Der Prophet und der Totengräber von Matthias Wruck
Kapitel 26

Nachdem die Sonne völlig untergegangen war, hatten sie sich voneinander verabschiedet und waren beide ins Bett gegangen. Eigentlich hätte sich Joro gewünscht, Vierna käme vorbei, aber es war ihm auch klar, daß sie es hier schwerer hatte, das heimlich zu tun. Im Palast des Königs waren nur zwei Drow gewesen, hier waren es hunderte und sie hatte ihm ja erklärt, wie es mit dem Konflikt zwischen ihren Gefühlen und ihrer Verantwortung der Enklave gegenüber aussah.
Das mußte ihm natürlich nicht gefallen, und das tat es auch nicht. Er lag da und schwelgte beim Einschlafen in Erinnerungen, wie sie bei ihm gelegen hatte.
Doch ein Gedanke weckte ihn wieder auf. Warum hatte er sich eigentlich noch gar keine Gedanken darüber gemacht, wie es, nun ja, mit diesen Dingen aussah, die Männer und Frauen miteinander taten. Es war ja nicht so, daß er keine Ahnung hatte, wie das funktionierte. In einer dörflichen Gemeinschaft, zudem auf einem Hof, auf dem Kühe gezüchtet wurden, bekam man das schon recht frühzeitig mit, wobei er die Ähnlichkeit zwischen dem, was Rinder so taten, und dem, wie es bei Menschen ablief, irgendwie absurd fand.
Konnte eigentlich ein Mensch überhaupt mit einer Drow... Also... Er ertappte sich dabei, wie er sich beim Nachdenken nervös beinahe den Kopf blutig kratzte.
Immerhin hatten Nalfein und Dinin ja mehrfach erwähnt, daß 'es mit Menschen und Drow so nicht funktionierte'. Hatten sie damit vielleicht genau das gemeint?
Auf der anderen Seite heirateten Drow ja auch und bekamen Kinder, also mußte das auch irgendwie so vonstatten gehen. Drowfrauen hatten ja immerhin auch Brüste. In einem speziellen, ihm bekannten Falle sogar ausgesprochen wohlgeformte solche.
Und dann war da noch eine ganz andere Frage, die zwar schon vorher aufgeworfen worden war, die aber erst nach und nach den Weg in seinen Kopf fand:
Der Altersunterschied und seine Konsequenzen.
Wenn er Dinins Ausführungen Glauben schenken konnte, war Vierna wohl schon über 300 Jahre alt. Er selbst war gerade einmal neunzehn. Nun konnte man nicht sagen, daß er noch eine männliche Jungfrau war, drei Jahre zuvor hatte ihn eine recht dralle Magd auf dem Hof sozusagen 'zum Mann' gemacht, aber im direkten Vergleich wirkten neunzehn Jahre gegenüber dreihundert nicht gerade viel...
Irgendwie fühlten sich diese Gedanken aber dumm an. Das Verhältnis zwischen ihm und der Hohepriesterin hatte sich nicht nur erstaunlich schnell, sondern auch völlig von allein entwickelt und irgendwie war er sich sicher, daß es schon seinen Lauf nehmen würden, hoffentlich in einer guten Weise... Daran wollte er zumindest glauben.
Langsam aber sicher glitt er ins Reich der Träume, allerdings blieb trotz dieser Erkenntnis ein Rest an Sorge darum, ob es nicht doch anders kommen würde.

Der Morgen war frisch und ziemlich klamm, obwohl der Himmel völlig frei von Wolken war und die Sonne bereits klares Licht über die Berge sandte.
Er zog seine Rüstung an und machte sich auf den Weg, fünfmal die Enklave zu umrunden. Die meisten Drow schliefen wohl noch, erst nach der dritten Runde sah er die ersten auf ihrem Weg zur Morgenwäsche an der Quelle. Er winkte ihnen im Vorbeikommen zu und rannte die fünf Runden so schnell er konnte zuende.
Als er schließlich an seiner Hütte angekommen war, konnte er noch nichts von Nalfein sehen, also nahm er sich den Knüppel von der Hüttenwand und begann erst einmal die einstudierten Bewegungsabläufe nachzuahmen, die er zuvor immer wieder mit Nalfein trainiert hatte.
Dieser kam einige Zeit später um die Häuser gelaufen und hatte eine furchtbare Laune.
Das wirkte sich auch auf die Übungen aus, die sie, ohne daß der Drow ein Wort sprach, sofort begannen.
Nalfein hatte offenbar Grund genug, sich abzureagieren, denn er prügelte mit ziemlicher Wucht auf Joro ein, bis dieser schließlich mehrere Schritte zurücktrat und ihn böse ansah.
"Wenn du mich umbringen willst, wäre es durchaus freundlich, wenn du mir vorher sagtest, warum du das willst."
Der Drow sah ihn erst kurz überrascht an, dann seufzte er und warf den Knüppel fort. Ein paar wüste Flüche vor sich hinspeiend trat er mehrere Steine fort und meinte dann:
"Komm mit, wir beide müssen uns über etwas unterhalten."
Sie hockten sich auf die Bank hinter der Hütte und Nalfein lehnte sogar ein angebotenes Bier ab. Stattdessen sah er Joro ziemlich lange und nachdenklich an. Dann begann er zu reden.
"Ich habe dir vor einiger Zeit gesagt, daß du mir näher gekommen bist, als ich es bei jedem anderen Menschen je zugelassen hätte, erinnerst du dich daran?"
Joro nickte.
"Gut. Und wir haben durchaus auch schon Momente erlebt, in denen wir beide Seite an Seite gestanden haben, um uns gegenseitig den Arsch zu retten."
Der Priester nickte abermals.
"Nun...", Nalfein suchte nach Worten, "wie du sicherlich weißt, halte ich von deinem Volk nicht sonderlich viel. Und daran werde ich jeden Tag aufs Neue erinnert."
"Warum?"
"Erinnerst du dich an die Begegnung mit meiner Frau, Ilivarra?"
Natürlich erinnerte er sich. Die Drow mit der krächzenden Stimme, die irgendwie unheimlich und in erster Linie unfreundlich gewesen war.
"Ich kannte ihren Namen bisher nicht, aber warum macht dir das jetzt schlechte Laune?"
"Weil sie mir die Hölle heiß macht deinetwegen."
"Meinetwegen?" Joro war verwirrt.
"Sie ist der Ansicht, daß ich mich mit dir verbrüdere und das macht sie noch haßerfüllter, als sie ohnehin schon ist."
Der Priester war fassungslos.
"Aber ich habe ihr doch gar nichts getan."
"Du nicht..."
"Aber?"
Nalfein seufzte.
"Es ist wohl an der Zeit, daß ich dir erzähle, was mit ihr geschehen ist. Früher oder später wirst du es ja ohnehin erfahren..."
Wiederum überlegte der Drow eine ganze Weile, dann fuhr er fort:
"Ilivarra ist noch sehr jung. Sie hat die Hundert noch nicht überschritten, daher könnte man sie wahrscheinlich fast als eine Jugendliche bezeichnen, gemessen an menschlichen Maßstäben. Natürlich ist sie in ihrer persönlichen Entwicklung weiter, als ein jugendlicher Mensch, aber was ich damit sagen will, ist, daß sie noch eine ganze Weile Leben vor sich hat.
Die Umstände aber, wie sie zu uns kam, oder besser gesagt, wie wir sie fanden, waren alles andere als glücklich."
"Was ist geschehen?"
"Wir, das heißt Dinin, ich und ein paar andere, waren auf einer längeren Reise in die südlichen Bergregionen, bei der wir nach Drow suchten, die an die Oberfläche kamen, um den Schrecken des Unterreiches zu entkommen. Das taten wir damals sehr oft, um noch mehr Leute für die Enklave, zur Stärkung unserer Gemeinschaft zu finden. Als wir nahe an einem Bergbauerndorf vorbeikamen, hörten wir einen wütenden Pöbel, der offenbar gerade dabei war, jemanden zu lynchen. Und beim Näherkommen sahen wir dann auch, wer oder was das war."
"Drow, nicht war?"
Nalfein ließ die Schultern hängen.
"Wir kamen zu spät. Auf dem Boden vor dem Dorf lagen bereits sechs Leichen. Der letzte Drow, eine Frau, wurde gerade niedergeschlagen und sie setzten ihre Kleidung mit einer Fackel in Flammen. Lange Zeit konnten wir nur zusehen, aber als sie sich schließlich wieder ins Dorf zurückzogen, konnten wir endlich näher heran, um zu sehen, ob wir einige von ihnen kannten."
Joro verstand instinktiv einiges.
"Laß mich raten, die Frau lebte noch?"
Nalfein nickte und kramte unter seinem Wams sein kleines Fläschchen hervor, aus dem er einen großen Schluck nahm.
"Ganz genau", sagte er, während er die Flasche wieder verschloß, "sie lebte noch, obwohl man das kaum so nennen konnte. Die anderen sechs waren tot, Ilivarra hingegen war fürchterlich verbrannt, ihr linker Arm und ihr linkes Bein waren so stark verletzt, daß wir nicht umhin konnten, sie zu amputieren. Ihr Gesicht war eine einzige Brandwunde."
Er schüttelte sich, um die Erinnerung an dieses Bild zu vertreiben.
"Bist du sicher, daß du kein Bier willst, Nalfein?"
Der Drow schaute kurz zu ihm auf, blickte dann aber wieder nach unten und nickte heftig.
"Doch, du hast recht, ich könnte eins vertragen."
Joro kam kurze Zeit später mit zwei frisch gefüllten Humpen wieder und Nalfein trank ihn mit einem Zug fast halb aus.
"Also habt ihr sie mitgenommen?"
Nalfein rülpste laut.
"Vierna hat dafür gesorgt, daß sie überlebt, auch wenn Ilivarra sie dafür haßt. Sie hat mir mehr als einmal gesagt, daß sie lieber mit ihren Leuten dort gestorben wäre, als weiter am Leben zu bleiben. Und woher ihr Haß auf die Menschen kommt, kannst du dir jetzt sicher auch denken. Die sechs anderen Drow waren ihre noch jüngeren Geschwister, die sie unter großen Gefahren aus dem Unterreich gerettet hatte. Dabei..."
"Ja?"
"Sie mag eine haßerfüllte Person sein, aber ihr Geist... Eigentlich ist er der eines unglaublich fürsorglichen und schönen Mädchens." Seine Gedanken schweiften ab.
Joro hielt inne und zog eine Augenbraue hoch.
"Sagtest du nicht, daß ihr den Arm und ein Bein abnehmen mußtet?"
"Ja, mußten wir."
"Aber sie kann doch laufen und wenn ich mich erinnere hatte sie auch zwei Arme..."
Nalfein lächelte verschmitzt.
"Die Drow verfügen über einige Techniken, die selbst die Duergar so nicht hinbekommen. Wir sind dazu in der Lage, verletzte oder zerstörte Gliedmaßen durch mechanische zu ersetzen. Die sind fast so gut wie echte, nur daß sie eben keinen Tastsinn in sich haben, es dauert also eine Weile, bis man sie richtig einsetzen kann."
Der Priester dachte darüber nach. Eine derartige Technologie entzog sich völlig seines Begreifens, aber beeindruckend fand er es schon. Aber er wollte beim Thema bleiben, anstatt über Technik zu diskutieren und es gab da eine Frage, die ihm auf der Seele brannte.
"Falls diese Frage zu persönlich ist, bitte ich dich, mir zu verzeihen, aber wie kam es, daß du sie geheiratet hast?"
Der Drow verzog keine Miene, sondern antwortete ihm prompt.
"Ich habe sie gesund gepflegt. Für Wochen und Monate. Am Anfang habe ich ihren Schmerz geteilt und ihre unglaubliche Trostlosigkeit mitgelebt. Doch dann habe ich begonnen, sie von einer ganz anderen Seite zu erkennen und lieben zu lernen. Sie mag sehr jung sein, viel jünger als ich es bin, aber sie hatte selbst damals schon einen sehr weisen und erwachsenen Geist. Das Äußere war mir dabei nicht ein einziges Mal wichtig."
Das konnte Joro verstehen. Sein Großvater hatte ihm immer gesagt, daß der Körper eines Menschen wertlos ist, egal wie schön er auch sein mochte, wenn der Geist, der darin wohnte, dumm, boshaft und träge war.
Nalfein fuhr fort:
"Nachdem ihre äußeren Wunden geheilt waren, verbrachten wir viel Zeit damit, sie mit ihrem neuen Arm und Bein üben zu lassen, was sie in Kürze perfekt beherrschte. Die gemeinsamen Monate hatten jedoch, ohne daß ich es bemerkte, auch dafür gesorgt, daß sie sich in mich verliebt hatte. Und so entschlossen wir uns am Ende zu heiraten."
Joro war zutiefst beeindruckt.
"Eine schöne Geschichte, wenn du mich fragst."
"Das ist nicht unwahr, aber was bleibt ist die sehr umständliche Art, mit ihr umzugehen. Sie ist ausgesprochen launisch und oft genug halte ich es nicht mit ihr unter einem Dach aus, so wie heute, zum Beispiel."
"Kann man es eine Haßliebe nennen?"
Nalfein schüttelte heftig den Kopf.
"Nein, ich liebe sie wirklich. Aber es ist eben der Weg, wie ich mich ihr gegenüber verhalten muß, der es oft genug sehr schwer macht, es zu genießen."
Es wurde dem jungen Priester ziemlich bewußt, daß der Dunkelelf einmal mehr sehr offen mit ihm redete, und er wollte nicht, daß Nalfein sich hinterher irgendwie ausgenutzt fühlte, daher wollte er nicht weiter bohren und lieber das Thema wechseln.
"Geht es dir wieder gut genug, um anständig weiter zu trainieren?"
Der Drow schaute ihn kurz verdutzt an und dann lächelte er schief.
"Aber sag hinterher nicht, daß du es nicht wolltest."

In der Folge prügelte ihn Nalfein zwar nicht wirklich weniger hart durch die Gegend, aber immerhin hatte er zugunsten eines Lerneffektes die atemberaubende Geschwindigkeit ein bißchen gedrosselt.
Zwischen zwei Schlagserien hielt Joro kurz inne.
"Hast du ihr eigentlich erzählt, was wir schon zusammen erlebt haben?"
Nalfein machte ein Finte und traf ihn danach zweimal recht derbe am Kopf, was ihn zurücktaumeln ließ.
"Ja, das habe ich", knurrte er mit zusammengekniffenen Zähne. "Aber sie glaubt, daß du dich hier nur einschleimst, um uns bei der ersten Gelegenheit an die Menschen auszuliefern."
Joro wich zwei Schlägen aus und traf Nalfein aus der Drehung am Oberschenkel, woraufhin dieser kurz einknickte und sich nach hinten abrollte.
"An welche Menschen denn? Die Obrigkeit von Bargum, die mich mit Sicherheit sofort aufknüpfen würde?"
Nalfein sprang vorwärts und hieb mehrere Male zu, was Joro mit dem Schild abwehrte, um den Drow am Ende damit ein gehöriges Stück zurückzuschubsen.
"Das mußt du schon sie selbst fragen, woher soll ich das denn wissen." Er ließ den Knüppel sinken. "In ihrem Kopf gibt es eine eigene, sehr verzerrte Welt und was Menschen angeht, ist sie für Argumente völlig taub."
Joro senkte seine Waffe ebenfalls.
"Ich hoffe, ich werde es irgendwann schaffen, daß sie aufhört mich zu hassen. Das würde auch dein Leben wesentlich einfacher machen."
Nalfein legte den Knüppel weg und machte eine Geste, die bedeutete, daß sie fertig waren.
"Dann hätten wir immernoch die Leute aus Noth draußen vor dem Portal. Ich glaube, solange es Menschen gibt, wird sie niemals irgendwelchen Frieden finden."
"Das ist sehr traurig..."
Der Drow nickte und wischte sich mit einem Tuch den Schweiß von der Stirn.
"Traurig ja, aber ich könnte dir keinen Weg nennen, wie das Problem zu lösen wäre. Außerdem solltest du nicht vergessen, daß du in meiner Sicht deines Volkes eine große Ausnahme darstellst."
Joro seufzte und schaute Nalfein mitleidig an.
"Vielleicht wirst du eines Tages die Erfahrung machen, daß es noch mehr Menschen wie mich gibt. Außerdem wirst du immernoch leben, wenn ich schon lange tot bin, daher denke ich, daß du vielleicht sogar noch eine Zeit erleben wirst, in der Menschen und Drow ihre alten Feindschaften vergessen und friedlich miteinander leben können. Zumindest diese Drow hier."
"Deinen Idealismus schätze ich durchaus, Joro Macun, aber zunächst gibt es da noch diese Sache mit den Hochelfen, falls du die schon vergessen hast. Daher solltest du nicht vorschnell urteilen, wer von uns beiden der erste ist, der stirbt." Und mit einem Grinsen fügte er hinzu: "Auf der anderen Seite wäre ich zutiefst beleidigt, wenn ich vor dir sterbe."
Joro mußte lachen.
"Wenn man es genau nimmt, bin ich dir da sowieso schon einen Punkt voraus."
Gemeinsam kichernd gingen sie zur Quelle hoch, um sich zu waschen.

Sie waren noch nicht einmal fertig, als sie unten den Gong läuten hörten.
"Verdammt!" Nalfein streifte sich, so schnell wie es eben ging, seinen Wams über. "Die Versammlung! Die hatte ich ganz vergessen!"
Joro bemühte sich seinerseits, sich wieder anzuziehen, während Nalfein schon im Rennen nach unten es irgendwie schaffte, seine Stiefel an die Füße zu bekommen. Als er endlich fertig war, rannte er den schmalen Pfad nach unten, an seiner Hütte vorbei, zum Festplatz, direkt vor Viernas Haus.
Dort standen schon die Priesterin und ihr General, letzterer sehr zur Unterhaltung der Anwesenden immernoch halb naß und mit sehr wirren Haaren, am Gong. Vierna eröffnete den Mitgliedern der Enklave, daß sie am folgenden Tag die Anreise ihrer neuen Verbündeten erwarteten.
Der junge Mensch stellte sich hinter die Reihen und hörte zu, wobei er nur einen Bruchteil verstand, da Vierna in der Drowsprache redete und das gehörig schnell.
Wie Dinin am Vortag schon erklärt hatte, war die Zustimmung für die Ereignisse, die auf sie warteten, ziemlich durchwachsen. Einige der Drow rauften sich sogar die Haare, aber der Konsenz war wohl doch gewahrt, denn keiner erhob offen Einspruch. Schließlich fragte die Hohepriesterin noch, ob jemand Einwände hätte, aber keiner sagte etwas, sodaß sie die Versammlung mit dem obligatorischen "Jorah" beendete und alle zerstreuten sich, teilweise heftig diskutierend wieder zwischen die Häuser.
Joro trat vor, zu den beiden Drowanführern hin, die miteinander sprachen.
"Guten Tag, Vierna. Ich habe zwar kaum etwas verstanden, aber ich nehme an, daß du ihnen erklärt hast, was du mit Balthasar beredet hast?"
Sie lächelte zuckersüß in seine Richtung.
"Richtig. Obwohl es mir natürlich klar war, daß sie das nicht alle gut finden würden, aber es ist nun einmal so, wie es ist."
Nalfein hatte es irgendwie geschafft, seine Haare zu bändigen und befestigte sie mit einer Spange im Nacken.
"Damit werden sie leben müssen", knurrte er, "es hat uns ja auch keiner gefragt, ob wir Ärger mit der Legion haben wollen oder nicht."
Die Priesterin zuckte mit den Achseln.
"Einschränkungen, gleich welcher Art, werden wir alle erfahren, und mit Sicherheit können wir nicht krampfhaft an alten Gewohnheiten festhalten. Ich denke Joros Anwesenheit sollte das mittlerweile allen hier klar gemacht haben."
Sie sah sich um.
"Ich für meinen Teil werde jetzt einmal durch den Tunnel gehen und ein paar Kräuter sammeln gehen. Davon kann man niemals genug haben."
Joro hielt sich davon ab, sie zu fragen, ob er mitkommen solle, vor allem nicht, weil Nalfein dabei war und noch einige andere Drow in Hörweite standen.
Vierna war seine Gefühlsregung jedoch nicht entgangen und ihre Hände formten aus einer sicheren Position 'Ein anderes Mal'. Dann lächelte sie und ging ins Haus.
Nalfein rückte seine Kleidung endgültig zurecht und meinte:
"Ich gehe jetzt und treffe mich mit den Spähern zur täglichen Lagebesprechung, magst du mitkommen?"
Der Priester schüttelte den Kopf.
"Nein, ich habe mir vorgenommen, vor das Portal zu gehen und mich umzusehen, wie es den Leuten aus Noth geht. Das wollte ich eigentlich schon vor unserer Abreise."
"In Ordnung. Du kannst mir ja hinterher berichten, was dort los war, ich habe immer gerne einen Überblick über die Lage."
Joro nickte und machte sich auf den Weg, während Nalfein in eine andere Richtung fortging.
 

© Matthias Wruck
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Und schon geht es hier weiter zum 27. Kapitel...

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