumbia und Golumnia.
"Oh, ich glaub, so wie sie jeder andere auch sieht oder einfacher so wie sie da stehen. Ein wenig gruselig, aber, na ja. Ich sehe da zwei Pferde stehen mit falschen Schildern und sie sehen aus. Sie haben ein Raubtiergebiss und rote Hufe, dann noch zwei ledrige Flügel, die an den Körper gebunden sind. Ok, sag mir jetzt, dass ich verrückt geworden bin oder dass ich gerade eine Halluzination durchlebe. Bist du etwa auch nicht echt?" Melanie zuckte mit den Schultern.
Melissa aber hingegen starrte sie nur an. "SO sieht sie nicht jeder, nur diejenigen, die sich in der Zaubernatur auskennen, aber wie ich sehe, weißt du gar nicht, wovon ich rede. Na gut, was ich meine ist, du bist außergewöhnlich. Du kannst etwas, wovon du keinerlei Ahnung hast, das ist nicht gut, du bist eine leichte Beute für die Schwarzmagier."
Melissa starrte Melanie noch einmal an, dann wie aus dem Himmel schaute sie hektisch auf ihre Uhr. "Scheiße, schon so spät. Ich muss auf der Stelle los. Ähm, Melanie, richtig? Kannst du mir kurz helfen, wird wirklich nicht lange dauern, aber ansonsten schaffe ich es nicht. Du musst nur mit mir Golumbia fertig machen, ich habe nämlich gleich ein Turnier."
"Bitte?!" Melanie sah Melissa argwöhnisch an, aber nickte dann und setzte ein kleines Lächeln auf.
"Danke, danke, danke."

Nach einigen Minuten Hatten sie Golumbia fertig Gesattelt und gezäumt.
"Ich muss dann los, danke, dass du mir geholfen hast. Und vielen dank noch mal, ciao bis später, vielleicht", sagte Melissa und winkte.
Melissa hatte Melanie erklärt, dass Golumbia eins der schnellsten Pferde - wenn man das Pferd nennen konnte - der Welt war. Und die Schilder an der Box waren so manipuliert, dass man das wahre Datum nicht sehen konnte und die Pferde konnte man auch nicht in der Gestalt sehen, wie sie eigentlich dort standen; auf jeden Fall kein normal-sterblicher Mensch - was Melanie dachte sie auch wäre, doch jetzt war sie sich da nicht mehr so sicher.

Nach längerer Zeit, während der sich Melanie dadurch beschäftigte, sich durch ein Gewühl von schaulustigen Leuten zu quetschen, wurde sie auch schon herzlich begrüßt, als sie von Simone und Janine entdeckt wurde. Noch bevor Melanie sich überhaupt bewegen, geschweige denn hinsetzten konnte, überfiel Simone sie auch schon:
"Und, was hast du herausgefunden?"
Melanie versuchte nicht so auszusehen wie sie geguckt hatte, als sie Golumbia und Golumnia gesehen hatte. "Ich hab nur ... Ich meine nur so viel..."
Da unterbrach Janine das Gestotter auch schon:
"Nicht jetzt, ich war noch nie auf einem richtigen Pferderennen gewesen, so etwas wollte ich schon seit ich klein war sehen. Wir können doch gleich noch darüber sprechen. Seht, es fängt gleich an!"
Janine saß sehr weit vorgebeugt da und schaut gebannt auf die Rennstrecke. Simone verdrehte vielsagend die Augen.
Nun wandten sich alle drei dem Turnierplatz zu und schauten gespannt hinunter, wo sich jetzt alle Turnierteilnehmer in die Startboxen stellten und auf den Start warteten.
 

© Muiziana
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