Lonely Fire - die einsame Flamme des Friedens von Pascal32
Teil 1: Drakkon, Insel der Hoffnung
Kapitel 3: Wahrheit

3.1 Harmloses Spiel?

Die Zeit vergeht. Keiner der 39 Wesen weiß, was die Zukunft ihnen bringt. Ob Frieden oder wieder Krieg. Aber was noch viel quälender ist, ist zu wissen, dass irgendwo Farek auf seine zweite Chance lauert. Es war eine schreckliche Nacht. Auch wenn man es solchen riesigen Kreaturen nicht zutraut, so haben sie unbeschreibliche Angst.
Obwohl dieser Mann eigentlich nur ein normaler Mensch ist, so fürchtet sich jeder der Drachen vor ihm. Seine Entschlossenheit und seine Gier machen aus ihm eine schlimmere Bestie als ein Drache je sein könnte. Unglaublich, aber es ist wahr. Das schlimmste ist, dass keiner der Menschheit ihn als solches erkennt. Nein, in manchen Regionen ist er sogar ein gefeierter Held und Drachentöter. Farek wäre bei leibe nicht so gefährlich, wenn ihn nicht so viele Menschen unterstützen würden. Aber diese Leute sind dermaßen von diesem Menschen abhänig, wirtschaftlich und mental, dass es unmöglich ist, sie zu überzeugen. Und für Drachen ist es sowieso ein sinnloses Unterfangen.

Reykahn liegt oft nachts wach und überlegt, ob es für sie nicht doch eine Möglichkeit bietet, wie man mit diesen Leuten reden kann. Alle Versuche enden entweder mit einer Flucht oder mit einem Kampf.
Reykahn spricht leise: "Menschen sind so kompliziert!"
Jola, die neben ihm liegt, antwortet: "Ihr etwa nicht?"
Reykahn erwidert: "Hm! Zumindest kann man uns vertrauen. Wenn wir etwas behaupten, dann stimmt dies auch..."
Jola schaut Reykahn ernst in die Augen, darauf räuspert sich der kleine Drache und spricht verlegen weiter: "...Ähm... meistens...!"
Jola nickt bestätigend.

Zu Vorsay. Er streift durch das große Haus von Sir Defan. Er ist auf der Suche nach irgendwas, was ihm weiterhelfen könnte. Nichts! Diese Aktion ist für Vorsay keineswegs leicht. Immer wieder muss er sich daran erinnern wer hier lebte. Dieser Mann hatte sein Leben für ihn gegeben. War es ein Opfer, was auch notwendig war, oder war es schiere Verzweiflung? Ist die Zeit der Drachen doch um? Beim nächsten Mal wird Farek siegen, soviel ist gewiss. Diesmal würde kein Mensch auftauchen, der sich schützend vor Vorsay stellt. Langsam steigt Vorsay die Holztreppe in den zweiten Stock nach oben.
Unweigerlich kommt er ins Zimmer von dem kleinen Sohn von Defan. Dieser ist gerademal sieben Jahre alt. Der Junge kann noch nicht verstehen, dass sein Vater nie mehr zurückkommt. Das Kind schläft leise in seinem Bett. Vorsay streckt vorsichtig seinen Kopf in das Zimmer des Kindes. Noch immer klingen ihm die Worte in den Ohren, wie er es dem Kleinen erklärt hatte, wo denn sein Vater sei. Ein kleines Kind anzulügen ist mehr als schäbig, aber was hätte er tun sollen? Ihm sagen, dass sein Vater Anführer eines geheimen Ordens war und brutal von einem geisteskranken Menschen abgeschlachtet wurde? Nein, sowas widerstrebt Vorsay zu tun.
Als Vorsay seinen Blick weiter durch das Zimmer schweifen lässt, muss er feststellen, wie perfekt Defan seine Tarnung aufrecht erhalten hat. Man könnte echt meinen, der Mann wäre nie etwas anderes gewesen als ein einfacher Mensch. Selbst ihn, Vorsay, den Drachenkönig, hatte er getäuscht. Leise zieht sich Vorsay zurück.
Hinter der nächsten Tür ist Defans Zimmer. Er war mit einer Frau verheiratet, die allerdings ziemlich früh, nach Geburt des Kindes, an einer schweren Krankheit starb. Nun ist das Kind Vollwaise. Ein tragisches Schicksal. Langsam und ehrfurchstvoll betritt Vorsay den Raum. Wie auch in dem Zimmer des Kindes, weist hier ebenfalls nichts darauf hin, welches Doppelleben Defan führte. Vorsay wagt es nicht sich das Mobiliar näher anzusehen. Es wäre schlichtweg schändlich.
Aber irgendwas zieht ihn zu einer Holzkiste, die in der Ecke steht. In der Hoffnung, Defan möge ihm vergeben, versucht der Drache die Kiste zu öffnen, aber sie ist verschlossen. Selbst für einen Steppendrachen wäre das kein Problem, aber Vorsay kann es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren Defan's Nachlass zu beschädigen. Unverrichteter Dinge muss Vorsay gehen.

Draußen, vor dem Wohnhaus, schaut Vorsay in den sternenerleuchteten Himmel. Die Nacht ist klar und ruhig. Es herrscht eine harmonische Stille. Da kommt Karel, Vorsays Vertraute, um die Hausecke. Sie hat bereits nach dem Drachenkönig gesucht, weil er normalerweise in einem geschützeren Bereich des Dorfes bei seinen Leibwächtern schläft. Oder zumindest schlafen sollte!
Sie ruft überrascht: "Da seid Ihr! Wo war Ihr, mein König?"
Vorsay antwortet traurig: "Nichts besonderes!"
Sie entgegnet mitleidig: "Ihr... ihr wart erneut in diesem Haus...? Aber warum? Welche Antworten erhofft Ihr euch, wenn ihr fast jede Nacht dieses Gebäude aufsucht?"
Vorsay wirft einen kurzen Blick zurück zu dem Gebäude und antwortet dann leise: "Die Antwort auf die quälende Frage, die uns alle beschäftigt: 'Wieso?'!"
Karel erwidert, ohne auf die Worte von Vorsay zu achten: "Mich interessiert nur eines: Eure Sicherheit! Wie sollen wir euch vor Gefahr schützen, wenn ihr ständig diese Unternehmungen startet?"
Vorsay spricht zu Karel, mit einem leisen Kichern in der Stimme: "Dein Pflichtbewußtsein in Ehren, aber ich bin schon lange kein König mehr! Wir sind nur noch eine kleine Gruppe, daher muss jeder mindestens genausoviel leisten wie ich, und daher verdienen auch alle das Leben. Ist dir das nicht klar, Karel?"
Sie schüttelt heftig den Kopf und ruft: "Nein! Ihr seid unser König, und niemand kann daran etwas ändern! Ich habe es eurem Vater geschworen, seit Ihr dreizehn Jahre alt wart, Euch mit meinem Leben zu schützen! Und diesen Schwur werde ich halten, egal was mich das kosten wird!"
Vorsay schweigt und geht zurück zu seinem Schafplatz. Karel folgt ihm.

Vorsay geht selbst im Traum immer wieder diese Kiste durch den Kopf. Was mag da drin sein? Weshalb hatte er das Gefühl, dass ihn etwas dorthin ziehen wolle? War es vielleicht Defan? Zwar fürchten Drachen keine Geister, aber sie glauben fest an ein Leben nach dem Tod. Nicht so wie wir Menschen es tun, aber so ähnlich. Aber es gibt vorn und hinten keinen Sinn? WENN Defan Vorsay sowas wichtiges hätte sagen wollen, warum tat er es nicht? Er hätte in seinen letzten Atemzügen doch drauf hinweisen können. Zwar war das, was der Mann Vorsay gesagt hat, auch nicht unwichtig, aber eine mögliche Lösung dieser Problematik und das Überleben der Art der Drachen ist weitaus wichtiger, als dieses Zeug, von wegen "euer Vater" und so! Dennoch: Dieser letzte Satz: "Ihr werdet dich richtige Entscheidung treffen", muss eine zentrale Rolle spielen! Welche Entscheidung? Eine Entscheidung wohin sich Vorsay wenden muss? Oder gar die Entscheidung Farek zu besiegen?

Der nächste Morgen ist nebelverhangen. Eben weil es so ein dichter Nebel ist, dürfen sich die Kinder nicht aus der Stadt begeben. Das gilt sowohl für die menschlichen als auch für die drächischen. Also müssen die Kleinen innerhalb des Dorfes nach einer sinnvollen Beschäftigung suchen. Irgendwie kommt die Clique der zwölf Kinder (acht Menschen und vier Drachen) auf "Schatzsuche". Witzig, aber sollen sie doch. Also geistern die Zwölf quer durch die Stadt. Vorsay liegt immer noch an seinem Schlafplatz und philosofiert über die Lage.

Das Spiel der Kinder flaut bald ab, weil es an einem "Schatz" fehlt. Oder zumindest an etwas, was man wie einen Schatz behandeln könnte. Also müssen die verschiedesten Dinge herhalten, die nur entferntest wertvoll aussehen. Aber irgendwie ist nie das richtige dabei. Als schließlich der, etwas von der Gruppe ausgeschlossene, Junge von Defan zu Wort kommt und von derselben Kiste, die auch Vorsay so bedrückt, spricht, regt sich das Interesse der anderen.
Aber auch die Kinder scheitern an dem Schloss. Da fängt der kleine Junge bis über beide Ohren an zu lächeln. Er kennt den "Schlüssel", im wahrsten Sinne des Wortes. Sein Vater gab ihm vor langer Zeit einen goldenen Schlüssel mit der Bitte, ihn auf immer bei sich zu tragen. Allerdings hatte er nie eine Ahnung zu was dieser Schlüssel passte. Sein Vater verbot ihm jedoch diese Kiste anzurühren. Nachdem aber der Junge nicht weiß, dass sein Vater tot ist, sondern nur auf "unbestimmte Zeit verreist" ist, nutzt dieser die "Abwesenheit" seines Vaters um das Geheimnis zu lüften.
Der Schlüssel passt und der Riegel öffnet sich. Vorsichtig hebt der Junge den schweren Deckel an. Seine elf Freunde schauen ihm gebannt über die Schulter. In der Kiste befinden sich einige sehr merkwürdige Dinge. Darunter diverse Schriftrollen und Bücher. Ein kleiner Lederbeutel, der scheinbar gefüllt ist. Aber auch eine merkwürdige kleine Box. Sie ist schön und aufwendig verziert. Aber eines ist verwunderlich: Auf fast allen Gegenständen wie auch auf der Box ist ein merkwürdiges Symbol. Keiner, weder die Drachen- noch die Menschenkinder kennen dieses Symbol. Aber das wird uninteressant, als sie den Lederbeutel untersuchen und festellen, dass er mit glänzenden Juwelen gefüllt ist. Damit sind die Kinder glücklich. Der Junge vergisst die Kiste abzuschließen. Mit dem "Schatz" in der Hand marschiert die Clique gedankenlos wieder runter auf den Dorfplatz.

3.2 Neue Hoffnung

Karel vertritt sich dort etwas die Beine, weil jemand sie gerade von dem Wachposten bei Vorsay abgelöst hat. Als sie die Kinder mit den nicht gerade trivialen Edelsteinen sieht, wundert sie sich doch sehr. Eine Nachfrage scheitert bei kindischen Erklärungen, die für einen Erwachsenen einfach keinen Sinn ergeben. Aber eine Sache kann Karel rauserkennen: Die Kinder waren in dem Haus, wo Vorsay jede Nacht herumgeschlichen ist. Und er sprach oft über seine Besuche. Und nie hatte er was davon berichtet, dass dort Juwelen waren. Also untersucht sie selbst das Haus.
Als sie den Raum von Defan betritt und die offene Truhe sieht, steht für sie sofort fest was los ist. Vorsay hatte von einer Holztruhe gesprochen, die verschlossen war. Bei genauerer Betrachtung stellt Karel fest, dass eines der Kinder den Schlüssel haben muss, weil die Truhe nicht aufgebrochen wurde.
Neugierde ist zwar kein Charakterzug, für den Karel bekannt ist, aber dennoch folgt sie ihrer. Aber, anders als die Kinder, erschrickt sie vor dem Symbol, womit die Kinder nichts anfangen konnten. Es war das alte Symbol der Drachen. Es existiert nur noch als Erzählung und Legende. Seit 50 Jahren wurde dieses Symbol systematisch mit den Drachen aus den Schriften und dem Gedächtnis der Menschen von Zerran verdrängt. Selbst von den Drachen kennen nur noch wenige die Bedeutung des Zeichens.
Ganz fasziniert durchwühlt sie den Inhalt der Kiste. Defan konnte kein Hochstapler sein, wie sie anfangs dachte. Zuviele Ungereimtheiten ergaben sich in ihren Augen. Aber nun ist alles klar! Dieser Mann erhielt die letzten Erinnerungen der alten Allianz. Als Karel eines dieser alten und verstaubten Bücher durchblättert, stößt sie auf Geschichten und Erzählungen über fremde Länder, geheimnisvolle Ereignisse und vergessene Relikte. Vorsay's Vorahnungen ergeben plötzlich einen Sinn! Nie hatte sie ihm richtig geglaubt. Obwohl sie loyal zu ihrem König stand, war sie überzeugt, dass Vorsay etwas... na ja... "irre" ist. Jede neue Seite ist fantastischer als die vorhergehende. Sie blickt in Zeiten von vor über 150 Jahren.
Verwirrt legt sie 30 Minuten später das Buch aus der Klaue. Dann fällt ihr Blick auf diese mysteriöse Box. Vorsichtig nimmt sie sie. Schönes Teil. Aber öffnen lässt sich das Ding nicht, obwohl sie kein Schloss oder Riegel hat. Auch Karel merkt, dass der Inhalt von großer Bedeutung sein muss. Unabhänig davon muss sie sofort Vorsay die Nachricht von ihrer Entdeckung berichten.

Ausser puste tritt sie vor ihren König. Der ist ziemlich überrascht, weil Karel normalerweise sehr ausgeglichen ist.
Sie stottert und hustet aufgeregt: "Mein König! Ich... ich... da oben... bei... Sir Defan... Kiste... offen... Geheimnis!"
Obwohl es sich unheimlich komisch anhört, versteht Vorsay sofort und sprintet los zu Defans Haus. Karel holt tief Luft und rennt hinterher.
Wieder in dem besagten Raum, zeigt sich Vorsay ebenfalls überrascht und fasziniert. Die Lösung ist zum Greifen nah! Über zwei Stunden durchforstet Vorsay die Bücher und Schriften. Er stößt auf die gleichen Fakten wie seine Vertraute.
Sie steht ungeduldig neben ihrem König und fragt neugierig: "Und? Was bedeutet das alles?"
Vorsay stützt sich, über die Kiste gebeugt, mit beiden Vorderklauen an den Seitenwänden der Kiste ab und sagt, ohne den Kopf zu Karel zu wenden: "Unsere Vergangenheit, und vielleicht unsere Zukunft! Da bin ich mir sicher! Es wird etwas dauern, aber unser Schicksal wird sich bald klären..."
Vorsay wendet ernst seinen Kopf zu ihr und fragt sie: "Ähm... Karel... eine Sache würde mich dennoch interessieren: Hast du die Kiste geöffnet, wenn ja wie?"
Sie erschrickt sich, weil sie dem ernsten Unterton einen schweren Vorwurf entnehmen kann.
Sie erwidert: "N...nein! Ich war's nicht! Ich glaube, die Kinder haben es getan. Wie, weiss ich nicht! Aber ich vermute, dass eines der Kinder einen Schlüssel haben muss, weil die Kiste nicht aufgebrochen wurde!"
Vorsay wirft einen kritischen Blick zu dem Schloss der Kiste. Tatsächlich! Es ist unversehrt.
Vorsay überlegt kurz, dann ruft er zu Karel in Befehlston: "Dann hol' mir doch unsere zwölf Racker her!"
Sie läuft sofort runter und trommelt die "Kinderschaft" zusammen. Nur widerwillig unterbrechen die Kinder das Spiel, aber als sie hören, dass Vorsay sie sprechen will, zeigen sich zumindest die vier Drachenkinder kooperativer.

Kurz darauf stehen die Zwölf vor dem Drachenkönig. Vorsay geht schweigend und mit ernster Mine vor den Zwölf auf und ab.
Dann bleibt er stehen und spricht zu den Zwölf: "Also! Ich will nur eines wissen: WER hat das getan?"
Vorsay deutet mit seiner linken Klaue auf die offene Kiste. Wie sich Kinder nunmal verhalten und der Schwächste der Gruppe auch der "Schuldige" ist, wird dieser etwas unsanft, von zwei Kindkollegen, nach vorne gestoßen. Mit einem lauteren Gepolter landet der Siebenjährige vor den Füßen von Vorsay.
Eines der Menschenkinder ruft laut: "ER! Er war's! Es war nur seine Idee!"
Reykahn, der von diesem schäbigen Verhalten angewidert wird, wie auch seine drei Kind- und Artkameraden, ruft zu den zwei "Verrätern": "Dass ihr euch nicht schämt...!"
Karel beugt sich über den Schreihals, der den Jungen verraten hat und sagt leise: "Aber wirklich! Einen Freund verraten... Tz, tz, tz!"
Vorsay ruft laut zu allen: "RUHE!", dann schaut er zu den kleinen Jungen, der noch auf dem Boden liegt, und fragt etwas besorgt: "Alles in Ordnung?"
Das Kind steht mit Tränen in den Augen auf. Es tat ziemlich weh.
Vorsay beugt sich liebevoll zu dem Kind runter und sagt mitfühlend: "Hey, hey! War doch nicht so wild, hm?"
Der Junge antwortet leise und schniefend: "Es tat aber weh...!"
Vorsay schaut auf zu den anderen. Streng ruft er zu ihnen: "Ihr könnt gehen!"
Karel fügt hinzu, nachdem die anderen nur verwundert zu Vorsay starren: "Na los! Hopp! Worauf wartet ihr?"
Etwas widerwillig müssen sich die Elf von Karel rausschieben lassen.

Zurück bleiben Vorsay und der kleine Junge. Dieser fragt vorsichtig, was denn Vorsay mit ihm vorhat.
Vorsay spricht sanft: "Keine Angst, es war nicht böse, was du getan hast. Im Gegenteil: Du hast mir einen großen Gefallen getan. Aber würdest du mir verraten, wie du die Kiste aufgemacht hast? Hast du einen Schlüssel, oder so?"
Zaghaft holt der Junge den goldenen Schlüssel raus, den er mit einer Schnur um den Hals trägt. Der Junge erklärt dazu: "Mein Vater hat ihn mir gegeben. Ich sollte ihn für immer bewahren... Aber was bedeutet das alles?"
Vorsay richtet sich auf und schaut zu der offenen Truhe rüber, dabei spricht er zweifelnd: "Das, mein Junge, weiss ich selbst noch nicht. Aber bald wissen wir es!"
Vorsay schaut wieder zu dem Jungen und fragt ihn: "Darf ich ihn kurz 'mal haben? Nur ganz kurz!"
Der Junge streift die Schnur von seinem Hals über den Kopf ab und händigt Schlüssel mitsamt Band Vorsay aus. Dieser betrachtet die Beschaffenheit des Schlüssels genau.
Vorsay spricht leise: "Wie ich mir dachte: Auf diesem Schlüssel ist auch das Symbol des Goldenen Sterns!"
Der Junge: "Hä?"
Vorsay antwortet, während er den Schlüssel zurückgibt: "Dieser Schlüssel ist was ganz besonderes! Dein Vater hat ein großes Geheimnis bewahrt und dieser Schlüssel, den er dir anvertraut hat, ist nötig dieses Geheimnis zu lüften."
Der Junge fragt verwirrt: "Welches Geheimnis?"
Vorsay lächelt und antwortet: "Es ist schwer zu erklären, aber vertrau' mir wenn ich sage: Es könnte unser aller Leben beeinflussen! Du kannst jetzt wieder zu deinen Freunden gehen!"
Fröhlich lächelnd rennt der Kleine runter zu seinen Kameraden, da er nun weiß, dass er was besonderes ist.
Während er so rennt, rempelt er fast Karel an, die wieder zu Vorsay zurückkehrt. Vorsay schaut zu ihr auf, als sie wieder den Raum betritt. Sie hat den Beutel mit den Juwelen dabei. Man weiss ja nie.

3.3 Artefakte & Ereignisse

Die Zeit vergeht. Vorsay verbringt jeden Tag damit sich durch die Bücher und Schriften zu wälzen. Die Vergangenheit seiner Art und Geheimnisse der Ereignisse liegen aufgeschlüsselt vor ihm. Aber immer wieder gibt es Ungereimtheiten. Es ist die Rede von fünf Artefakten, die vor Hunderten von Jahren geschaffen wurden. Und zwar von einem Menschen und einem drachen-ähnlichen Wesen. Diese beiden nutzten diese Relikte um einen Dämon von Zerran zu verbannen. Danach verschwanden diese fünf Relikte vom Erdboden. Vorsay möchte noch mehr über diese fünf Gegenstände rausfinden, aber sie wurden nie näher beschrieben. Aber zu den beiden Helden wird vieles beschrieben. Immer wieder ist von einem goldenen Licht die Rede, als die beiden auftraten. Eine mysteröse Aura, die Vorsay nicht erklären kann. Und dieser Drache... es war kein Königsdrache. Nein, es war eine andere Kreatur.
Vorsay spricht leise und ratlos: "Es gibt keinen Sinn!"
Erneut geht der Drachenkönig zurück zu der Truhe. Er hatte alles durchgeschaut, sie ist leer. Warte! Nein! Da ist noch was! Unter einer alten, staubigen Wolldecke verbirgt sich eine weitere Schriftrolle. Als Vorsay sie auf dem Tisch ausbreitet, stellt er fest, dass es eine Landkarte ist. Es ist alles drauf! Drakkon, das Land Nirad, wo sie sich momentan befanden, und viele weitere Orte. Auf der Karte sind viele handschriftliche Ergänzungen. Aber es sind nur merkwürdige Symbole, die Vorsay nicht kennt. Es bringt ihn nicht weiter.
Dann fällt sein Blick wieder auf diese Box, die man nicht öffnen kann. Erneut nimmt er die Box und begutachtet sie von allen Seiten. Da drin klappert etwas. Was mag da drin sein? Fragen über Fragen. Zwar hat Vorsay viele Antworten gefunden, aber dafür dutzende von neuen Fragen ausgegraben.
Als Vorsay die Box wieder auf den Tisch legt, fällt ihm ein kleines Buch runter. Es ist eine Art Tagebuch von Defan. Vorsay hatte es nicht genauer gelesen, da es, zumindest am Anfang, nicht sehr interessant war. Er wollte es nochmal später genauer durchlesen. Aber als es auf den Boden aufkommt, fällt es so auf die Kante, dass es sich etwa in der Mitte aufschlägt. Als Vorsay sich bückt und das Buch wieder aufheben und schließen möchte, stolpert er über einige Begriffe, die ihn aus vielen Geschichten bekannt vorkommen, darunter "die fünf Relikte"! Sofort liest Vorsay weiter. Bis tief in die Nacht, als er zu folgendem Kapitel kommt:
"13. Dezember 994
Unsere Suche ist beendet! Mit diesen fünf Artefakten können wir es schaffen dieser Welt wieder ihren Frieden zurückzugeben.
Lord Farek wird bald für seine Bluttaten bereuen. Es beschämt mich, dass er und ich beide Menschen sind.
Wenn wir zurück nach Drakkon kommen, können Garok und ich endlich gegen diesen Mann vorgehen.
Ehrlich gesagt: Ich finde es komisch, dass meine Leute meinen, ICH sei der Nachfahre dieses Helden, und Garok der des Drachens.
Dabei ist er doch ein Königsdrache, und diese legendäre Kreatur, was weiss ich!
Ich hoffe nur, dass es kein Fehler ist..."
Später in dem Tagebuch:
"5. Februar 995
Als wir auf Drakkon ankamen, bot sich uns ein schreckliches Bild! König Garok ist tot! Unsere Hoffnung ist versiegt!
Wir blieben nicht lange. Wenn er fort ist, ist unsere Mission zum Scheitern verdammt!
Jetzt haben wir die Rettung, aber unser Retter ist tot.
Trotzdem dürfen wir jetzt nicht in Trauer verfallen. Garok's Sohn, Vorsay, ist unsere einzige Hoffnung.
Zwar ist er erst vierzehn Jahre alt, aber wir müssen auf ihn bauen.
Nur eine Frage bereitet mir Sorge: Wer wird dann der Held sein, der mit ihm Lord Farek stürzt?
Ich ordnete an, die fünf Artefakte wieder zu verstecken. Allerdings behielt ich zwei der fünf. Ich habe auch eine Karte angefertigt, auf der ich die drei Verstecke eingezeichnet habe. Ich werde sie mit meinem Leben schützen..."
Ende des Buches. Vorsay schlägt es fasziniert zu. Das löst einige Fragen, aber nicht alle. Vorsay kann mit den Symbolen einfach nichts anfangen. Nein, halt! Da ist was! Zwei der Symbole zeigen genau auf diese Region, wo die Stadt ist. Aber was sind die beiden Relikte?
Dann durchzuckt es Vorsay auf einmal! In seinem Kopf erscheinen die Bilder vergangener Tage. Er hatte Defan früher schonmal gesehen, und ihn dann nur vergessen! Plötzlich erinnert er sich an den Tag, als sein Vater starb. Daher kennt er auch Defans leuchtendes Schwert. Es muss eines dieser fünf Relikte sein! Nur was ist das zweite? Vorsay schielt zu der komischen Box und vermutet, dass da 'Nummer zwei' drin ist.
Die drei anderen Symbole deuten in Regionen, die abseits der Küste von Nirad liegen. Aber noch ist Vorsay zu unsicher, ob er der Story hier vertrauen kann. Es klingt einfach alles so... fantastisch! Gäbe es doch noch jemandem, der etwas über diese Zeit wüsste...!

Da klopft es an der Tür. Es ist mitten in der Nacht!
Verwundert über diesen Besucher ruft Vorsay: "Wer ist da?"
Antwort von draussen: "Ich bin es, mein König, Karel!"
Er bittet sie rein. Sie macht sich Sorgen um Vorsay. Er verbringt zuviel Zeit mit diesen Büchern. Die beiden unterhalten sich über diese Geschichte, denn Karel weiß auch viel über diese Zeit, als Vorsay noch klein war. Sie konnte nicht verstehen was das alles bedeutete. Und ihr wurde verboten weiter nachzufragen. Allerdings verschweigt Vorsay ihr die Sachen über diese fünf Artefakte. Solange er nicht sicher ist, woran er ist, möchte er keine anderen einweihen. Nicht dass Abenteuerlustige auf die Idee kommen, selbst nach diesen Dingen zu suchen. Am Ende der Diskussion befolgt Vorsay den Rat von Karel schlafen zu gehen.

Am nächsten Morgen. Vorsay erholt sich von den Nachforschungen. Heute will er nur entspannen. Zudem verspricht er sich keine weiteren Erkenntnisse, sondern gegebenenfalls nur weitere Fragen. Da bemerkt er Takex, Reykahn's und Minkate's Großvater, und außerdem Gruppenältester.
Vorsay ruft zu diesem rüber: "Takex! Warte!"
Damit rennt Vorsay zu dem erstaunten Drachen rüber. Erneut muss Karel hinterherhecheln, weil sie von dieser Aktion eiskalt erwischt wurde.
Takex verneigt sich, wie es sich gehört, aber Vorsay erwidert: "Nicht doch, mein Freund! Ich habe eine Frage an dich!"
Takex antwortet irritiert: "An mich? Welche denn?"
Vorsay spricht weiter: "Ich weiß nicht, ob du mir weiterhelfen kannst, aber aufgrund deiner Erfahrung erhoffe ich mir Gewissheit. Gibt oder gab es jemandem, der die Erlebnisse von vor 50 Jahren erlebt hat, aber heute noch lebt, und uns möglicherweise freundlich gesonnen ist?"
Takex bekommt große Augen und überlegt laut: "Das überrascht mich ein wenig...! Hmm... Auf Anhieb fällt mir nichts ein..."
Vorsay erwidert enttäuscht: "In Ordnung, war nur eine Frage! Trotzdem danke!"
Gerade will er gehen, da ruft Takex laut: "Nein, wartet! Da gab es jemanden! Einen Menschen... aber ein ziemlich Verrückter!"
Takex beginnt sichtlich schwer nachzudenken und murmelt dabei: "Mir fällt der Name gleich ein... wartet... Fa... Fe... Fil... nein... Fel..."
Dann ruft er laut: "FELEI! So hieß dieser Trottel!"
Vorsay fragt verwundert: "Wieso nennst du ihn so?"
Takex meint: "Er wurde verlacht, weil er so irre Thesen über uns, die Menschen und über alles aufgestellt hat. Ein schräger Vogel. Dabei, wenn ich es mir genauer überlege, bin ich mir gar nicht sicher, ob er noch lebt..."
Vorsay fragt zurück: "Immerhin eine Spur! Wo lebt er?"
Takex antwortet: "Er ist ein Eremit, der irgendwo in dem 'Einsamen Wald' lebt. Dieser Wald ist aber sehr unheimlich."
Vorsay richtet sich stolz auf und ruft entschlossen: "Unheimlich hin oder her! Wir müssen da hin! Wenn er etwas weiß, ist es das Risiko wert!"
Karel fragt unsicher: "WIR? Wer ist 'wir'?"
Vorsay antwortet zu Karel: "Takex, du und ich!"
Karel stottert geschockt: "Wa... wa... was?"
Vorsay fragt kichernd nach: "Auf einmal unschlüssig?"
Takex meint dazu: "Aber ist das nötig? Währen da nicht jüngere..."
Vorsay unterbricht Takex: "Nicht doch! Ich brauche Eure Erfahrung!"
Karel fragt Vorsay: "Aber warum nur wir Drei?"
Vorsay antwortet: "Ganz einfach: Wenn wir mehr sind, erregen wir gewiss mehr Aufmerksamkeit. Das möchte ich vermeiden!"
Vorsay fährt in Befehlston fort: "Karel! Ich möchte, dass du die entsprechenden Vorbereitungen triffst! Morgen bei Sonnenaufgang starten wir!"
Damit geht Vorsay. Karel bleibt fassungslos stehen. Sie stammelt: "D... der kann doch nicht..."
Takex spricht lächelnd: "Oh doch! Er kann! Und, wie du unschwer erkennst, tut er's auch!"
Kichernd geht Takex. Reykahn und Mikate gegenüber deutet Takex nur "die Mission" an. Nicht dass hier Sorgen, oder so, entstehen.

Am besagten Morgen starten die drei Drachen in Richtung Nordwesten. Takex führt die anderen an. Karel stehen die Unsicherheit und die Sorgen ins Gesicht geschrieben, zudem wurde sie von Vorsay abkommandiert einen Sack mit Vorräten für die Reise mitzunehmen. Der Grund dafür ist, dass die Drei nicht wissen, ob sie Nahrung finden werden und wenn, ob es ausreicht. Also muss die Arme von nun an ständig einen nicht gerade leichten Ballast mit sich rumschleppen. Aber da sie erst 24 Jahre alt und nicht gerade schwach ist, sollte das doch kein Problem sein. Vorsay hat für sich einen kleinen Beutel mit ein paar der wichtigsten Bücher und Schriftrollen dabei.
 

Vor Verwendung dieser Autoren-EMail-Adresse bitte das unmittelbar am @ angrenzende "NO" und "SPAM" entfernen!
Es gibt auch eine Übersichtskarte der Inseln Nirad und Drakkon (neues Fenster)


Und schon geht es weiter zum 4. Kapitel: Gespensterhochland (1. Teil)

.
www.drachental.de