Ellesmarel von Eddy
Kapitel 1: Der Hilferuf
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"Dort wo der Honig fließt
ist eine Welt so farbenprächtig und schön.
Komm 
komm zu mir
Komm in meine Welt
Dort wo der Honig fließt."

"HILFEEE!! - HILFEEE!!"
Diese Worte, die ein kleines Mädchen schreit, schallen durch den so dunklen Wald voll mit Lärchen und Buchen.
"Was soll ich tun?? Wo ich auch hinsehe, nur Lärchen und Buchen, ich kann nichts tun!" Der braunhaarige Junge mit braunen Augen und brauner Haut rennt einfach los. Er hat bloß einen Gedanken: "Ich muss ihr helfen, sie befreien, egal wo auch immer sie ist. Ja, ich werde ihr helfen und dieser gottverdammte Wald wird mich nicht daran hindern."
Schneller! Schneller!! Und noch Schneller!!! Als er anhält um zu sehen, wo er ist, entlockt der Ausblick, den er sieht, ihm nur ein trübes Lächeln. "Nur Lärchen und Buchen, egal wo man hintritt, immer nur diese Bäume. Warum?"
In Gedanken geht der Junge schnellen Fußes weiter und sieht nicht, wo er hingeht.
Plötzlich stolpert er über eine Wurzel fällt zu Boden und kann sich nicht mehr bewegen.
Der Junge krümmt sich vor Schmerzen, krächzt und winselt, dass ihm jemand Helfen solle.

"Talmer, aufwachen! Du hattest schon wieder einen Albtraum."
Talmer drehte sich um und blickte seiner besorgten Schwester Elaya entgegen, die  ihn mit ihren strahlend blauen Augen anstarrte.
"Albtraum pah! Ich glaub du spinnst, das ist die Realität. Du immer mit deinen Albträumen, du hast doch keine Ahnung, was und wann ich irgendetwas sehe."
Elayas Gesichtszüge wurden hart und erinnerte nicht mehr daran, dass sie einmal besorgt ausgesehen haben könnte. "Pass mal auf, Bursche, die Realität ist die Welt, in der Du lebst.
Und ich nehme mal ganz stark an, dass Du in unserer Welt lebst, nicht wahr?? Also hör endlich auf mit der Spinnerei, zieh dich an und komm runter Frühstücken!"
"Und es ist doch wahr...", entgegnete ihr Bruder.
"Ich erwarte dich in fünf Minuten unten am Esstisch und wage es nicht zu spät zu kommen!"
Elaya verließ wütend das Zimmer und ging hinunter in die Küche.
Talmer wusste, dass man sich nicht mit seiner Schwester anlegen sollte, denn sie war nicht nur die schönste Frau des ganzen Dorfes mit ihren langen braunen Haaren, das ganze Dorf hatte Respekt vor ihrer Argumentation, denn wenn sie erst einmal anfing, mit jemandem zu diskutieren, der anderer Meinung war als sie, hatte derjenige verloren. Denn Elaya verstand es ihre Lage als die bessere darzustellen und außerdem war Elaya Schwester, Mutter und Vater für Talmer und nur acht Jahre älter als er. Und Talmer war schon fünfzehn, denn als seine Eltern starben, nahm sich seine Schwester sofort seiner an.
"Aber warum kommen immer diese Träume und warum schreit das Mädchen immer um Hilfe??" Talmer versuchte sich schon seit Tagen einen Reim auf diese Sache zu bilden, aber alles, was er sich zurechtspann, stellte sich hinterher als Falsch heraus und so vergaß Talmer seinen Traum, zog sich an und ging hinunter zu seiner Schwester und frühstückte mit ihr.
"Talmer", begann Elaya, "deine ewige Spinnerei muss endlich aufhören damit..."
Talmer fiel seiner Schwester wütend ins Wort: "Erstens ist das keine Spinnerei! Zweitens ist das, was ich sehe, Realität, und zu guter letzt drittens: wie willst du mir denn bitte beweisen, dass ich spinne!?"
Das Gesicht seiner Schwester vorzog sich zu einem Lächeln. "Talmer... bitte schön, wie du meinst. Das ist Spinnerei aus dem einfachen Grunde, dass du mir nicht sagen kannst, wo sich dieser Ort befindet, denn in ganz Jeroch gibt es keinen Wald, der nur aus Buchen und Lärchen besteht. Und außerdem, wenn man träumt, kann man alles sehen, seiner Fantasie sind keine 
Grenzen gesetzt."
"Aber was ist mit den Gebieten hinter Jeroch..?" schrie Talmer.
Seine Schwester zuckte zusammen, antwortet ihm aber prompt. "Du weißt, dass es uns untersagt ist über die anderen Gebiete zu reden, und wenn du mich noch einmal anschreist, dann Gnade dir Thryn."
Talmer wurde blass im Gesicht und sich seiner Schuld bewusst. "Wenn mich jemand gehört hat..." Er stand auf und ging hinaus. "Puh", dachte er, "zum Glück ist noch keiner unterwegs, das hätte schlimme Folgen haben können für mich und Elaya." Talmer ging hinein in die Küche uns blickte Elaya an. "Es tut mir leid, dass ich so laut war. Ich hätte wissen müssen, dass ich uns in Gefahr hätte bringen können. Es tut mir leid."
"Ich muss zur Arbeit, bitte kümmere dich um den Abwasch." Elaya verließ das Haus ohne ihn noch einmal anzusehen.
"Ja, wenn es sonst nichts ist, ich ruh mich erstmal aus und mach’s hinterher." Talmer ging in sein Zimmer und legte sich auf sein Bett.

~

"Warum hilfst du mir nicht? Warum holst du mich nicht hier heraus?"
Vor ihm stand ein Mädchen mit meeresblauen Augen und langem, lockigem, blondem Haar.
Sie trug bloß ein seidenes blau-gelbes Kleid.
"Wer bist du? Ich kenne dich doch nicht einmal, aber bist du nicht das Mädchen, das immer nach Hilfe ruft? Wo warst du denn? Wie heißt du? Woher kommst du? Und warum sind hier denn keine Buchen und Lärchen?" Talmer starrte sie an.
"Alles zu seiner Zeit, Talmer, ich habe nicht mehr viel Zeit, also pass jetzt gut auf.
Ich bin in Ellesmarel, dem Land, das hinter dem Land hinter Jeroch liegt. Bitte komm und hilf mir, ich halte es nicht mehr lange aus." Das Mädchen sah plötzlich so ängstlich aus als ob es gleich von einem riesigen Ungeheuer aufgefressen würde. "Bitte, Talmer ..."
"Aber meine Schwester würde mich nicht gehen lassen, besonders nicht zu einem Menschen, den ich nicht einmal kenne, oder um es in ihren Worten auszudrücken: du bist NUR ein Albtraum. Also wie soll ich deiner Meinung nach meine Schwester überzeugen?"
Das Mädchen starrte ihn mit ihren tiefen blauen Augen an und fing an ein Lied zu singen:

"Dort wo der Honig fließt
ist eine Welt so farbenprächtig und schön.
Komm
 komm zu mir
Komm in meine Welt.
Dort wo der Honig fließt."

~

Als Talmer aufwachte war ihm klar, dass er sie finden müsse. 
"Ich muss sie finden! Aber welche Länder liegen hinter Jeroch?
Ich habe bis jetzt noch nichts von Ellesmarel gehört, wie soll ich also dort hin kommen?
Talmer verrichtete die Arbeit, die Elaya ihm aufgetragen hatte.
Als Talmer damit fertig war , ging er hinaus zu den Tieren, fütterte sie und mistete den Stall aus.
Am Abend kam Elaya nach Hause und Talmer wurde klar, dass er es ihr jetzt sagen müsse.
"Ich werde morgen aufbrechen", begang er seiner Schwester zu erzählen. "Ich möchte nach Ellesmarel aufbrechen, um das Mädchen zu retten."
"Aber..." begann Elaya.
"Nichts aber, entweder du kommst mit oder nicht. Ich reise bei Sonnenaufgang ab."
Talmer verließ das Zimmer mit geteilten Gedanken.
"Habe ich richtig gehandelt? Treibe ich meine Schwester so nicht in den Ruin? Egal, sie wird es verstehen müssen. Sie muss es einfach verstehen, es geht nicht anders. Ob ich will oder nicht."
Talmer setzte sich auf sein Bett und schaute in die unendliche Weite der Galaxie.
 

© Eddy
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Und schon geht's hier weiter zum 2. Kapitel: Reise mit Umwegen

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