The Neverending Tale von Christopher Batke
Prolog

Ein Donnerschlag folgte auf den nächsten, jeder ohrenbetäubender als der vorherige und gepaart mit so grellen Blitzen, dass die Nacht zum Tage wurde. Dieser Sturm war feindselig. Mit seinen unnatürlich starken Windböen peitschte er die See voran, meterhohe Wellen türmten sich auf und schlugen mit so einer gewaltigen Wucht auf das Schiff ein, dass es jeden Moment zu zerbersten drohte. Sie mussten sich jetzt im Zentrum dieses gewaltigen Ungetümes befinden. Jeder Versuch das Unwetter zu umschiffen war zum Scheitern verurteilt. Es schien fast so, als ob sie von dieser finsteren Wolkenwand überall hin verfolgen würden, mit dem einzigen Ziel sie und das Schiff zu verschlingen und mit aller Macht zu zerstören. Der Regen prasselte unaufhaltsam gegen die Fensterscheiben. Durch den starken Seegang war es fast unmöglich, das Gleichgewicht zu halten. Doch der eiserne Wille, seine Männer draußen im Kampf gegen das Unwetter zu unterstützen, ebnete ihm den Weg ins Freie. Binnen weniger Sekunden nach Öffnen der Türe war er vom strömenden Regen bis auf die Haut durchnässt. Er versuchte, die Kälte zu ignorieren und hielt Ausschau nach Quirnk. Überall rutschten Männer über Deck hin und her, einige klammerten sich erfolgreich an Stricke und die verankerten Kanonen. Plötzlich donnerte es ein weiteres Mal. Hier draußen war der Lärm sogar unerträglich, so dass man befürchten musste taub zu werden. Im selben Moment schnellte ein weiterer Blitz aus den finsteren Wolken, doch diesmal traf er das Schiff. Ein Mast fing sofort Feuer, welches jedoch kurz danach vom Regen wieder gelöscht wurde.

"Weg vom Mast, schnell!", brüllte er lauthals in Richtung der Männer, die sich in der Nähe dieses Masten befanden. Doch wahrscheinlich konnten sie ihn sowieso nicht hören. Ein lautes Knarren und Knacken war zu vernehmen, woraufhin das obere Drittel des Masts fast in Zeitlupe herunter zu stürzen drohte. So schnell es ihm möglich war, stürzte er zum Ende des Masten, um die Männer von der Gefahrenstelle zu scheuchen. Doch eine weitere auf das Schiff einstürzende Monsterwelle brachte ihn zu Fall und schleuderte ihn beinahe Steuerbord ins Wasser. Als der alte Mann wieder Sicht auf den Mast hatte, war dieser bereits abgebrochen und auf seinen Männern gelandet. Verzweiflung überkam ihn.

Wie sollen wir dieses Unwetter jemals überleben?

Hinter sich im Wasser konnte er einige dunkle Gestalten ausmachen, die in den Fluten um ihr Leben kämpften. Dann blickte er weiter gen Horizont. Er wischte sich das Wasser aus dem Gesicht und Kniff die Augen zusammen. Dann wurde ihm schlagartig klar, was da auf das Schiff zu kam. Seine Kinnlade fuhr herunter und sein Blick zeugte von purem Entsetzen.

Allmächtige, steht uns bei...

Er schloss die Augen für wenige Sekunden und blickte dann ein letztes Mal auf das anrollende Ungetüm. Diese Welle überstieg die Vorstellungskraft eines jeden Lebewesens. Sie würde das Schiff samt Besatzung wie ein Sandkorn verschlucken. Nichts würde übrig bleiben. Alle seine Männer würden in Kürze ihren Tod finden. Ein weiteres Mal schloss er die Augen und widmetete ein letztes Gebet den Seelen der Mannschaft. Dann nahm er seine Halskette unter dem Hemd hervor und schenkte der daran hängenden Brosche einen sanften Kuss.

Verzeiht mir, dass ich Euch schon so früh verlasse.

Die Welle erreichte das Schiff und das Brausen des Meeres übertönte nun alles andere. Mit Ehrfurcht richtete er seinen Blick in den Himmel, der den Wassermassen wich. Beim Aufprall wurde das Schiff in tausende Einzelteile zerborsten. Die Kraft war so verheerend, dass er sofort sein Bewusstsein verlor.
 

© Christopher Batke
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