Dämonenwut von Angel Taja
Kapitel 1: Der Aufbruch (3)

Andros, Yacon, Tiarra und Taja ritten in einem schnellen Galopp durch die weiten Wiesen und Felder, welches um ihr Lager herum lag. Sie ritten endlos scheinende Stunden immer Richtung Norden. Allen vier war es nicht leicht gefallen, das Lager hinter sich zu lassen. Vor allem Taja hatte meist den Blick gesenkt, damit man die Tränen, die sich den Weg über ihr Gesicht bahnten, nicht sah. Sie hatte zum zweiten mal eine Art Familie verloren. Nein, für sie war der Ritt zum Schloss mit Abstand der schlimmste. Allerdings kämpfte sie immer wieder gegen ihre Tränen an, doch leider schaffte sie es nicht immer sie zurück zu halten. Die mitleidigen Blicke ihrer Freunde wollte sie nicht auch noch auf sich ziehen. Wann waren sie denn endlich da? Sie wollte einen Platz, wo sie alleine war, wo sie ihrer Tränen freien Lauf lassen konnte. Doch ihre Reise schien kein Ende nehmen zu wollen, denn es war schon stockdunkel. Einige Ritter hatten Fackeln entzündet und versuchten den Weg etwas besser zu beleuchten. Die Dunkelheit kam Taja sichtlich gelegen, denn so sah man nicht ihre verweinten Augen. Dieses verdammte Schloss, wann kam es denn endlich in Sichtweite? Ihre Reise dauerte an und Tiarra fragte sich schon langsam, ob sie auf den Pferden übernachten sollen. Sie ritt die ganze Zeit neben Sir Niclas.
"Kleine Frage. Werden wir heute Nacht auf den Pferden schlafen, oder gibt es noch eine Rast?", fragte sie dann.
"Weder noch. Wir reiten weiter, das ist eure erste Hürde. Du bist doch nicht etwa schon müde?"
"Nicht müde, aber mein Hintern tut weh!"
"Tja, an so was musst du dich gewöhnen. Solltest du Leibwache werden, sind deine Tage immer recht lang. Aber keine Sorge, wenn wir das Tempo beibehalten, sind wir morgen früh da", erklärte er.
"Na das sind ja Aussichten!", seufzte sie.
"So schlimm ist es auch wieder nicht, wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat."
"Sag mal, was quasselst du mich eigentlich so zu?"
"Du fängst halt an mir sympathisch zu werden", grinste Sir Niclas.
"Schon? Seid ihr im Schloss alle so schnell?"
"Nicht alle, aber einige. Man muss schnell sein, wenn man zum Zuge kommen will."
"Dann bist du bei mir an der falschen Adresse. So schnell landet bei mir ein Kerl nicht! Dann müsste schon sonst was passieren."
"Was wäre das?"
"Das geht jetzt etwas weit. Ich werde auf das Schloss geholt, um als neuer Anwärter der Leibwache zu dienen und nicht als Kammerjungfer", kritisierte Tiarra mit verengten Augen.
Sir Niclas verfiel in ein lautstarkes Lachen. Entrüstet ließ Tiarra die Schultern sinken und sah genervt nach unten. Diese Schlosstölpel waren vielleicht doch schlimmer, als sie vermutet hatte. Durch das Gelächter wieder wachgerüttelt sahen Andros und Yacon wieder auf.
"Was ist los?", fragte Andros, als er näher zu Tiarra rüberkam.
"Er hat gerade versucht sich an mich ran zu machen. Diese Schlossschnösel fangen mir jetzt schon an auf die Nerven zu gehen."
"Keine Sorge. Wenn dir jemand zu nahe kommt, dann musst du es mir nur sagen. Schneller als du schauen kannst bin ich da und beschütze dich vor ihm", versprach Andros, dessen Hand sich auf ihren Po legte.
"Andros?", fragte Tiarra.
"Ja, was ist?"
"Da ist jemand an meinem Hintern, was soll ich deiner Meinung jetzt mit ihm tun?"
"Tja, weißt du, es kommt immer darauf an, um wen es sich dabei handelt."
"Es handelt sich um einen ekelhaften Weiberfummler, der alles anfasst, was einen Rock trägt!"
"So ein Widerling, du solltest sehen, dass du ihn schnell loswirst!", meinte er.
"Dann ist es gut!"
Schnell holte Tiarra mit ihrer Faust aus und schlug Andros vom Pferd. Er hatte pures Glück, dass kein Pferd, das hinter ihnen herlief, auf ihn trat.
"Du hattest mich doch nicht eben damit gemeint, oder?", keuchte er, als er wieder auf dem Pferd saß.
"Natürlich, wen denn sonst?"
"Ich fasse nicht alle Frauen an. Weißt du wie viel ich dann zu tun hätte? Außerdem gibt es auch einige Frauen, die ich lieber unberührt lassen will."
"Du bist auch noch wählerisch. Also so was. Dann geb ich dir einen guten Rat. Du solltest deine Finger von mir und Taja lassen. Wir beide können es nicht gut leiden, wenn wir andauernd angetatscht werden. Außerdem suchen wir uns unsere Liebhaber selber aus. Also mal ganz ehrlich, so viel größer ist der Unterschied zwischen Schlosstrotteln und Landidioten nicht!", erklärte Tiarra.
"Das mein ich aber doch!", mischte sich Sir Niclas wieder ein.
"Ach und in wie fern?", fragte Tiarra schnippisch nach.
"Wir Schlossleute haben Anstand und verführen die Frauen viel lieber."
"Das hilft?", wollte Andros wissen, der auf einmal hellhörig wurde.
"Sicher, mein Freund. Du musst nur wissen, wie die Frauen ticken und schon ist es ein Kinderspiel. Wenn du willst, gebe ich dir auf dem Schloss etwas Nachhilfe. Wie mir scheint, hast du es verdammt nötig. Aber keine Sorge, so schwer ist das gar nicht!"
"Ach ja? Aber deine Masche zieht nicht bei jeder, beispielsweise bei mir!", protestierte Tiarra.
"Noch weiß ich ja nicht genau, wie du tickst, doch glaube mir, sobald ich das weiß, wird es nicht lange dauern, bis du in meinen Armen liegst."
"Das werden wir ja noch sehen. Außerdem sagte ich doch, dass ich mir meine Verehrer selber aussuche", wiederholte Tiarra.
"War mir doch glatt wieder entfallen", grinste Sir Niclas.
Oh man. Wo war sie hier nur gelandet? Waren denn plötzlich alle Männer lüsterne Objekte geworden? Taja hatte ihr Gespräch interessiert zugehört, derweilen war ihre rechte Hand zu ihrer Halskette und dem Anhänger gewandert. Sie hatte ihn wieder in ihre Hand eingeschlossen. Man musste nur heraus finden, wie die Frau tickte und dann war es ganz einfach? So hatte es wohl auch ihr Freund gemacht. Denn so war es ihm möglich gewesen, alles zu erfahren, um ihre Familie und ihr Leben zu zerstören. Aber warum hatte er es gemacht? Was hatte ihm dieses unnötige Metzeln gebracht? Ihre Antworten schienen in weite Ferne gerückt zu sein. Dieses blöde Schloss, es brachte sie viel weiter weg von ihren Antworten, egal was der Meister auch gesagt hatte. Am liebsten würde sie jetzt ihr Pferd wenden und in irgendeine Richtung reiten, in der Hoffnung diesen widerlichen Kerl zu finden, der einmal ihr Freund gewesen war. Leider war dies unmöglich. Yacon hatte Taja schon den ganzen Tag beobachtet und sorgte sich um sie. Vorsichtig lenkte er das Pferd zu ihr hinüber.
"Ist alles in Ordnung? Du bist den ganzen Tag schon so komisch."
Erschrocken fuhr sie zusammen, ihre Gedanken waren so weit fort gewesen, dass sie nicht einmal bemerkt hatte, wie Yacon näher zu ihr hinüberkam. Schnell ließ sie ihre Kette wieder unter ihrer Kleidung verschwinden und sah ihn an.
"Außer der Tatsache, dass wir in die Fremde gebracht werden und ich es gar nicht will, ist alles in Ordnung."
"So siehst du mir aber nicht aus. Du wirkst so abwesend. Wirklich sonst alles in Ordnung?"
"Ja, Yacon. Danke für deine Sorge, doch mir geht es den Umständen entsprechend gut."
Sie sah ihn zwar an, aber ihr Gesicht war in der Dunkelheit versteckt. Allerdings meinte er traurige Augen zu erkennen, als das Licht der Fackel kurz über ihr Gesicht strich. War es denn für sie wirklich so schlimm dorthin zu kommen? Sollte das Schloss der Grund für ihre Traurigkeit sein? War da sonst wirklich nichts? Er sollte mal mit Tiarra reden, wenn sie mal ungestört waren. Denn so, wie er Taja kannte, würde sie ihm nichts verraten. Diese Frauen waren schon ein Rasse für sich.
So verstrich die Zeit, die Nacht schien kein Ende zu nehmen. Ihnen tat allen der Hintern so weh und der Ritt war nur einmal kurz unterbrochen worden, damit jeder mal austreten konnte. Und müde waren sie auch. Immerhin hatten sie am Morgen noch nicht mal gewusst, dass sie fortgehen würden. Sie hatten den ganzen Morgen damit verbracht aufzuräumen und dann hatten die Mädchen auch noch einen harten Kampf geführt. Wer dann nicht müde war, der war nicht mehr normal. Aber auch Sir Niclas schien übermüdet zu sein, denn er ritt diese Strecke schon zum zweiten mal in kurzer Zeit. All die anderen Ritter saßen auch schlapp in den Sätteln. Konnte das Schloss denn nicht mal näher rücken? Tiarra hatte sich an das Pferd gelehnt und war eingedöst. Wenn es schon kein Bett gab, so konnte man wenigstens schlafen und so verging auch hoffentlich die Zeit schneller. Wirklich war es so. Denn schon bald wurde sie wieder geweckt.
"Hey, aufwachen, du Schlafmütze. Sie mal nach vorne!", erklärte plötzlich Sir Niclas.
Träge hob Tiarra den Kopf und sah nach vorne. Der Morgen graute schon im Osten und die ersten Vögel sangen auch schon ihr Lied. Das war aber auf einmal nicht mehr wichtig, denn vor ihnen am Horizont erhob sich ein mächtiges Schloss. In mitten einer wunderschönen Landschaft. Viele mächtige Bäume umrundeten die riesigen Schlossmauern und eine saftige Wiese unterstrich diese Idylle. Vom Schloss trompetete schon jemand eifrig, der wahrscheinlich die Ankunft des König bekannt gab. Die bunten Banner wehten schon heftig im Wind.
"Wurde auch langsam Zeit!", nuschelte Tiarra müde.
"Schon bald werden wir ankommen und ihr werdet euer neues Zuhause kennenlernen!", eröffnete Sir Niclas.
"Ein neues Zuhause? Wie lange wird es das wohl sein?", sprach Taja leise vor sich hin.
Andros und Yacon hingegen waren plötzlich schlagartig wach.
"So riesig ist das Schloss?", staunte Yacon und lehnte sich weiter nach vorne.
"Wahnsinn, das ist ja riesig!", bestätigte Andros.
"Das habt ihr wohl nicht erwartet, nicht wahr? Wartet ab, wenn ihr drinnen seid!"
"Müsst ihr euch so laut wundern? Geht das nicht leiser? Ich will schlafen!", gähnte Tiarra mürrisch.
"Nicht mehr lange und du kannst im Schloss schlafen. Es wird nicht mehr lange dauern. Dort könnt ihr euch waschen, satt essen und dann werdet ihr eingeteilt, anschließend steht eurem Schlaf nichts mehr im Wege!", zählte Sir Niclas auf, als hätte er diesen Spruch schon unzählige male gesagt.
"Können wir nicht mit dem Bett anfangen!", murrte Tiarra weiter.
"Nein, tut mir leid. Alles geht nach Plan und euren habe ich gerade genannt."
"Kaum ist man da und schon ist man eingeteilt. Na ja, schlimmer kann es ja wohl nicht kommen!", seufzte sie weiter.
Wie Sir Niclas gesagt hatte waren sie schon bald im Schloss angekommen. Das riesige Bronzetor stand weit offen und gebot freien Einlass. Trotz der frühen Stunde war schon reges Treiben auf dem Platz im Schlossinneren. Ein Markt wurde gerade aufgestellt und die Kutsche des Königs, der Karren mit ihren Habseligkeiten und ihre zusätzlichen Pferde blockierten das Treiben extrem. Als der König aus der Kutsche ausstieg, verneigten sich alle und viele gingen auf die Knie. Die Ritter, Sir Niclas und auch die anderen vier stiegen nun ab. Die Pferde wurden von Pagen weggeführt und sie konnten zu dem Karren hintreten, um sich ihre Sachen zu nehmen. Schnell wurde auch dieser weggebracht.
"Willkommen auf meinem Schloss. Seht euch ruhig um. Von nun an wird es eure Zuhause sein", begrüßte sie der König freundlich.
"Ist ja alles schön und gut. Ich will ja jetzt nicht unhöflich wirken, aber da wäre eine Kleinigkeit", meinte Tiarra nun.
"Sprich!"
"Ich habe Hunger!", erklärte Tiarra, worauf ihr Magen knurrte.
"Erst müde und nun hungrig, kannst du dich mal entscheiden?", fragte nun Yacon.
"Was geht dich das an, was ich nun zuerst habe?"
"Es war ja nur eine Feststellung!"
"Eine worum dich keiner gebeten hat!"
"Also gut. Wie ich sehe seid ihr noch aggressiver, wenn ihr hungrig seid. Nun denn, dem wollen wir Abhilfe schaffen. Man wird euch gleich auf eure Zimmer bringen, dort wird man euch sicherlich schon Speisen hingestellt haben, wenn ihr fertig seid mit waschen."
Der König winkte vier Gepäckträger zu sich und teilte sie zu. Andros und Yacon wurden in den Ostflügel geführt, Taja in den Westflügel und Tiarra folgte ihrem Diener und Sir Niclas.
"Könnt Ihr mir sagen, was Ihr hier wollt?" Tiarras Augen hatten sich verengt, als sie mit Sir Niclas sprach.
"Wir haben den selben Weg!"
"Und warum werden Taja und ich getrennt?"
"Der König hat sich wohl schon über die Einteilung Gedanken gemacht währen unserer Reise. Demnach hat er euch jetzt schon eingeteilt. Im Ostflügel sind die männlichen Krieger und Ritter untergebracht, im Westflügel die wenigen weiblichen Kämpferinnen."
"Weshalb bin ich dann nicht im Westflügel?"
"Weil du eine andere Aufgabe als deine Freundin bekommen wirst!", erklärte er weiter.
"Und die wäre?"
"Tja, so wie die Sache aussieht, bist du momentan sein Favorit, was den Posten des Leibwächters angeht. Deswegen kommst du auch mit zu uns."
"Uns? Wer ist uns?"
"Du, eine weitere Leibwache und ich!"
"Wir sind zu dritt?"
"Natürlich, die Sicherheit der Prinzessin fordert mindestens drei!"
"Na, wenn ihr meint. Ich habe immer noch Hunger, wann sind wir endlich da?"
"Hast du nicht noch einen anderen Satz auf Lager?"
"Schon, aber im moment gilt dieser!"
"Keine Sorge, wir werden bald da sein!", beschwichtigte Sir Niclas.
"Für meinen Geschmack habt Ihr diesen Satz schon viel zu oft in den letzen vierundzwanzig Stunden gesagt."
"Wenn du nur halb so gut kämpfst, wie du meckern kannst, dann kann unserer Prinzessin nichts mehr passieren."
"Habt ihr gerade von mit gesprochen, Sir Niclas?", fragte plötzlich eine Stimme vor ihnen. Verwundert sah Tiarra auf und erkannte ein junges Mädchen vor sich. Sie schien noch etwas jünger zu sein als sie selber. Ihr blondes Haar war zusammengeflochten und lag lang an ihrem Rücken herunter. Sie trug ein rotes Kleid mit edler Spitze. Sie lächelte amüsiert, als Sir Niclas verwundert aufsah. War das die Prinzessin?
"Verzeiht, Prinzessin, ich habe Euch gar nicht bemerkt!", entschuldigte sich Sir Niclas und fasste sich verlegen am Kopf.
"Ihr seid schon wieder zurück? Das ging ja wirklich schnell und darf ich fragen, wer Eure Begleitung ist?"
"Das ist...", er kam nicht weiter, weil er unterbrochen wurde.
"Ich bin Tiarra und wurde hergeholt um Euch zu beschützen, Prinzessin. Aber mal im Vertrauen, drei Leute für so eine kleine Person? Also ehrlich. Ich verspreche Euch, Prinzessin, in ein paar Monaten werdet Ihr den und die andere Leibwache gar nicht mehr brauchen, es sei denn, bis dahin bin ich verhungert!", erklärte Tiarra.
"Ihr seid noch jung, Tiarra. Wie kann es sein, dass Ihr mich dann beschützen könnt?"
"Alter hat damit nichts zu tun. Im Gegensatz zu den Rittern, die erst später richtig das Kämpfen lernen, da sie vorher noch erst als Page und Knappe dienen müssen, fing ich schon in meiner Kindheit an. Außerdem hatte ich eine gute Rivalin, mit der ich mich regelmäßig duellierte. Vertraut mir, ich kämpfe besser als so mancher Mann."
"Das kommt mir irgendwie bekannt vor. Lady Asena hat das auch schon oft gesagt!"
"Lady Asena?" Tiarra hob fragend die Augenbrauen hoch.
"Die dritte von uns", erklärte Sir Niclas.
"Wie dem auch sie, ich werde ja sehen, was ihr könnt. Aber ich hatte eben vernommen, dass Ihr Hunger habt. Sir Niclas, warum bringt Ihr sie denn nicht auf ihr Zimmer?"
"Ja, Sir Niclas, warum bringt Ihr mich nicht auf mein Zimmer", wiederholte Tiarra.
"Ich werde sie umgehend dorthin bringen. Also auf bald, Prinzessin!"
Endlich führte sie Sir Niclas in ihr Zimmer. Es war einfach nur schön. Es hatte ein mittelgroßes, weiches Bett worin einige Kissen lagen. Ein Schrank, Tisch mit Stuhl, ein großes Regal und eine Tür, die auf den Balkon führte, gab es auch noch in diesem Zimmer. Außerdem hatte sie sogar noch einen eigenen Kamin. Das war ja der totale Wahnsinn. Aber ihr Blick blieb auf dem Tisch hängen, denn dieser war reichlich gedeckt.
"Wenn Ihr mich dann entschuldigen wollt?"
"Klar, ich habe keinerlei Verwendung mehr für Euch! Vom Essen bekommt Ihr eh nichts ab, wir sehen uns wieder, wenn ich geschlafen habe."
Ohne ein weiteres Wort verließ Sir Niclas ihr Zimmer und Tiarra blieb allein zurück. Endlich konnte sie sich über das Essen hermachen und verlor daher auch keine Sekunde mehr. Nachdem sie sich richtig satt gegessen hatte ging sie ins anliegende Zimmer, worin sich das Bad befand. Schnell ließ sie sich Wasser ein und wusch sich. Eigentlich wusste sie gar nicht warum. Anschließend ließ Tiarra sich ins weiche Bett fallen. Was wohl die anderen gerade taten? Vor allem machte sie sich um Taja Sorgen. Sie war den ganzen Ritt so komisch gewesen. Aber wenn sie alle so ein tolles Zimmer hatten wie sie, dann konnte doch nichts mehr schief gehen. Wenn sie ausgeschlafen hatte, wollte sie doch mal sehen, was die anderen so taten. Sie war endlich in ihrem Bett und konnte schlafen.

In einem anderen Teil des Schlosses war eine Bedienstete dabei, Tajas Sachen in das Regal zu räumen, diese saß derweilen auf dem Bett, was dem alten sehr ähnlich war. Doch dieses hier war fremd. Es war ein einfaches Bett mit einer Decke und einem Kissen, nichts besonderes. Außerdem hatte sie hier einen Tisch mit Stuhl und den Schrank, worin immer noch die Bedienstete einräumte.
"Sie müssen das nicht tun. Nachher finde ich nichts mehr wieder", erklärte Taja leise.
"Oh verzeiht, ich räum es auch gern nach Ihren Wünschen ein!", entschuldigte sie sich.
"Darum geht es nicht. Sie brauchen für mich nichts zu tun. Ich bin es nicht gewöhnt, dass jemand für mich arbeitet. Wenn  Sie wollen, können Sie ruhig gehen."
"Wenn Sie das wünschen, werde ich gehen! Sollten sie aber mal was brauchen, ich bin immer hier auf dem Flur und bringe ihnen alles, was  sie wollen", sprach sie eifrig.
"Danke, ich werde darauf zurück kommen", lächelte Taja, als die Bedienstete versuchte sie zufrieden zu stimmen. Anschließend war sie gegangen, wovor sie sich aber vergewisserte, dass Taja alles hatte und zufrieden war. Nachdem sie weg war, räumte Taja ihre restlichen Sachen ein. Ihr Blick ging zu dem kleinen Fenster, welches geöffnet war. Der warme Sommerwind strich durch ihre noch immer nassen Haare und trocknete sie so langsam. Sie hatte sich im Waschraum gewaschen und war anschließend zurückgekommen. Ihr Zimmer lag an einem großen Flur, wo etliche Türen zu kleinen Zimmern wie diesem führte. An seinem Ende war ebenfalls eine Tür, hinter dieser verbarg sich aber kein kleines Zimmer, sondern ein großer Waschsaal. Viele Duschen waren dort gewesen und auch eine großes Badewanne, wo bestimmt zehn auf einmal reingepasst hätten, ohne sich zu behindern. Aber sie war alleine gewesen, daher hatte sie die Dusche vorgezogen. Für sich alleine wollte sie die Badewanne nicht füllen, sie hielt es für Verschwendung. Nun saß sie hier und dachte an vergangene Tage etwas weiter weg von hier. Schon bald schlief sie auf dem Bett ein. Es vergingen einige Stunden ehe sie durch das Klopfen an der Tür geweckt wurde. Müde sah sie auf.
"Herein", sagte sie dann, als niemand zu sehen war.
"Verzeiht, wenn ich Euch gestört habe, ich wollte Euch nur eure neue Rüstung bringen!", erklärte die gleiche Bedienstete, die auch eben schon einmal da gewesen war. Sie hielt die Rüstung eng an sich gedrückt, als wolle sie sich selber schützen. Taja maß sie nun mal genauer. Sie war vielleicht genau so alt wie sie und hatte auch so dunkles Haar wie sie. Nur ihres war lockig, wogegen Tajas lang und glatt waren. Weshalb war sie so seltsam?
"Komm ruhig rein!"
Leise trat sie ein und schloss die Tür hinter sich. Taja hatte sich aufgesetzt und wies auf den Stuhl. Tatsächlich setzte sie sich hin.
"Also wie heißt du?", fragte Taja.
"Ellie", piepste sie fast.
"Warum bist du so ängstlich, habe ich dir was getan?"
"Nein, nein habt Ihr nicht, entschuldigt, wenn es so aussieht", sie hatte den Kopf dabei gesenkt.
"Und so hab ich es nicht gemeint", seufzte Taja.
Schweigen legte sich über sie. Noch immer hielt Ellie den Kopf gesenkt.
"Ich schätze, so kommen wir nicht weiter. Pass auf, unser Verhältnis ist noch etwas eisig, meinst du nicht auch? Warum erzählst du mir nicht, was du hast. Es scheint, du hättest hier ein paar Probleme!"
"Ich habe keine Probleme, meine Dame."
"Das 'meine Dame' kannst du dir auch sparen. Ich heiße Taja und so kannst du mich auch ruhig nennen. Bin weder adelig noch sonst irgendwas, nur ein einfaches Mädchen, genau wie du. Man holte mich nur an den Hof, das war’s auch schon. Also brauchst du mich auch nicht förmlich anzureden."
"Aber es gehört sich nun mal so", wisperte Ellie weiter.
"Na gut, wenn das so ist, dann nenn ich dich jetzt nur noch Lady Ellie."
"Nein tut das bitte nicht!", bat Ellie eifrig.
"Kein Problem, du nennst mich Taja und ich dich Ellie! Oder wirst du dann bestraft?"
"Nein, aber die meisten Kriegerinnen wollen so genannt werden."
"Dann weiß ich ja jetzt, was dein Problem ist. Keine Sorge, die werden dich nicht mehr lange herumschubsen."
"Was wollt, äh willst du denn dagegen tun?"
"Schon besser. Ich werde jetzt meine Rüstung anziehen und zu denen gehen. Dann werde ich sehen, wie sie reagieren und dementsprechend handeln. Aber so wie du sie beschrieben hast werden wir wohl nicht um einen Kampf herum kommen. Ich werde ihren Leitwolf ausschalten, dann ist hier Ruhe. Komm, gib mir das Ding."
"Hier!", schnell gab Ellie ihr die Sachen.
Taja stand aus dem Bett auf und zog sich das schwarze Untergewand an, darüber kam eine dunkelblaue Lederrüstung, die ledernen Armschienen waren auch schwarz. Ihre Beine blieben frei, an den Füßen trug sie ebenfalls dunkelblaue, leichte Lederstiefel. Anschließend band sie sich die Haare zusammen, nachdem sie diese geflochten hatte. Zum Schluss hing sie sich ihr zweihändiges Schwert auf den Rücken.
"Dann wollen wir mal."
"Sag aber bitte nicht, dass du das für mich machst!"
"Keine Sorge, es wird kurz und schmerzlos sein."
"Du bist so überzeugt, hast du keine Angst, dass sie stärker sind als du?"
"Es gibt bis auf eine Ausnahme keine Frau, die stärker ist als ich!", erklärte Taja.
"Wer ist sie?"
"Meine Freundin natürlich!"
Entschlossen trat Taja aus dem Zimmer heraus und ging den Flur entlang, hinaus auf den Schlosshof, um sich ihrem ersten Duell zu stellen. Wenn sie schon hier leben musste, dann aber nicht unter diesen Umständen. Eine Dienstmagd war nicht dazu da, um umher zu kriechen und den rauen Spott muskelprotziger, großspuriger und überaus uneleganter Kriegerinnen hinzunehmen. Das war die erste Sache, die sie ändern musste. Außerdem konnte es nicht schaden, wenn sie etwas Respekt hier bekam. Es war auch noch mal höchste Zeit, ihr Schwert gegen ein anderes zu schlagen, als nur gegen Tiarras. Die Zeit, die sie mit Tiarra verbracht hatte, hatte sie gelehrt, auch mit stärkeren Kämpferinnen klarzukommen. Denn sie war schneller als Tiarra. Kraft war nun mal nicht alles! Wie oft hatte sie diesen Spruch gehört und nun machte sie sich in einen fremden Kampf. So lange sie ihr Schwert der Familie besaß und an das dachte, was Tiarra sie gelehrt hatte, konnte gar nichts schief gehen. Sie hatte keine Angst, sie freute sich darauf, einer egoistischen Kriegerin zu zeigen, dass es immer einen besseren gab. Außerdem konnte sie sich endlich beweisen, dass sie nicht immer auf Tiarra angewiesen war. Aber warum machte sie sich so viel Gedanken? Es gab keine Frau, die ihr das Wasser reichen konnte, bis auf eine, aber gegen diese kämpfte sie ja nicht. Lächelnd zog sie ihre Armschienen fester und trat hinaus ins Licht des Schlosshofes.
 

© Angel Taja
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