Wo ein Schuh zur Plage wurde von den Twin-Sisters
Kapitel 10: Apachenpub

Nemo schlürfte seine Cola aus. Er hoffte, dass die E-Mail ihre Wirkung erzielte und Hilfe unterwegs war. Fallas war ein kleiner und schäbiger Ort. Die schwule Taverne: Apachenpub, bot dem Papagei Schutz. Aberhatschi, der Besitzer der Taverne, hatte ihn völlig erschöpft auf der Straße aufgelesen und in seinen Pub gebracht, wo Nemo eine Mail an König Heleos geschickt hatte. Aberhatschi, gekleidet in einen pinken Ledermini und einem weit ausgeschnittenen Spaghettiträgertop, trat an Nemos Tisch heran.
"Na, mein Guter? Ist die Aufregung wieder weg?", fragte er mit schwuler Stimme, die schwarzen Indianerzöpfe über die Schultern werfend.
"Ich kann mich nicht beklagen. Das Koffein wirkt Wunder, obwohl die Wirkung eigentlich ins Gegenteil umschlagen müsste...", antwortete Nemo.
Aberhatschi lächelte. "Tja, das ist bei mir und meinem Bruder Tintenratsch eben so. Der Kamillentee heizt auf und die Cola beruhigt... noch ein Drink?"
"Nur eine halbe Bloody Mary, mit Strohhalm, danke!"
Aberhatschi verschwand hinter die rosa Getränkebar. "Soll ich`s a bissel auflockern?"
"Womit?"
"Musik!"
"Ach so, ich dachte schon du meinst den Drink!"
"Maestro!" Aberhatschi machte eine Ballet-ähnliche Verbeugung vor der knallpinken Stereoanlage. Eine sanfte jungenhafte Männerstimme begann zu singen.
"Ist der Borlando... ich schwärm für ihn.", erklärte Aberhatschi und drehte lauter.
Aus den Boxen dröhnte der Sound des Lieds: "All you need is Oom".
"Da!" Aberhatschi stellte aus einer gekonnten Pirouette das Glas vor Nemo auf den Tisch.
Nemo dankte. "Schade dass Tintenratsch einkaufen ist.", seufzte Aberhatschi und fuhr sich durch die schwarzen Haare.
"Das hätte er zu gern mit angesehen."
"Was?"
Aberhatschi wies mit seinem manikürten Zeigefinger auf den Wandfernseher. "Oom im Fernseher, Live!"
Tatsächlich war der grazile Elb auf dem Bildschirm zu sehen. "...möchten Ihnen nun das neuste und größte Talent der Musikszene vorstellen, den Sie sicherlich aber schon aus den Radios vernommen haben.", beendete der Moderator einen Satz, dessen Anfang Aberhatschi und Nemo schon nicht mehr gehört hatten.
Augenblicklich stellte der Indianer die Musik aus und lauschte andächtig dem Klang der Stimme Borlandos, der auf die Frage des Moderators, was sein Lieblingsgericht sei, antwortete: "Völlig klar: Albaerücken paniert mit Preiselbeersouffle in Weinsoße."
"So etwas bekommt er doch in keinem Feinschmeckerrestaurant. Das ist glatter Völkermord, Kannibalismus!", fuhr einer der anderen Gäste auf.
Aberhatschi zuckte mit den Schultern: "Ich beschwer mich doch auch nicht darüber, dass ihr Geschmack violett pink vorzieht, oder?"
Der Gast verstummte. Die Tür der Taverne wurde aufgestoßen. Ein grünhäutiger Hüne stürmte hinein, seine roten Augen hinter einer schwarzen Sonnenbrille verborgen.
"Wo ist dieser Nemo?", brüllte er.
Aberhatschi sah den Ork vorwurfsvoll an. "Jetzt kommen`s sogar schon mit Dreckstiefeln auf meinen schön geputzten Teppichboden!"
"Sind Sie Nemo?"
"Aber ich bitte doch, mein Herr, sehen sie nicht, dass ich kein Vogel bin? Außerdem habe ich der Männlichkeit schon seit längerem abgeschworen."
Krushnak, der Ork, fuhr überrascht zusammen. "Aberhatschi?"
"Wer sonst, oder gibt es außer mir hier noch einen gutaussehenden Apachen?"
Krushnak schüttelte den Kopf, wobei er damit nicht Aberhatschis Frage zu beantworten beabsichtigte. "Ich vergesse unsere Beziehung doch nicht, die wir einst hatten.", meinte er.
"Das war, bevor ich Eunuch wurde, mein Lieber!", versuchte Aberhatschi sich aus der Sache herauszureden.
Nemo kam angeflattert. "Ich bin Nemo. Kann's losgehen?"
Krushnak nickte.
"Wo geht’s denn hin, ihr beiden?", wollte Aberhatschi interessiert wissen.
"Da mein Motorrad den Geist aufgegeben hat, sind wir zu einem unauffälligen Weg gezwungen! Aus diesem Grund gehen wir über den Pass der drei Schluchten nach Rosenbusch.", informierte Krushnak.
"Und warum hast du dir abgewöhnt schwul zu sein?", fragte Aberhatschi weiter.
Krushnak stöhnte. "Vor dem Papagei? Also schön, ich bin es leid gewesen, zur gleichen Gruppe Mann wie Schnagburtz, meinem Lover, zu gehören, und wollte ihm erst recht nicht vermitteln, dass er bei mir eine Chance hätte.", nahm den Papagei und verließ das Haus, bemerkte aus den Augenwinkeln aber noch die Kusshand, die der Eunuch ihm hinterher warf.
 
© Twin-Sisters
Vor Verwendung dieser Autoren-EMail-Adresse bitte das unmittelbar am @ angrenzende "NO" und "SPAM" entfernen!
Von dem seltsamen Land "Schuh" gibt es auch eine Karte (neues Fenster).


Und schon geht es weiter zum 11. Kapitel: "Die Kehrseite eines Eunuch"

.
www.drachental.de