Magische
Welt
Íja Macár
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 Hindernisse / K82 (Latsi)
 

Wasser und Silber
K89
 von: Latsi

Mérdin war ein Stück Holz. Ein unbewegliches Stück Holz in den eisigen Fluten, das nicht denken konnte, nicht atmen, nichts wissen. Er hatte aufgehört, gegen das Wasser zu kämpfen. Holz konnte doch schwimmen. Also konnte er das auch. Er war ein Stück Holz.
Und wie ein Stück Holz wurde sein steifer Körper gepackt und über etwas Hartes geschleift. Holz. Kaltes Wasser. Tod. - Atmen! Jemand hatte ihm Atem gegeben, und wie eine Maschine reagierte Mérdins Körper mit einem eigenen Versuch, Sauerstoff in die Lungen zu saugen. Mérdin würgte. Wasser sprudelte aus seinem Mund und seiner Nase, er ächzte - und atmete.
Er war kein Holz. Er lebte.
Mérdin blinzelte. Eine große, dunkle Gestalt hockte neben ihm. Wieder würgte er Wasser hervor, hustete, dann versuchte er, sich aufzusetzen und zu sprechen. Seine Stimme krächzte wie eine Krähe, und es tat weh. Mehr als ein "Danke" brachte er nicht hervor, bevor der Husten ihn überwältigte. Die Gestalt - sein Retter - klopfte ihm etwas unbeholfen auf den Rücken. Als er aufhörte zu husten, hörte Mérgin, wie sich Schritte näherten. Eine zweite Person kam heran und legte ihm eine Decke über die Schultern. Langsam gehorchten seine Augen wieder seinem Willen, und der Zwerg schaute auf.
Zwei Menschen, im Hintergrund ein Pferd. Der neben ihm trug ein Kettenhemd, an seiner Seite schleifte die augenscheinlich leere Scheide eines kurzen Schwertes im Gras, schulterlanges, dunkles Haar umrahmte ein vollbärtiges Gesicht mit eckigen Kinnbacken, einer breiten Nase und graugrünen, von buschigen Augenbrauen überspanntes Augen. Ein Krieger. Mérdin fühlte sich unbehaglich. Anscheinend schuldete er diesem Kerl sein Leben, aber menschliche Soldaten zählten nicht gerade zu den Personen, denen er auf Anhieb vertraute.
Sein Blick wanderte zu dem anderen Mann. Seltsame Kleidung, kurze, braune Haare - und tintenblaue Augen ohne erkennbare Iris. Mérdin zuckte zusammen.
Der Krieger reagierte sofort. "Er hat irgendwas Seltsames gegessen. Keine Angst, er ist harmloser als ein Regenwurm. Ich bin Wargrov. - Ach ja, er", dabei deutete er mit dem Daumen auf den seltsamen Mann, "heißt Gréjhem."
"Mérdin", krächzte der Zwerg und beobachtete beunruhigt, wie Wargrovs Blick immer wieder zu seiner Brust hinunterwanderte. Was gab es da zu sehen? Seine Hand tastete hinab und berührte das silberne Amulett.
Wargrov schaute ertappt hoch. "Was ist das?" fragte er, und in seiner Stimme lag eine nur mühsam zurückgehaltene Spannung.
Mérdin umfasste das Amulett mit der ganzen Hand. "Warum interessiert Euch das?" fragte er zurück, während alle Alarmglocken schrillten. Verdammt, eigentlich hätte das Schmuckstück unter seinem Wams hängen sollen. Es musste im Wasser herausgerutscht sein.
Wargrov zögerte mit der Antwort.
Der Blauäugige hatte inzwischen ein Feuer entzündet, und langsam wurde es Mérdin wieder warm.
"Darum interessiert es mich", erklärte der Soldat jetzt und zog etwas unter seinem Gürtel hervor.
Mérdin schnappte nach Luft, beinahe als wäre er wieder unter Wasser. "Wo hast du das her?" zischte er und griff nach dem Amulett, das dem seinen auf den ersten Blick wie ein Ei dem anderen glich.
Wargrov zog es weg. "Habe es einem Räuber abgenommen. Einem menschlichen wohlgemerkt."
Räuber? Menschen? "Um Góms Willen, zeigt mir das Amulett!" keuchte Mérdin. Zögernd öffnete Wargrov die Hand, und Mérdins Verdacht bestätigte sich.
"Tórgin!" ächzte er. Dann wurde er bewusstlos.

***

"Großartig", murmelte Wargrov, während er Mérdin die Kleider vom Leib zog und begann, ihn mit der Decke abzureiben. Klüger wäre es natürlich, ihn einfach liegenzulassen und sich nicht auch noch mit einem ohnmächtigen Zwerg zu belasten. Der blinde Verrückte reichte eigentlich schon. Aber ebenso natürlich brachte er das nicht fertig. Er war ein Kämpfer, aber nicht kaltherzig. Außerdem ließ ihn das Geheimnis, das sich mit den Amuletten verband, nicht los.
Er hatte das silberne Ding mit den seltsamen Gravuren schon völlig vergessen gehabt, das er dem toten Räuber beim Ritt zum letzten Treffen mit Armáran abgenommen hatte - bis er die gleiche asymmetrische Siberplatte über dem durchnässten Wams des Zwerges gesehen hatte.
Er hielt einen Moment inne. Eine Art Splitter steckte schräg etwas rechts der Mitte im Silber, winzig klein, aber er schillerte bunt.
Wargrov blinzelte. Der Splitter schillerte nicht nur, er schien zu leuchten!
Ein magisches Amulett? Er hatte noch nie von Magie gehört, die von allein leuchtete, ohne dass jemand sie nutzte...
Wargrov schüttelte den Kopf. Zwerge. Wer wusste schon, was die konnten?
Er wickelte Mérdin vollends in die Decke, dann hieß er Gréjhem wieder aufsteigen und reichte ihm den Zwerg hinauf.
Mit einem "Weiter geht's!" nahm er die Zügel seines Braunen in die Hand und stapfte voran.
Wenn sie nicht bald eine Furt fanden, konnte nicht einmal er sich mehr zu Éroch wagen, ohne um seinen Kopf fürchten zu müssen.

***

Grahams Hintern tat weh. Nun, nicht nur der, aber sein Steißbein litt eben besonders auf dem harten Sattel. Und jetzt musste er auch noch diesen Zwerg festhalten, so dass er sich nicht einmal mit den Händen abstützen konnte. Außerdem war irgendetwas sehr, sehr seltsam, auch wenn er sich nicht sicher war, was. Sein Hintern tat auch zu sehr weh, als dass er sich darauf hätte konzentrieren können.
Aber etwas war anders. Was war es nur?
Es war still. Erstaunlich still.
"Hallo?" dachte Graham, aber es kam keine Antwort.
Die Stimmen waren weg! Eine kleine Panikattacke überfiel ihn. "Wo seid ihr?!" brüllte er laut. Ohne die Stimmen wäre er doch völlig hilflos! Blind!
"Spinnt Ihr?" raunzte Wargrov ihn an, der das erschreckt nach vorn springende Pferd gerade noch festhalten konnte, "Ich bin doch hier, verdammt!"
"Doch nicht Ihr", stammelte Graham, während er panisch auf die aus Süd-Schraduer Wolle gefilzte Decke starrte, in die der Zwerg vor ihm eingehüllt war, "Ich meinte... doch... die..."
Süd-Schradu? Woher wusste er das? Und was um alles in der Welt war das überhaupt?
Die Stimme in seinem Kopf klang leise und sehr spöttisch. "Na endlich! Ich sagte doch die ganze Zeit, dass du nicht weniger, sondern mehr sehen kannst!"
Das Pferd war 9 Jahre, 4 Monate und 12 Tage alt und hatte Probleme mit dem rechten hinteren Backenzahn. Der Stein, auf den es gerade trat, bestand aus Basalt, vor Jahrmillionen aus einem Vulkan herausgeschleudert, gestern hatten sich zwei Blattwanzen auf ihm gepaart. Das Staubkorn vor seinem Gesicht stammte von der rechten Schwinge eines alten Dohlenmännchens, das Eisen von Wargrovs Kettenhemd...
Graham ächzte auf, als die Welt sich mit tausenden von Hintergrundinformationen in sein Hirn bohrte, und senkte den Blick auf das Bündel vor ihm.
Die Decke kannte er schon.
Das Amulett lag auf der nackten Brust des Zwerges. Sein Silber stammte aus der Tiefe des Berges, in dem Bárat-Ódúr lag, die Hauptstadt der Zwerge. In einer dunklen, geheimen Kammer war es gehämmert worden, geformt, graviert, dann hatte es mit anderen von gleicher Art zusammengelegen. Der schimmernde Splitter zog Grahams Blick auf sich. Dolm. Ein Stück reinen Dolms hatte man in das Silber gebettet - und darunter lag eine hauchdünne Schicht von einem anderen Metall... ein sehr geheimes Metall, dessen Zusammensetzung er nicht sehen konnte. Die Zwerge nannten es Gsolm, und er sah die magische Kraft, die es ausstrahlte...
"Verdammt!" fluchte Wargrov in diesem Augenblick schon wieder, und er fügte noch einige Worte an, die Graham noch nicht kannte, und die die Stimmen ihm auch nicht übersetzten, "Wo ist dieser vermaledeite Druiden-Kläffer abgeblieben?!"
 


... und wie geht's weiter? Das würde ich auch gern erfahren.
Mailt mir bitte, wenn ihr es wißt!
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