Das dritte Schwert von Benedikt Julian Behnke
Die Sechs 9 - Dalap - Uliga - Darrit

"Allagan hob seinen silbernen Becher und führte ihn dann gierig auf das Gebräu zu Mund. Der Wein schmeckte sauer, er wischte sich den breiten Mund ab und verzog für einen Moment das kantige Gesicht, doch als er die Blicke ihrer Gastgeber bemerkte, lächelte er kurz und nickte wohlgefällig.
"Ein gutes Weinchen! Irgendwie frisch und interessant!", bemerkte Shar, schwenkte großtuerisch den goldenen Becher und schmatzte dann wieder prüfend, "Doch, er ist gut... Aber etwas zu süß, mein Herr!" 
Senragor staunte. Er fand ihn zu süß? Wie bitter mochten dann die sauren Weine sein und was hatte er davon interessant gebrabbelt? Der Druide hatte in seinem ganzen Leben erst von ein paar Weinen gekostet, doch der Schmied, welcher ja einen Gasthausführer als Onkel hatte, wusste, worauf es ankam.
"Oh, ich sehe schon, ihr kennt euch aus! Wie gefällt euch dieser?" Er schenkte dem jungen Mann einen weiteren Becher mit einem anderen Wein ein und seine von schrumpeligen Lidern umrahmten Augen wurden größer, leuchteten jetzt fast wie Katzenaugen. Sein Name lautete Zorak und er war der alte Lehrmeister von Allagan, mit einem spitzen, blauen Hut, welcher eine breite Krempe besaß, schien sein Körper klein, sein Körper war in einen ebenfalls himmelblauen Mantel gehüllt und wurde größtenteils von einem zerzausten Bart überdeckt, der dem Alten aus dem Kinn spross. Seine Haut war vernarbt und faltig, seine Nase groß und die Brauen buschiger als es Shar schon jemals gesehen hatte. Gerade hockten sie in der Kammer des Lehrmeisters beim Abendbrot und eigentlich hatten sie vor gehabt bald zu gehen, doch aufgrund der noch weilenden Schwäche Allagans, hatten sie sich doch erst ausgeruht. Das Zimmer war vollgestopft mit allerlei Zauberutensilien und Spinnweben, welche sich wie Seidenfäden durch den Raum woben. Dieser befand sich in einem kleinen Burgverlies, welches im höchsten Turm der Burg eher als Abstellkammer diente, als dass man vermuten konnte, dass sie einem mächtigen Magier unterliegen würde.
Nachdem Shar ausgetrunken hatte und die Flüssigkeit mit der Zunge im Mund herumschob und schmeckte, sagte er kühl, nachdem der Wein in seinem Magen verschwunden war:
"Auch nicht schlecht... vielleicht etwas herb, aber sonst ganz ergiebig. Etwas salzig, daher lässt sich nicht ausschließen, dass es von einem Weingut nahe eines Salzbergwerkes kommt...", er sah Zorak abschätzend an, "könnte meine Vermutung stimmen?"
"Gewiss, das tut sie! Der Gutshof liegt bei den Minen von Ksa - El - Kebir!",  antwortete dieser voller Begeisterung und klatschte in die runzeligen Hände.
"Mein alter Meister hat wohl eine Schwäche für Wein entwickelt!", stichelte der jüngere Zauberer und grinste überlegen.
"Halt du dich da raus, kleiner! Du weißt ja gar nicht, wovon wie Kenner reden!" Seine Augen funkelten böswillig, doch der Druide zuckte die Schultern und wendete sich beleidigt ab. Wieder aufgeregt klaubte der alte eine dritte, große Flasche mit goldenem Siegel hervor und staunte über sein Werk, das riesenhafte Ding auf den Tisch zu stemmen.
"Und? Willst du noch einen probieren?" Shar spielte ein Lächeln und schwankte leicht.
"Wennís sein muss...", dann nahm er eine kleine Menge und schluckte sie schnell hinunter, fühlte wie die feurige Glut des Weines seinen Gaumen entlang floss und ein ehrfürchtiger Schauer jagte ihm den Rücken hinunter. Spannende Stille herrschte als er den zweiten Schluck bedachte, nahm diesmal abermals nur wenig und schmeckte, doch als er nichts Auffälliges erkennen konnte, außer, dass es der beste Wein seiner Tage war, rief er dem alten herausfordernd zu:
"Gib mir noch einen!"
Der Zauberer goss, den hinteren Teil der Flasche stemmend, nach und wusste sogleich, dass sein neugefundener Freund diesen Tropfen nie erraten würde.
"Sauer im ganzen, doch der Nachgeschmack ist warm und süß... Er ist mindestens hundert Jahre alt...", er schmeckte weiter, "scheint von feuriger Glut zu sein. Überhaupt nicht prickelnd oder erfrischend, sondern eher altmodisch und vertraut...", sein Ton klang unsicherer und verlor sich schließlich in pure Phantasien, "durch Vulkangestein geflossen?", Zorak nickte beipflichtend und dem Schmied stand der Schweiß der Verlegenheit auf der Stirn, "Gut. Es gibt drei Vulkane hier in den Ländern, den 'großen Vulkan', den 'kleinen Vulkan' und den 'Hadesfelsen'... Den letzten schließe ich aus, da man dort seit Muragechts Auftauchen nicht mehr verweilen kann...  Bleiben noch die anderen beiden!", dann schüttelte er den struppigen Kopf mit dem wirren, blonden Haar, fuhr sich durch den Bart und murmelte, nachdem er das Glas abgestellt hatte:
"Ich komm nicht drauf! Sagen sie es mir?"
"Wie naiv die Jugend heutzutage ist!", zeterte der Zauberer, "Es ist doch ganz leicht! Sieh mich an und dann Allagan! Na? Kommst du drauf? Dein Ausschlussverfahren war falsch!"
Shar schlug sich an den Kopf:
"Aber natürlich, wenn der Wein über hundert ist, kann er natürlich im 'Hadesfelsen' gekeltert worden sein! Bevor Muragechts Seele wiedergeboren wurde, hatte man doch eine Burg auf den Vulkan gebaut!"
"Genau, Talbewohner!", schaltete sich Senragor ein, der die ganze Zeit aus dem Fenster gestarrt hatte, "Jetzt hast duís! Der Wein ist von meinem Vater, er hat ihn Zorak zum Geschenk gemacht, als dieser mich ausbildete. Selber hatte er keine Zeit dazu, weil er sich lieber mit Kräutern und Mixturen beschäftigt hatte. Trotz dieser Angewohnheit hat er es schließlich geschafft der mächtigste zu werden... Ich weiß bis heute nicht warum!"
"Was gibt es eigentlich da draußen so interessantes zu starren, Schüler?"
"Es ist nichts, Meister, nur eine Horde Orks und Gnome stürmen bereits die Hänge zur Festung! Bis hier oben werden sie es wahrscheinlich nicht schaffen, die Verteidigungslinien sind viel zu gut ausgerüstet!" 
Zorak zog mürrisch die Augenbrauen hoch und meinte belehrend:
"Es sei denn, sie benutzen den Geheimgang!" Allagan schüttelte verneinend den Kopf:
"Das glaube ich nicht, es sind ungefähr zwanzig Orks, zehn Gnome, zwei Trolle und...", er stockte, "als wir hier heraufkamen war da noch ein Schattenwesen!" Mit weiteren Blicken versuchte er das Wesen mit den verrückten, rotglimmenden Augen unter dem schwarzen Fetzen zu entdecken, wie es mit zu klauen gekrümmten, schwarzen Fingern gebückt zwischen den im Mondlicht schimmernden Felsen schlich. "Nein, es ist nicht da!" sagte er dann schließlich und nur der Alte vernahm die leise Angst in seiner rauen, harten Stimme.
"Wir müssen diesen Angriff dem König melden!", entfuhr es Shar und als er sich vom Stuhl erhob, schwankte er leicht, denn der Wein hatte leicht seine Sinne vernebelt und seine Nase glomm leicht errötet auf. Er wischte sich den wärmenden Schweiß von der nassen Stirn und seufzte völlig geschafft:
"Puh, das Zeug hatís in sich!" Dann ertönte ein Geräusch wie Donner aus den unteren Kammern, als würde eine starke Holztür aufgesprengt und Senragor zog sein langes, mit Diamanten besetztes Breitschwert, das sofort gefährlich aufblitzte.
"Ich glaube, das weiß er schon längst!", murmelte er und gerade als der junge Schmied seine mit den Elfensteinen verzierte Waffe hervorreißen wollte, hielt ihn der Zauberer mit einer starken Geste auf, indem er die flache Hand hob und ihm Einhalt gebot: "Halt! Nute die Elfensteine nicht unüberlegt! Nur die Schattenwesen sind stark genug, dass du an ihnen deine Waffe ausprobieren kannst!" Shar taumelte als der Magier fertig gesprochen hatte und klammerte seine Finger stützend um die hohe Lehne des Stuhls. "Ich gehe voran!" Er öffnete die kleine Tür und ging gebückt hindurch, dann als alle außer dem alten Meister auf der Treppe standen, sagte er gebieterisch zu Zorak gewannt: "Du bleibst hier, Opa!" Gerade als dieser protestieren wollte, denn er hasste es mit einer Form des Alters bezeichnet zu werden, schlug der Druide ihm die Tür vor der Nase zu und ging zielstrebig, den Stock immer noch im Gürtel, die steinernen, oft uneben Stufen den Turm hinab.

Jetzt saß Zorak, der alte Magier, wieder alleine und verlassen in seinem stillen Kämmerlein und stocherte mit der Feuerzange in der kleinen Flamme herum, welche knisternd zwischen den Kohlen in dem winzigen Ofen herumhuschte.
"Diese Banausen!", murmelte er und spuckte auf das schwarze Holz (er heizte ebenfalls mit Lorbeer) im Kamin, "Wissen nicht was sie tun! Welche Chance haben die denn überhaupt gegen solche Gegner!" Eine mürrische Falte in seinem Gesicht schnitt sich tiefer. "Ich werde ihnen zeigen, für was ich alles noch gut bin!" Damit richtete er sich auf, die Finger seltsam zu Klauen verkrampft, die Augen glommen hell auf. Seine Gestalt schien zu wachsen, sich auszudehnen und irgendwie machte diese Gestalt Angst, jagte einen kalten Wind durch das Gemäuer und seine Stellung verhärtete sich, als würde sein Unterkörper mit dem Boden verschmelzen und die erdende Kraft aus ihm herausziehen. Er öffnete den zittrigen Mund und sog scharfe Luft ein, während sich sein Körper aufblähte und bei genauem Hinsehen, konnte man erkennen, dass er mit den Lippen fremde Worte in einer anderen Sprache formte, die sich durch die Luft forttragen ließen, der Himmel draußen verdunkelte sich und schwarze Wolken zogen sich rasend schnell über das neblige dunkelblau des Nachthimmels. Alles begann zu wackeln und zu zappeln im Raum, Gläser klirrten, als sie erst über den Tisch rollten und dann zu boden gingen, langsam hoben sie die Stuhl- und Tischbeine vom Boden ab und schweben zwei Finger breit über dem hölzernen Boden, Winde zogen durch das Zimmer und mit einem Mal erlöschte die Flamme im Kamin, die groben Steine in den Wänden begannen sich vom Mörtel zu lösen und immer wieder wiederholte der Zauberer die gleichen unverständlichen Worte mit den Bewegungen seiner Lippen.
Plötzlich schoben sie die Quader aus dem Mauerwerk, das Dach mit den roten Schindeln löste sich ebenfalls und stieg in den von unzähligen, tiefdunklen Wolken verhangenen Nachthimmel auf, sofort durchfuhr ein Blitz die dröhnende Stille und schickte sein gleißendes Licht unten auf die Felsen, an denen Gnome mit Rittern kämpften. Schon lagen viele Orks tot, geschändet oder nur bewusstlos am Boden, aber Shar und Allagan waren nicht bei ihnen. Die sich aufbäumende Gestalt in der Luft mit Namen Zorak war blind, da er für starke Zauberei in sich gekehrt sein musste, doch seine Kraft war noch lange nicht am Ende, nein, sie begann gerade sich erst aufzubauen. Mit dröhnender, magieenthaltener Stimme, die nicht wie seine eigene schien, schickte er einen Ruf zu den Kämpfern unter sich:
"Verlasst diesen Ort, ihr Geschöpfe der Finsternis, oder ich vernichte euch mit einem einzigen Zucken meiner Wimper!"
Die brüllten trotzig und einer unter ihnen schleuderte eine kleine Axt in den Himmel. Sie grub sich durch die Luft, wirbelte dem Turm entgegen... Dann stürzten die Steine und Ziegel wie fallengelassen dem Boden entgegen und das leise Geräusch eines aufschlagenden Körpers, auf den Dielen des Turms, wurde von einem herab sausenden Blitz übertönt und peitschender Regen ging streitsuchend herab und nässte, verwischte das Blut der leblosen Körpers...

In dem Vorhof der Burg herrschte regest Treiben, Diener und hohe Lords rannten kreuz und quer, alle in höchster Aufregung, da die letzte Verteidigungslinie durchbrochen war. Allagan redete gerade mit dem König und ersann einen Schlachtplan:
"Es sind nicht zu viele Feinde! Ich habe weniger als vierzig gezählt, das entspricht nicht dem Ansturm auf die zwei königreiche im Norden! Wir", er deutete auf sich und Shar, der gerade verzweifelt versuchte auch einen Einwand bringen zu können und somit vergeblich mit dem Finger fuchtelte, "müssen schnellstens hier weg! Das Leben der gesamten Menschheit steht auf dem Spiel! Diesmal haben wir die Zwerge und Elfen draußen gelassen  und so werden sie uns nicht in der Schlacht helfen können! Im Grunde müssen wir, obwohl ich gesagt habe, dass wir alle Zeit der Welt haben, ganz, ganz, ganz schnell hier weg! Es geht nicht wann wir wo sind, sondern dass wir nicht bemerkt werden!"
Der König verstand überhaupt nicht was Senragor zu erreichen versuchte und lachte etwas spöttisch.
"Geht doch! Zuerst müsst ihr es aber durch die Reihe an Feinden schaffen!"
"Es sind höchstens noch zehn!" schrie der Druide, "Warum können ihre Männer nicht mit weniger als zehn Gegnern umgehen? Die anderen, außer den zwei Trollen, sind schon tot...", er hielt mitten in seiner Wut inne und schlug sich an die Schläfe, "Oh mein Gott, wie konnte ich das vergessen? Das Schattenwesen! Habt ihr die Geheimgänge bewachen lassen?" Der König war völlig verblüfft und zuckte wieder nur die Schulter:
"Welches seltsame Wesen und welchen Geheimgang meint ihr? Es gibt hier keinen Geheimgang!"
"Doch den gibt es!" Er trat näher auf den König zu und versuchte ihm direkt ins Gewissen zu reden. "Ich kann es beweisen! Verschließt alle Türen in die unteren Räume, ich werde die Baupläne der Burg aus dem Turm holen!"

Sam wachte aus einem ungemütlichen Traum auf. Es schien ihm, als hätten tausend Mäuse an seinem Fleisch genagt und er fühlte sich ausgemergelt und alt an, trocken und ledern, irgendwie unweich und schmutzig... Wahrscheinlich war es das auch, alt und nicht mehr so kraftvoll wie vor zwanzig Jahren, als er mit seinem Schiff durch die Wellen geprescht war... Ach, hör doch auf, hörte er sich denken, wir wissen beide, dass der Traum vom Segeln niemals wahr werden kann! Eine gespaltene Persönlichkeit, oder warum redete er mit sich selbst? Vermutlich war es nur ein kurzer Anfall von Selbstmitleid und schon wieder verspürte er die frische Briese in seinen Haaren und die der Geruch von salzigem Wasser in der Luft. Ein Traum. Etwas anderes würde ihm wohl nie bleiben... Er schlug die Decke zurück, stand auf und verspürte schon wieder diese stechenden Schmerzen auf seiner Brust. Dort hatten sie ihn erwischt, diese elenden Orks! Gnome hatten mit ihren Piken nach ihm gestochen, doch er hatte sich mutig verteidigt, doch als er an seinem geschundenen Körper mit den rosafarbenen Platzwunden heruntersah, entdeckte er die vielen Falten und die Narben, welche seine Feinde ihm zugefügt hatten. Er zog sich an und stellte sich während er die Bluse zuknöpfte vor den großen Spiegel an der Ostwand seiner Behausung. Die Wände waren weiß gestrichen und die Farbe schien gemütlich und hell. Das einzige Licht was ihn jedoch begleitete, war eine Kerze auf dem kleinen Schreibtisch vor seinem Fenster, die oft aufflackerte und ihre Flamme durch den Raum scheinen ließ.
In dem glasglatten Spiegel erkannte er einen verwitterten, mürrischen, beinahe toten Mann, der schon vieles erlebt zu haben schein... Sicher habe ich viel erlebt, vernahm er sich abermals denken, ich war auf dem Meer und habe Schiffe gekapert, war eben Pirat! Der Pirat ärgerte sich über diese unheimliche Stimme, die ihm so einfach seine Gedanken vorgeben konnte. Nun war sein weißes Hemd zu und der rote Mantel mit den goldenen Verzierungen wurde angelegt, erstaunlich wie seine Kleidung der eines großen Piratenführers so ähneln konnte... Oder war es seine Bestimmung, wie er immer vermutet hatte, ein Pirat zu sein? Er verkniff sich ein Lächeln bei diesem Gedanken, setzte den Kragen ordentlich, zog sich die Schnur mit dem langen Säbel über den Kopf und zurrte ihn schließlich um seine Hüfte fest. Wo ist jetzt nur der Hut? Fragte er sich kopfschüttelnd und sah sich in der kleinen Kammer genau um. Da, neben der Kerze lag er auch schon. Er war schwarz, hatte die Form eines Dreieck und die buschige Feder eines Wanderfalken steckte in einem Loch bei der Krempe. Vorsichtig nahm er ihn in die Hand, befühlte ihn und klopfte ehrfürchtig den Staub von der Kopfbedeckung, denn sie war das einzige, was ihm je geblieben war. Als er sich umdrehte und wieder in den Spiegel sah, schien es ihm, als würde sich ein hoher Schatten aus einem dunklen Winkel des Zimmers lösen und auf ihn zugeschwebt kommen. Das Gesicht war nicht vorhanden... Wie konnte er überhaupt glauben, dass dieses Ding ein Wesen mit einem Gesicht war? Er wusste es nicht, doch konnte er es spüren, als der Schatten eine zu Klauen gekrümmte Hand auf seine Schulter sinken ließ und ein eisiger Kälteschauer sich von der Berührungsstelle ausbreitete. Die Hand war völlig schwarz und hatte eine lähmende, erschreckende Wirkung in sich, als würde er erfrieren. Plötzlich bekam ihm das brennende Bedürfnis zu zittern, doch der Schatten erlaubte es ihm nicht und sein Griff war schwerer als kaltes Blei. Nun glaubte Sam den Schatten nicht mehr als Schatten, sondern eher als wallenden Rauch zu sehen, der sich wie durch ein Wunder manifestiert hatte. Bei seinen vereisten Blicken in die spiegelnde Oberfläche des Glases vor ihm, versuchte er wieder und wieder ein erkennbares Gesicht und Merkmal dieses Wesens zu entdecken und da gelang es ihm, zwei Punkte wie Augenhöhlen aus weißem, nebelndem Licht zu sehen. Ein furchteinflößendes, kaltes Gesicht war das, nicht vorhanden, nur erahnbar und er spürte dessen Atem, tot und kalt...
Das Wesen begann mit einer weichen, hallenden Frauenstimme in seinen Gedanken zu sprechen und auf unerklärliche Art und Weise fühlte sich der Pirat in den frostigen Krallen geborgen:
"Ich bin Sowem Dun." Die Stimme klang wie ein Zischen, doch Sam konnte die Frau haargenau verstehen. "Das bedeutet Eisfrau." Die Hand schien in seinen Körper hinein zu greifen, hindurch zu tauchen und sich an seine Gefühle zu klammern. "Wie ich sehe, willst du auf eine Schifffahrt gehen." Sie sprach langsam und in diesem Moment wollte Sam mit ihr sein, sich mit ihr vereinigen und sich schutzsuchend an sie klammern, denn sie erriet seinen Gedanken. "Doch ist deine Lebenszeit bald abgelaufen..." Er schloss die Augen und die wärmende Dunkelheit breitete sich in ihm aus, wurde aber nach einigen, wohligen Sekunden von der fremden Person in Gestalt des Nebels zerstört und die Helligkeit des ewigen Eises spielte sich vor seinem inneren Auge ab. Schnee, ein weißer Himmel mit ebenso einer Sonne in der Farbe, ein Schneesturm und eine junge, schlanke Frau in dunkeln Leinen gehüllt, unscharf ihre nackte Haut darunter. Die Stimme sprach weiter und in seiner Vorstellung bewegte die Frau den Mund. Sie war wunderschön. Der Pirat konnte nur noch Augen für sie haben! "Du hast viel gelitten und dein Traum ist immer noch nicht erfüllt." Sie hatte das Thema gewechselt. "Du sollst deinen Wunsch erfüllt bekommen, doch nur...", sie hatte ein Geräusch gehört und hielt nun inne. Von irgendwo kam das klatschende Geräusch von Flügeln und holte den Mann ins Leben zurück, doch er untersagte es die Augen zu öffnen und lauschte auf das folgende Gespräch mit der Dame, nach der er sein ganzes Leben gesucht haben mochte, "Der Vogelmann fliegt weit, doch kann er nie die ganze Welt umrunden." Die Gestalt in seinen Phantasien hielt eine verschleierte Hand hin und öffnete sie. Auf ihrer weichen, wie verzaubert wirkenden Hand lag ein schwarzes, gefiedertes Etwas, verdreht, zerzaust, abgemagert und zerstochen, wie Gräten stachen spitze, kleine, dürre Knochen hervor, als hatte man das Tier, es musste ein geschändeter und gequälter Rabe sein, aufgebrochen. "Der Vogelmann wird, bevor er es geschafft hat, von seinem Rivalen, einem größerem Tier, gefangen, getötet und gefressen." Die stimme klang unberührt und verführerisch. "Hier ist mein Angebot, Sam Halkman: Helfe uns bei der Verfolgung der Sechs!" Bilder von den Gefährten wanderten in seinen Kopf und er konnte nicht anders als weiter schweigen, doch in seinem tiefsten Innersten schrie er laut: 'Ja'.
"Gut", machte Sowem Dun und zog die Hand aus Halkmans zusammenfallenden Körper. "Du wirst es nicht bereuen. Stirb jetzt und erwache als Diener Muragechts!" Ein eiskalter, bleierner Schlag durchstieß Sams Körper und giftiges Eis schien ihn von Innen aufzufressen, umzuwandeln, selbst seine Augen konnte er nicht mehr öffnen. Schmerzen in unerträglichen Maßen plagten ihn und ließen seinen Körper ruckartig und fiebrig zucken, als ob der Teufel in ihm seinen Spaß treiben würde...

Savamir tat ein paar Schritte weiter durch den Nebel und wieder hauchte ihm etwas Unsichtbares den Geruch von Schwefel ins Gesicht. Das aufeinander klacken von Steinen ließ ihn den steilen Hang hinauf blicken und gerade noch erhaschte er zwischen den Nebeln ein Fetzen eines Umhangs. Er hatte sich also nicht getäuscht! Schnellen Schrittes ging er zurück zu seinen Freunden und Brüdern:
"Wir müssen hier weg! Ein Sumpf und ein hoher Berg sind zu große Hindernisse für uns!" Von der Begegnung mit dem Schwarzen erläuterte er nichts, doch seine Brüder konnten es in seinen unsicheren Augen lesen, das Blonde Haar war von glänzenden Schweißperlen durchzogen und er atmete tiefer als gewöhnlich.
"Das wird wohl eine lange Nacht!" bemerkte Gisildur und zog bereits sein Schwert. Das klirrende Geräusch schreckte Savamir auf und dieser Legte seine Hand auf die zwei fingerbreit herausgezogene Klinge und murmelte verständnisvoll:
"Nein, heute nicht. Heute vergießen wir kein Blut! Unser Aufenthalt muss unentdeckt belieben!" 
Lächelnd schob der Ritter die Waffe wieder zurück.
"Du bist ein guter Mensch, Savamir. Komm, lass uns weitergehen! Bevor die nächste Nacht hereinbricht, müssen wir in Dalap - Uliga - Darrit sein!"
"Wäre es nicht besser, wenn wir zu Sam auf die Bauernburg gehen würden?" bettelte Warior und schluckte, bei der Idee, es könnte sich etwas im Sumpf oder im Nebel verstecken. Die milchige Brühe war wirklich undurchsichtig und wie eine weiße Wand aus Rauchglas...
"Nein!" Savamir schüttelte den Kopf. "Die Bauernburg ist belagert, doch in Uliga - Darrit werden wir für einige Tage Schutz finden! Dieser Allagan soll doch uns folgen und nicht umgekehrt! Was weiß der denn schon?" "Vermutlich mehr als ihr alle glaubt!" warf Badenius ein. Der Druide hatte lange und ausführlich mit ihm geredet und jetzt zusehen zu müssen, wie seine eigenen Brüder und Freunde ihn so niedermachten, war ein wahrer Schock aus grenzenhafter Wut für ihn.
"Was willst du denn über ihn aussagen können, kleiner? Er hat dich verführt! Höre lieber auf uns, anstatt auf diesen Verräter! Unseren Vater wollte er hintergehen!" schnaubte Kalikor.
"Und das aus deinem Munde, Kalikor? Wir wissen beide, dass wir unseren Vater gehasst hatten!" verteidigte sich Badenius und durch die geballte kraft seiner lauten Stimme wich der Andere ängstlich zurück und abwehrend hob dieser die Hand, als Badenius das Zauberschwert aus der Scheide riss und auf ihn richtete. "Warum bist du zu deinem Vater übergelaufen, anstatt aus purer Tatkraft und gutem Willens dem Feind gegenüber zu treten!"
Kalikor lachte laut auf und ein Raunen ging durch die anderen vier.
"Ich?" Badenius nickte. "Ich will das Schwert zurückerobern und die Hände seines Besitzers legen!"
"Ist unser Vater der Besitzer des Schwertes?" Kalikor schwieg, betrübt über seinen Fehler, und dann schrie er plötzlich auf:
"Nein! Aber bald!" Er stieß die Klinge mit seiner eigenen beiseite und wollte auf seinen Bruder einschlagen, mit weit aufgerissenem, klaffendem Maul und wildem Kampfgeschrei. Badenius sah die Schneide auf sich herabsausen, taumelte Rückwärts, stolperte erschrocken über einen Stein, wobei er seine Waffe fallen ließ und Kalikor die Schwertspitze zwei Finger tief in Badenius Brust versinken ließ. Die Gesichtszüge des Angreifers wurden trüb, hasserfüllt und auf einmal auch schmerzhaft entsetzt...
Badenius schrie die Augen zusammenkneifend auf und verkrampfte seine behandschuhten Hände um die blutige Klinge, welche sich durch seinen Lederpanzer gebohrt und ins zarte Fleisch gestochen hatte. Sein Schrei durchschnitt die Ruhe des Entsetzens und aus den verknitterten Lidern drangen Tränen...
Kalikor ließ seine Hände vom Heft sinken und schleppte sich noch einige Meter weiter den Hang hinauf, dann fiel er, die Wunde haltend, bäuchlings auf den harten, kalten Steinboden. Bevor er gestorben war, hatte ein verrücktes Grinsen auf seinen Lippen gewohnt und seine letzten Worte waren:
"Meister, ich kehre heim!" Dann lösten sich seine Gebeine in Asche, Erde und Rauch auf, dessen Fahne von seinem mit schwarzem Ruß überzogenen Skelett ausging und sich in der kalten Nachtluft verlor, doch feiner Staub wurde vom Wind in Richtung Hadesfelsen fortgetragen...
Gisildur betrachtete die blutige Klinge seines Dolches und trat beängstigt einen Schritt zurück und schleuderte die sich auflösende Waffe in Richtung Sumpf.
"Verdammt!", stieß er aus, "Wenn normale Klingen einen verletzen, der mit dem Teufel im Bund ist, um sicher zu gehen, dass er ein zweites Leben bekommen würde, lösen sie sich auf und verleiten ihren Träger ebenfalls mit dem Tod zu kommunizieren."
"War er denn mit dem Teufel im Bund?" wollte Warior wissen, als er quengelnden Badenius auf die Beine half. 
"Wahrscheinlich wurde er von einer Orkklinge verwundet und der Satansgruß ist auf ihn übergesprungen!"
"Aber dann ist doch nun auch Badenius davon befallen!"
"Das ist das Problem!", gab Gisildur zu, "Wir müssen auf dem schnellsten Weg in die nächste Stadt!"
"Vielleicht... nicht...", stotterte Badenius fieberheiß mit glühender Stirn und völlig nassgeschwitzt, "...die Blätter..."
"Blätter?", fragte Isribus erstaunt. "Welche Blätter meint er?" Er war völlig verblüfft und das Treiben seiner Brüder war ihm in irgendeiner Weise rätselhaft, "Und warum hast du Kalikor getötet?"
"Lorbeerblätter!", fiel es Gisildur plötzlich ein, "Allagan hat behauptet, dass man Krankheiten, die man nicht mit einem Energietrunk heilen kann, mit diesen Blättern geheilt werden können!"
Sie bedeckten Badeniusí Wunde mit den grünen länglichen Pflanzenstücken und gaben ihm zusätzlich noch einen Heiltrank zu trinken. Nachdem sie Savamir mehrmals angetrieben hatte sich aufzumachen, waren sie schließlich in Richtung Dalap - Uliga - Darrit losgelaufen, den Verletzten auf einer Bare aus Hölzern und Schilf tragend. Noch einmal blickte sich Savamir routineartig nach dem Dunkeln im Schwarzen Cape um, doch dieser blieb diesmal aus. Die kalten Schwaden lichteten sich plötzlich und gaben den Blick auf den endlosschwarzen Nachthimmel mit den wenigen Sternen und dem sichelförmigen Mond frei, der sich seit ihrer Abreise sehr stark verändert zu haben schien. Die Sumpflandschaft endete hier und an ihre Stelle trat eine weite, hügelige Ebene, die den Blick bis weiter nach Südwesten zur Waldenburg, die auf einem Hügel stand, der mit Bäumen und Sträuchern eingerahmt war, endlich freigab. Es schien große Unruhe auf der Burg zu herrschen denn direkt über ihr hatte sich eine dicke, schwarze Gewitterwolke zusammengebraut, die wild Blitze nach unten schleuderte und der oberste Turm war völlig zerbrochen, kleine, insektenartige Wesen versuchten den Felsen wahrscheinlich einzunehmen, so  viel konnten sie auch von Weitem sehen, doch im Moment galt der Weg nach Uliga - Darrit.
Der Pfad, auf welchem sie schritten, war mit dichtem Gras überwachsen und führte direkt an einer schräg abfallenden Felswand entlang, endete aber in einem dunklen Wäldchen, zwischen dessen Baumwipfeln man schon längst die Türme und Mauern der Stadt erkennen konnte. Fackeln loderten an den Toren und trotz der Lorbeerblätter wurde Badeniusí Befinden merklich schlechter. Auf einmal kam Gisildur eine entscheidende Idee, er ging zu Badenius und roch prüfend an den Pflanzenauswüchsen. 
"Ich hatte es geahnt!", murmelte er griesgrämig, "Die Lorbeerblätter sind keine Lorbeerblätter, sondern die einer Trauerweide! Man kann sie nur vom Geruch entscheiden!", er schüttelte verärgert den Kopf, "Dieser Hund! Er hat sogar die Blätter vertauscht!"
"Kalikor?", fragte Isribus erstaunt.
"Wer denn sonst?", murrte Gisildur, "Wir müssen unbedingt einen Lorbeerbaum aufsuchen!"
"Wie konnte das bei Kalikor überhaupt passieren? Und wann?" fragte sein jüngerer Bruder, der ebenfalls ein magisches Schwert auf dem Rücken trug.
"Fassen wir mal zusammen, die letzten Kämpfe haben vor der Hütte stattgefunden, als uns dieser Druide begegnet ist!", kurz überlegte er, "Nein, da wurde er nicht verletzt..."
Badenius wollte etwas sagen, griff nach Gisildurs Kragen und zog ihn zu sich herunter ums ich beim sprechen nicht richtig anstrengen zu müssen:
"Er ist... mit mir... zum Schloss oben gegangen... Dort... wurde er stark... von einem Monster... verwundet... vielleicht... ich wurde... bewusstlos..." Seine Augen fielen wieder zu, doch Gisildur bedrängte ihn nicht weiter. Er wusste, dass er nicht mehr wissen musste.

Badenius wurde gequält, finstere Wesen jagten ihn in seinen Träumen... Seine Wunde brannte wie das gefährlichste aus Feuer und Eis zusammen... Das schwarze Gift der Toten griff nach ihm, suchte nach seinem Herzen und wollte es böse, dunkel und verkümmert werden lassen, doch da war noch etwas anderes, etwas  was einer Vision bis auf das kleinste Teilchen gleichsteht... 

- Ein Schattenwesen griff nach seinen Freunden, packte sie mit seinen Spinnendürren Klauenfingern und drückte sie fest zusammen. Ins Höllenfeuer eines Vulkans wurden sie getragen, unfähig etwas zu unternehmen und dort wurde einer nach dem anderen grausam hingerichtet. Der Feind schmiedete Schwerter mit der Macht Muragechts, der nur als Schatten hinter einem hellen, gleißenden Licht zu erkennen war. Mit einem Fingerdeut schickte er seine Untergebenen an, die vier hinrichten zu lassen, doch da betrat ein Fremder das Szenario, schwang behände und wagemutig sein Schwert, während die Freunde an Ketten in die brodelnde Lava gelassen wurden. Das Gesicht des Helden war nie zu sehen, denn immer stand er im Schatten oder mit dem Rücken zu Badenius, der wie ein Passant zusah und sich nicht rühren konnte. Ein Schwertkampf tobte zwischen den beiden gleichstarken und nach einigen sich endlos hinziehenden Minuten war er vorbei... In den Schatten, sacht vom glühen der Lava bestrahlt, stand ein Kämpfer mit zum sieg erhobenen Armen. Ein schneller, rasender Schatten brach aus einer dunklen Ecke hervor und köpfte den Sieger mit einem Schlag, der Boden begann zu Beben und ein breiter, hoher Schatten trat hinter dem neuen Sieger hervor, dessen Klinge grünlich schimmerte. Er gebot Zeichen dar, der eindeutig jüngere Schatten stach das Schwert in die Brust des ersten Scheingewinners...  -
Als der Streich vollzogen wurde, stach es Badenius plötzlich stark in der Brust und die Vision erlosch, doch dann erweckte sie wieder auf: 
- ... Die Kämpfer hatten den Raum verlassen und die brodelnde Lava stieg aus dem loch heraus, floss über den Boden zu dem Toten, der sich plötzlich wieder aufrichtete, der Kopf war auf seltsame Weise wieder zwischen den Schultern, und mit stummen, schmerzenden Schreien versuchte die Waffe aus seinem Leib zu ziehen. Die Lava rückte immer näher und schließlich schaffte er es... Das Schwert schleuderte er fort in die Lava, die schon bis zu dem gezackten Ausgang geflossen war und die Wände bebeten. Dicke Steine lösten sich aus der Decke, der schwarze wich ihnen taumelnd immer wider aus und humpelte stark geschwächt auf den Ausgang zu, doch da schmolz die Lava den Boden, der Raum fiel ins sich zusammen und begrub den dunklen...  -
 
- Sofort wachte Badenius auf. Alle Glieder schmerzten ihm und war unfähig sich auch nur einen Zentimeter zu rühren. Die Umgebung war ihm fremd und er fühlte sich schlapp, doch voller Tatendrang. War dieser Traum wirklich das gewesen, für was er ihn gehalten hatte? Eine Vision? Oder einfach nur eine Vorahnung? Er wusste es nicht und nun spürte er, wie jemand ihm warme Hände auf die Stirn gepresst hatte. Verwundert, doch ohne sich zu weheren schielte er an den Fingern der Hand entlang zu dem, dem die Hand gehörte. Die Hand war rauchig, schwarz und ihr Besitzer eher eine Gestalt aus schwarzem Nebel, grün leuchteten zwei Funken unter dem Kapuzenähnlich geformten Rauch. Badenius Blicke blieben unverwandt auf dem wesen hängen und schließlich fragte er:
"Wer bist du?" Erst jetzt fiel ihm auf, dass das Fieber runter gegangen war und er wieder genügend Kraft zum Sprechen hatte. Hinter dem Schatten musste ein Feuer sein, denn er hörte es knistern und die Wärme ging nicht von der Hand, sondern von dem Feuer aus.
Als seine Worte verklungen waren, schrie der Schatten kreischend auf, ein Kälteschauer stach in Badeniusí Kopf und er zuckte zusammen. Der schwarze war womöglich auf einem Pferd, zog das schwarze, schnaubende Tier zurück und zückte ein langes, dünnes Messer, das fragte es mit zischender Stimme wieder auf ihn zukommend und ihm das Gefühl gebend, er hätte nichts gegen die Schatten der Finsternis und das Dunkel auszurichten:
"Hast du gesehen was die Zukunft in sich birgt?" Das Zischen war eindringlich und Badenius antwortete nicht sofort. Mit einem Blick auf die Lichtung stellte er fest das es eine Waldlichtung war und keiner außer ihm und dem Schattenmann waren da. Ein funkeln in den tückischen Augen des Feindes lies ihn erstarren, er zog ihn in einen Bann und umwickelte ihn mit Kälte, Kraftlosigkeit und Trauer.
"... Nein..." sagte er traurig und die Augen schon wieder halb geschlossen. Der Moment seiner Worte war lang und im Feuer brannte alles fast bis auf die letzte Glut aus. 
"Lüg mich nicht an Kerl!" zischte der Fremde Reiter und hielt die im mondlicht glänzende Klinge näher an Badenius. Dieser öffnete den Mund, doch schloss ihn gleich wieder und schluckte, wobei er den Frosch im Hals nicht ganz hinunter bekam, doch dem dunkeln schien es zu genügen. Schnell zog er das Messer von Badeniusí Kehle und entfernte sich wieder mit dem unruhig im Boden scharrenden Pferd. 
"Vielleicht kommt bald jemand, dem du vertrauen kannst!" das Zischen war vertraulich und warmherzig. Welches wesen konnte so furchtbar aussehen und doch eigentlich friedlich sein? Da schienen Fremde Worte durch die Luft getragen zu werden und der dunkel Hengst stampfte wütend mit dem stählernen Hufen auf, dessen Reiter jedoch, begann einen inneren Kampf mit sich selbst zu führen. Er schüttelte den nebligen Kopf, kiff die lichten Augen zusammen und zog wiederwillig an den ledernen Zügeln. Auf einmal drang für einen Kurzen Moment ein rotes Leuchten aus den Augen des Schattenreiters und das Pferd bäumte sich bereit auf. Die Stimme des Geisterwesen hatte sich verändert und nun bemerkte man auch, das dieses Lebewesen nur einen Arm hatte, an der Stelle hing der Mantel einfach nur schlapp herunter. Die geschwärzte Klinge wurde wieder über Badeniusí Haupt gesenkt. Prüfend wurden einige Schwingungen damit gemacht, dann hob er den langen Dolch, der plötzlich schwertlang in die Länge schoss und lies ihn wieder nach unten durch die Luft gleiten, doch bevor er seinen Hals durchtrennen konnte, hörte er Stimmen und ein Rascheln im Gebüsch. Der Fremde knurrte bedrohlich, dann galoppierte er mit erhobenem Schwert und einem grässlichen Kreischen in die Nacht davon. Der Geruch von Lorbeer lag über Badenius Körper und er starrte kurz auf seine Wunden herab. War es möglich, dass er sich in so kurzer Zeit diese Verletzungen zugezogen hatte?
Die Gefährten traten auf die Lichtung und sofort gesellte sich Isribus zu ihm.
"Wie geht es dir, Bruder?" fragte er frei heraus und fasste seine Hand.
"Schon besser!" lächelte er ihm zu und wollte unter Schmerzen Aufstehend, nur um zu zeigen, dass er wieder fitt war, doch sein Bruder hielt ihn zurück.
"Nichts da! Du musst dich ausruhen!"
"Er kommt!", flüsterte Badenius und wies mit der linken Hand auf einen Schatten, der sich zwischen den Blättern bewegte, vergessen war der dunkle Reiter, der wahrscheinlich sowieso nur sein Hirngespinst war. Der Mönch trat aus dem Gebüsch und Badenius atmete erleichtert auf und sagte belustigt:
"Was der wohl hier will?"
"Er ist gekommen um sich deine Wunden anzusehen, aber wie es scheint geht es dir wieder besser!" Der Mönch begrüßte sie und ging eiligen Schrittes auf Badenius zu. Sein zerschlissener, brauner Mantel war zugezogen und die Kapuze hing ihm tief in die Stirn, aber als er vor Badenius stand, zog er sie zurück und er sah sein Gesicht. Erst schien es normal, doch dann explodierte sein schreck so heftig, dass er auf der Bare, die man auf einem Felsen abgestellt hatte, zurückkrabbelte.
"Das kann nicht sein, du bist tot!" seine Haltung verkrampfte sich und er schloss die Augen. So gesund war er wohl doch nicht. Er hatte den Mönch für den Auferstandenen Kalikor gehalten, welcher ihn bösartig mit seinem dreckverschmierten und blutbefleckten Gesicht angrinste und so tat, als ob er jede Sekunde mit einem Dolch zustechen würde.
"Was hast du, Bruder?" fragte Isribus mitleiderregend, doch im selben Moment huschte auch über sein Gesicht ein böswilliges Grinsen und nun drehten auch seine anderen Brüder sich zu ihm um, zogen ihre Waffen und traten einige Schritte auf die Bahre zu. Kalikor zog einen Dolch aus seinem Gewand hervor und stach zu...-
 
- Das konnte nicht sein! Kalikor war tot! Ein Wesen der Finsternis würde niemals mit sich selbst im Konflikt stehen!  -
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© Benedikt Julian Behnke
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Und schon geht's weiter zum 15. Kapitel (10. Kapitel des 2. Buches): Der Traum

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