Herrin der Schattengreife von Dragonmaid
3. Kapitel: Takus Auftrag

In ihrer schwarzen Festung saß Esmira, die Herrin der Schattengreife, auf ihrem reich verzierten Thron und wartete ungeduldig auf die Rückkehr Takus, ihres Boten. Es war nun schon zwei Monate her, seit sie ihn ausgeschickt hatte. Neben dem Thron standen zwei kleine Gestalten, die die Kapuzen ihrer Umhänge tief ins Gesicht gezogen hatten.
Der Thronsaal hatte zwei große Fenster, und eine Tür, ganz aus Glas, führte auf einen Balkon hinaus. Draußen stürmte es schon seit Tagen. Schnee türmte sich auf dem Balkon und noch immer schneite es ununterbrochen. Doch das war nichts ungewöhnliches, hier, jenseits des Eisgebirges. Nur selten kam die Sonne durch die dicke Wolkenschicht am Himmel und auch dann war sie nicht stark genug um die Schneemassen zu vertreiben.
Obwohl es draußen eisig kalt war und der Wind um die Festung pfiff, war es im Saal angenehm warm. Der Raum wurde, genau wie der Rest der Burg, durch ein unter dem Boden angebrachtes Heizsystem gewärmt. Tief unten im Kerker der Feste in einem Raum, brannte ein riesiges Feuer. Der warme Rauch stieg in Schächten auf und verteilte sich in den Zwischenräumen des Fußbodens. Im Raum selber war es so heiß, dass sich kein lebendes Wesen dort aufhalten konnte und das brauchte es auch nicht. Denn das Feuer war nicht von natürlichem Ursprung. Esmira selbst hatte es mit Hilfe ihrer Magie erschaffen und so würde es niemals erlöschen.
Esmira trommelte ungeduldig mit den Fingern auf die Armlehne des Thrones. Endlich hörte sie das Rauschen riesiger Schwingen und ein junger Schattengreif landete auf dem Balkon. Wie alle Schattengreife bestand er, äußerlich, nicht aus Fleisch und Blut, sondern sah eher aus, als hätte man ein paar Tonnen der schwärzesten Schatten genommen und ihnen eine Form gegeben.
Die Tür sprang wie von selbst auf und begleitet von einem eisigen Windstoß und Schnee kam der Greif in den Saal. Hinter ihm schloss sich die Tür wieder und sofort schmolz der Schnee und hinterließ eine große Pfütze auf dem Boden, die jedoch gleich darauf verschwand.
"Willkommen zurück, Taku", begrüßte Esmira den Greif, "und gibt es etwas Neues?" Der Greif, obwohl jung hatte er die Größe eines kleinen Elefanten, schaute sie mit seinen roten Augen an und schüttelte den Kopf. Sofort war Esmiras Stimmung auf dem Nullpunkt angelangt. "Ihr seid echt zu nichts zu gebrauchen", fauchte sie Taku an, "wie lange soll ich denn noch warten?" Daraufhin machte Taku eine Bewegung, die wohl ein Schulterzucken sein sollte. "Scher dich fort", schrie Esmira und ihre Augen blitzten wütend, "ich werde alle zurückholen, es hat ja eh keinen Sinn. Aber du wirst sie finden! Und sollte das nicht innerhalb sechs Monaten geschehen sein, wird dies dein Ende sein! Verstanden?" Taku zuckte leicht zusammen, nickte dann mit dem Kopf und ging zur Tür. Da hatte er sich ja was eingebrockt. Wenn hundert Schattengreife sie in sechzehn Jahren nicht gefunden hatten, wie sollte er es in sechs Monaten schaffen?
Nachdem Taku davon geflogen war, keifte Esmira die beiden Gestalten, die immer noch neben ihrem Thron standen, an, sie sollen auf der Stelle Boten ausschicken, die die anderen Greife zurückholen sollen. Sofort liefen die Beiden aus dem Saal und ließen Esmira mit ihrem Zorn allein.
 
© Dragonmaid
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Und schon geht's weiter zum 4. Kapitel: Der Traum

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